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Illustration: Kat Menschik

Mit den besten Empfehlungen

28. November 2021 · Für alle, die es kurz mögen: Unsere Bücher, Musik und bewegten Bilder zur Weihnachtszeit.

Der Roman

Eleonore Büning
Eleonore Büning
Monika Helfer: „Die Bagage“.
dtv, 11 Euro.
Traurig, aber wahr: Die Geschichte von Maria und Joseph und ihren sieben klugen Kindern. Ein Arme-Leute- Krimi aus den Bergen.
Julia Encke
Julia Encke
Edgar Selge: „Hast du uns endlich gefunden“.
Rowohlt, 24 Euro.
Wer Selge in Houellebecqs „Unterwerfung“ auf der Bühne gesehen hat, liegt ihm sowieso zu Füßen. Aber jetzt ist er auch ein großer Schriftsteller.
Novina Göhlsdorf
Novina Göhlsdorf
Arundhati Roy: „Azadi heißt Freiheit“.
S. Fischer, 24 Euro.
Kein Roman, aber spürbar der Essayband einer Romanautorin, deren politischer Aktivismus auch im Schreiben liegt. Indien wird seit über sieben Jahren von seiner faschistischen Regierung zersetzt, wenig bemerkt von der sogenannten Welt. Es wird Zeit.
Peter Körte
Peter Körte
Gustave Flaubert: „Memoiren eines Irren“.
Hanser, 28 Euro.
Ein junger Mann, eine ältere Frau, ein geretteter Bademantel – auch eine Erziehung des Herzens. Flauberts Erstling, neu übersetzt von der fabelhaften Elisabeth Edl.
Karen Krüger
Karen Krüger
Ronya Othmann: „die verbrechen: Gedichte“.
Hanser, 20 Euro.
Eine Erinnerungslandschaft aus Gewalt, Zerstörung, Glück und viel besser als ein Roman
Andreas Lesti
Andreas Lesti
Jörg Martin Dauscher: „Verfluchte Berge“.
DuMont, 16,95 Euro.
Kein schlechter Platz für einen Lockdown: Der Autor wurde auf einer Berghütte im Kosovo eingeschneit. Das Ergebnis ist diese schöne und schlaue Erzählung über die Magie der Abgeschiedenheit.
Barbara Liepert
Barbara Liepert
Eva Menasse: „Dunkelblum“.
Kiepenheuer & Witsch, 25 Euro.
Ist Abgrund eine österreichische Spezialität? Nicht unbedingt, aber selten ist die dunkle Seite des heiteren Alpenlandes so kunstvoll und schmerzhaft erzählt worden.
Niklas Maak
Niklas Maak
Leïla Slimani: „Das Land der Anderen“.
Luchterhand, 22 Euro.
Frankeichs interessanteste Schriftstellerin über die Liebe einer Elsässerin zu einem Marokkaner im Jahr 1945. Nach einer wahren Geschichte, nämlich der ihrer Großmutter.
Anna Prizkau
Anna Prizkau
Isaac Bashevis Singer: „Der Scharlatan“.
Suhrkamp, 25 Euro.
Man muss sich vorm Verlag, der das Werk Singers jetzt wieder veröffentlicht, verneigen. Denn damit verneigt man sich auch vor großer, echter, ehrlichster und schönster Weltliteratur, die ohne Singers Stimme absolut undenkbar ist.
Cord Riechelmann
Cord Riechelmann
Donatella Di Cesare: „Philosophie der Migration“.
Matthes & Seitz, 26 Euro.
Kein Roman, „nur“ ein Plädoyer für die Gastfreundschaft vor dem Hintergrund, dass es ein Recht auf Ausreise, aber keines auf Einreise gibt.
Tobias Rüther
Tobias Rüther
Lawrence Durrell: „Das Alexandria-Quartett“.
Kampa, 58 Euro.
Eine vergessene Legende der englischen Literatur: der Mythos einer Stadt in vier Romanen, neu aufgelegt und kommentiert.
Florentin Schumacher
Florentin Schumacher
Katharina Volckmer: „Der Termin“.
Kanon Verlag, 20 Euro.
Besinnlichkeit kommt auf diesen 128 Seiten sicher nicht auf: sehr unterhaltsamer Rant gegen die Deutschen, ihre Brotlüge und so ziemlich alle anderen Zumutungen der Gegenwart.
Mark Siemons
Mark Siemons
Mathias Enard: „Das Jahresbankett der Totengräber“.
Hanser Berlin, 26 Euro.
Ein genial verrückter Roman über Landleben, Ethnologie, Geschichte und allerlei Getier, mit Reinkarnation als poetologischem Prinzip.
Harald Staun
Harald Staun
László Krasznahorkai: „Herscht 07769“.
Fischer, 26 Euro.
Ein Ungar schreibt den deutschen Roman des Jahres: ein großer, langer, tragikomischer Satz über ein Kaff in Thüringen, über Trostlosigkeit und Antimaterie, über Nazis und Wölfe, Angela Merkel und Johann Sebastian Bach.
Anna Vollmer
Anna Vollmer
Nora Ephron: „Was nie im Trend lag, kommt auch niemals aus der Mode“.
Atlantik, 20 Euro.
Wer immer schon mal wissen wollte, wie es war, Praktikantin bei JFK gewesen zu sein, muss dieses Buch lesen.



