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Geschlechterdebatte am Supreme Court : Die Verpflichtung der weisen Frauen

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Die Sammelklage gegen Wal-Mart sei an männlicher Borniertheit gescheitert, behaupten Bürger- und Frauenrechtlerinnen Bild: dapd

Fünf von sechs männlichen Mitgliedern des Obersten Gerichtshofs der Vereinigten Staaten konnten beim Supermarktgiganten Wal-Mart keine Frauendiskriminierung erkennen. Urteilen Richterinnen anders?

          Wie viele Frauen wären genug? „Neun“, antwortete Ruth Bader Ginsburg mit sibyllinischem Lächeln, als sie im amerikanischen Fernsehen zur Präsenz von Richterinnen am Supreme Court befragt wurde. Für lange Zeit seien die neun Plätze am Obersten Gerichtshof nur von Männern besetzt worden. „Also warum nicht neun Frauen?“

          Dann wäre der Streit über Diskriminierungsvorwürfe gegen den Supermarktgiganten Wal-Mart anders entschieden worden, behaupten Bürger- und Frauenrechtlerinnen, die überzeugt sind, die größte Sammelklage in der amerikanischen Rechtsgeschichte sei an männlicher Borniertheit der konservativen Supreme-Court-Mehrheit gescheitert. Angeführt vom Rechtsaußen Antonin Scalia schlossen die fünf Richter vom konservativen Flügel in dem am 20. Juni verkündeten Urteil ein kollektives Vorgehen der mehr als 1,5 Millionen weiblichen Wal-Mart-Angestellten gegen den Einzelhandelskonzern kategorisch aus. Für eine Bündelung der Diskriminierungsklagen gebe es nicht genügend Gemeinsamkeiten zwischen den unzähligen Klägerinnen, lautete das zentrale Argument der Richtermehrheit.

          Eine Bestätigung von Geschlechterstereotypen

          Auch die Richterminderheit wertete die Sammelklage in ihrer aktuellen Form als unzulässig. Aber anders als die Richtermehrheit hielt die Minderheit, für die die frühere Frauenanwältin Ginsburg das Sondervotum schrieb, ein gemeinsames Vorgehen der Wal-Mart-Mitarbeiterinnen gegen den weltweit größten Einzelhandelskonzern prinzipiell für möglich.

          Antonin Scalia gilt als konservative Stimme am Supreme Court

          Wie in nahezu allen Verfahren, die der Supreme Court mit fünf zu vier Stimmen entscheidet, zeigten sich die Obersten Richter auch im Fall Wal-Mart entlang ideologischer Linien gespalten. Die Entscheidung fügt sich damit in das Klischee, die konservative Mehrheit stimme für „big business“, während die linksliberale Minderheit Schutzmacht der kleinen Leute sei. Auch Geschlechterstereotypen scheinen sich im Großen und Ganzen zu bestätigen: Die Sammelklage der Wal-Mart-Mitarbeiterinnen scheiterte an einer ausschließlich männlichen Richtermehrheit. Die drei Richterinnen am Gerichtshof wollten dagegen die Tür für eine kollektive Diskriminierungsklage offen halten. Durchbrochen wurde dieser hypothetische geschlechterbedingte Frontverlauf allerdings durch das Stimmverhalten von Richter Stephen Breyer, der gemeinsam mit den drei Richterinnen gegen die konservative Mehrheit stimmte.

          Welche Rolle also spielt das Geschlecht für das Recht? Die Frage hat Wissenschaftler und vor allem Wissenschaftlerinnen in den Vereinigten Staaten seit Jahrzehnten in ungleich stärkerem Maße beschäftigt, als das hierzulande der Fall ist. Als die amerikanische Entwicklungspsychologin Carol Gilligan in den achtziger Jahren in ihrem Buch „Die andere Stimme“ einer männlichen Ethik der Gerechtigkeit und der Rechte eine weibliche Ethik der Verantwortung und Fürsorge gegenüberstellte, entzündete sich daran eine heftige Debatte, ob Frauen und Männer unterschiedlich richten. Ein klares Ergebnis haben die zahlreichen wissenschaftlichen Arbeiten zur Bedeutung von Geschlechterunterschieden für die Urteilsfindung jedoch nicht gebracht.

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