Nächstes Kapitel:

Das Sachbuch



Illustration: Kat Menschik

Das Sachbuch

Eleonore Büning
Eleonore Büning
Christoph Niemann: „Pianoforte“.
Abstractometer Press, 30 Euro.
German Edition. Oder ist das doch vielleicht eher ein Bildband? Egal. Das Handy bleibt jedenfalls aus, weil nämlich beim Klavierüben alle Synapsen beschäftigt sind.
Julia Encke
Julia Encke
Stephan Malinowski: „Die Hohenzollern und die Nazis“.
Das bahnbrechende Buch eines glänzenden Autors (der zu denen gehört, die von den Hohenzollern unter Druck gesetzt wurden und sich davon nicht beirren ließ).
Novina Göhlsdorf
Novina Göhlsdorf
Steffen Mau: „Sortiermaschinen. Die Neuerfindung der Grenze im 21. Jahrhundert“.
C. H. Beck, 14,95 Euro.
Wieso Globalisierung nicht nur die Öffnung von Ländergrenzen, sondern immer auch ihre Schließung bedeutet und die Beweglichkeit der einen immer die Stillsetzung der anderen. Grenzen sortieren.
Peter Körte
Peter Körte
Stephan Malinowski: „Die Hohenzollern und die Nazis. Geschichte einer Kollaboration“.
Propyläen, 35 Euro.
Hier wird einer sinnvollen Deutung dieser Geschichte ganz entscheidend Vorschub geleistet
Karen Krüger
Karen Krüger
Canan Topçu: „Nicht mein Antirassismus: Warum wir einander zuhören sollten, statt uns gegenseitig den Mund zu verbieten. Eine Ermutigung“.
Quadriga, 16,90 Euro.
Klug, sehr persönlich und kenntnisreich.
Andreas Lesti
Andreas Lesti
Cédric Gras: „Stalins Alpinisten. Der Fall Abalakow“.
Tyrolia Verlag, 27,95 Euro.
Zwei gefeierte russische Bergsteiger werden 1938 unter Stalin verhaftet und verschwinden. Warum? Die mysteriöse und spannende Geschichte der Brüder Abalakow, recherchiert von einem französischen Journalisten.
Barbara Liepert
Barbara Liepert
David Abulafia: „Das unendliche Meer. Die große Weltgeschichte der Ozeane“.
Fischer, 68 Euro.
Alles über das große Blau, das 70 Prozent der Erde bedeckt und auf dem die Weihnachtsgeschenke zu uns transportiert werden. Horizonterweiternd.
Niklas Maak
Niklas Maak
Édouard Glissant: „Philosophie der Weltbeziehung“.
Wunderhorn, 20 Euro.
Kein Sachbuch, eher ein ganzer Weltentwurf des auf Martinique geborenen, viel zu unbekannten Poeten und Philosophen des postkolonialen Denkens.
Anna Prizkau
Anna Prizkau
Karla Hielscher: „Dostojewski in Deutschland“.
Suhrkamp, 14 Euro.
Keiner vor und nach ihm hat unser Land so literarisch-schön gehasst wie dieser kranke, hypochondrische, antisemitische, russlandliebende und dennoch geniale Weltschriftsteller.
Cord Riechelmann
Cord Riechelmann
Frank B. Wilderson III: „Afropessimismus“.
Matthes & Seitz, 28 Euro.
Klarer kann man es nicht sagen: „Blackness“ ist „Slaveness“. Wie Wilderson von dieser Diagnose aus die Geschichte des eigenen Schwarzseins erzählt, das ist wirklich notwendig.
Tobias Rüther
Tobias Rüther
Paul McCartney: „Lyrics“.
Beck, 78 Euro.
Autobiographie zum Mitsingen.
Florentin Schumacher
Florentin Schumacher
Bessel van der Kolk: „Verkörperter Schrecken“.
G. P. Probst Verlag, 36 Euro.
Alles über Traumata, ihre Ursachen und Therapien von einem, der sich seit Jahrzehnten mit ihnen beschäftigt.
Mark Siemons
Mark Siemons
Ai Weiwei: „1000 Jahre Freud und Leid.
Erinnerungen“. Penguin, 38 Euro.
Ein Memoir, das gerade wegen seiner Lakonie berührt und die Erfahrungen Ai Weiweis in China verstehen lässt.
Harald Staun
Harald Staun
Kai-Fu Lee, Chen Qiufan: „AI 2041: Ten Visions for Our Future”.
WH Allen, ca. 15 Euro.
Ein optimistischer KI-Forscher und ein dystopischer Science-Fiction-Autor spielen Pingpong mit ihren ziemlich realistischen Spekulationen über die nicht allzu ferne Zukunft.
Anna Vollmer
Anna Vollmer
Ulrich van Loyen: „Der Pate und sein Schatten.
Die Literatur der Mafia“. Matthes und Seitz, 15 Euro.
Die Mafia lässt sich nicht erst seit „Gomorrha“ von der Fiktion inspirieren. Ein Buch über eine sehr intensive wechselseitige Beziehung.

Nächstes Kapitel:

Der Bildband



Illustration: Kat Menschik

Der Bildband

Eleonore Büning
Eleonore Büning
Paul McCartney: „Lyrics: 1956 bis heute“.
Hrsg. von Paul Muldoon. C. H. Beck, 78 Euro.
Steht nichts drin, was man nicht sowieso auswendig weiß. Aber wunderschön. Die Bildstrecke – 647 Abbildungen – ist einfach eine Wucht.
Julia Encke
Julia Encke
Christopher Sims: „The Pretend Villages. Inside the U.S. Military Training Grounds“.
Kehrer, 35 Euro.
Sieht aus wie Afghanistan, ist aber Kalifornien. Sims hat Fake-Kriegsschauplätze des US-Militärs fotografiert. Dokument eines seltsamen Schattenreichs.
Novina Göhlsdorf
Novina Göhlsdorf
Anja Nitz: „Depot“.
Kerber, 40 Euro.
Kein Coffee Table Book! Nitz‘ ruhige Fotografien aus den Depots ethnologischer Museen in Sachsen beunruhigen. Sie zeigen, was nicht ausgestellt wird und vielleicht umso mehr in Besitz genommen. „Geister ohne Frieden“: katalogisiert, in Schubladen, unter Folie.
Peter Körte
Peter Körte
Alexander Steffen: „Vanishing Berlin – in der Zwischenzeit“.
Edition Braus, 29,90 Euro.
Erst wenn die letzte Brandmauer/Brache verdeckt/überbaut ist, wird man merken, dass das neue Berlin noch hässlicher ist als das der Nachkriegszeit.
Karen Krüger
Karen Krüger
Sabine Arqué/Marc Walter: „The Grand Tour. Dasgoldene Zeitalter des Reisens“.
Taschen, 60 Euro.
Als die Welt noch groß und fremd war und Reisen richtig viel Zeit brauchte.
Andreas Lesti
Andreas Lesti
Klaus Fengler/Tom Dauer: „Expedition: Aufbruch ins Ungewisse“.
Knesebeck, 75 Euro.
Von Russland bis Guyana, von Grönland bis Patagonien: gewaltige Landschaftsaufnahmen in Schwarz-Weiß, reduziert aufs Wesentliche, und mittendrin Menschen, die sich an den Naturgewalten abarbeiten.
Barbara Liepert
Barbara Liepert
„Wildlife Fotografien des Jahres – Portfolio 31“.
Knesebeck, 35 Euro.
Ein bisschen David Attenborough und ein bisschen Naturhistorie passen unter jeden Weihnachtsbaum, jedes Jahr.
Niklas Maak
Niklas Maak
Juliane Liebert: „Lieder an das große Nichts“.
Suhrkamp, 18 Euro.
Kein Bildband, dafür das schönste Buchcover der Saison – und dahinter Gedichte, die schöner und lakonischer und umwerfender sind als viele Bilder. Also!
Anna Prizkau
Anna Prizkau
Herlinde Koelbl: „Angela Merkel. Portraits 1991 – 2021“.
Taschen, 50 Euro.
Ja, sie war alles: Vorbild, Hassfigur, Entschuldigung, die Schuldigste. Jetzt gibt es Fotografien von der Frau, die die jüngste Geschichte Deutschlands schrieb – für jeden, der sich für Geschichte interessiert. Also genau Sie!
Cord Riechelmann
Cord Riechelmann
Wolfgang Brauneis/Raphael Gross (Hrsg.): „Die Liste der ‚Gottbegnadeten‘. Künstler des Nationalsozialismus in der Bundesrepublik“.
Prestel, 34 Euro.
Wie man ohne Bruch vom Staatsbildhauer des NS-Regimes zum Porträtisten des Architekten der sozialen Marktwirtschaft werden konnte.
Tobias Rüther
Tobias Rüther
Bruce Springsteen/Barack Obama: „Renegades”.
Penguin, 42 Euro.
Der eine Boss und der andere sprechen darüber, was es heißt, born in the USA. zu sein. Bisschen anstrengend spirituell auf Dauer, aber es ist ja Weihnachten.
Florentin Schumacher
Florentin Schumacher
Neven Allgeier: „Porträts“.
Distanz Verlag, 34 Euro.
Verträumt und sanft, einfach wahnsinnig gut sieht dieser dunstige Farbschimmer aus, den der Fotograf Neven Allgeier über die hier abgebildeten 125 Künstler und Künstlerinnen legt.
Mark Siemons
Mark Siemons
Franz Kafka: „Die Zeichnungen“.
Kilcher. Beck, 45 Euro.
Hrsg. von Andreas 150 Skizzen aus Kafkas Nachlass, viele davon unbekannt: Zeichnungen wie Kalligraphie, schwebend, leicht und beunruhigend zugleich.
Harald Staun
Harald Staun
James Cheshire/Oliver Uberti: „Atlas of the Invisible: Maps & Graphics That Will Change How You See the World”.
Particular Books, 20,99 Euro.
Chesire und Uberti machen die Geografie der verborgenen Muster sichtbar. Und den nicht mehr zu übersehenden Klimawandel.
Anna Vollmer
Anna Vollmer
Lee Friedlander, Ausstellungskatalog.
Editorial RM, 62,50 Euro.
Wer die Welt humorvoll und aufmerksam betrachtet, hat mehr von ihr. Der geniale Lee Friedlander tut das – und hält diesen Blick für uns in seinen Fotografien fest.



Nächstes Kapitel:

Für Kinder



Illustration: Kat Menschik

Für Kinder

Eleonore Büning
Eleonore Büning
Rudyard Kipling: „Das Dschungelbuch“.
Argon Hörbuch, 15,45 Euro.
Mit Christian Brückner und dem wilden Jazzorchester. In diesem Dschungel sind blaue Noten unterwegs, glissandoheulende Wölfe und der weltbeste Märchenonkel.
Julia Encke
Julia Encke
Sabine Lemire/Rasmus Bregnhøi: „Mira #freunde #verliebt #einjahrmeineslebens“.
Klett, 15 Euro.
Nach der Begegnung mit dem dänischen Zeichner und der Autorin auf dem internationalen Literaturfestival las fast die ganze fünfte Klasse meiner Tochter gleich alle vier Bände.
Novina Göhlsdorf
Novina Göhlsdorf
Saša Stanišić: „Panda-Pand. Wie die Pandas mal Musik zum Frühstück hatten“. Mit Illustrationen von Günther Jakobs.
Carlsen, 12 Euro.
Panda Peter alias Nicht-Peter, ein bedächtiger Bodenturner, pustet in sein Bambusfrühstück und macht Musik draus. Ein kleines Sprachkunstwerk für Kleine ab fünf Jahre und echt auch für Große.
Peter Körte
Peter Körte
Friedhelm Wessel: „Schalke 04 in den 70er-Jahren. Ein königsblaues Jahrzehnt in Bildern“.
Sutton, 19,99 Euro.
Was soll man schon tun, wenn der Sohn für Schalke ist? Tausendmal besser jedenfalls, als wenn er für den BVB wäre.
Karen Krüger
Karen Krüger
Andreas Beune: „299 schlaue Dinge über Sport, die jedes Kind wissen sollte“.
Covadonga, 19,80 Euro.
Wie geht Slacklining? Und was ist Swamp Soccer? Ein Buch für alle, die lieber draußen rumtoben, als vor dem Handy oder der Glotze zu hocken.
Andreas Lesti
Andreas Lesti
Paul Maar/Sabine Büchner/Ute Krause (Illustration): „Möpse, Dackel, Hütehunde“.
Oettinger, 15 Euro.
„Der Hund, er ist mein Lieblingstier, er hat Beine, und zwar vier. Und ruft man ihn zu sich, dann kommt er, hoffentlich.“ Ein Hundebuch vom Sams-Autor, mit viel Liebe zum Tier und zur Lyrik.
Barbara Liepert
Barbara Liepert
Jean-Jacques Sempé: „Hin und weg“.
Diogenes, 40 Euro.
Der größte lebende Cartoonist Frankreichs wird 2022 90. Hier kommentiert er alle wichtigen Phänomene und Absurditäten der Gegenwart mit einem leisen, aber durchschlagenden Humor.
Niklas Maak
Niklas Maak
Bausatz „Der kleine Karl“.
Bengs, ab 260 Euro.
Voll funktionsfähiger Viertakt-Verbrennungsmotor mit Hit-and-Miss-Regelung zum Selberbauen, inklusive Zündung. Auch praktisch, wenn der Tesla es mal wieder nicht zur Ladesäule schafft.
Anna Prizkau
Anna Prizkau
David Baddiel: „Und die Juden?“.
Hanser, 18 Euro.
Dieses kleine und große Buch müssen wir nur deshalb allen Kindern schenken, damit wenigstens sie zu den echten und anständigen Anti- Antisemiten werden, die wir selbst gerne wären.
Cord Riechelmann
Cord Riechelmann
Albrecht Beutelspacher: „Null, unendlich und die wilde 13“.
C. H. Beck, 18 Euro.
Wenn dieser Mathematiker erklärt, dass die Null aus Indien kommt und die Dreizehn die schöne Harmonie der Zwölf stört, aber deshalb kein Unglück bringen muss, dann werden auch Zahlen emotional.
Tobias Rüther
Tobias Rüther
Louisa May Alcott: „Little Women“.
Reclam, 36 Euro.
Amerikanischer Emanzipationsklassiker für Mädchen und Jungen und alles dazwischen, neu übersetzt.
Florentin Schumacher
Florentin Schumacher
Das weiß ich wirklich nicht.
Mark Siemons
Mark Siemons
„Anne with an E – Die komplette Serie”.
Rough Trade Distribution, 35,99 Euro (DVD).
Erstaunlich leise und subtile Netflix-Serie nach dem Klassiker „Anne auf Green Gables“, einem Vorbild für Pippi Langstrumpf: Großartig ab 12 Jahre.
Harald Staun
Harald Staun
María Isabel Sánchez Vegara: „Little People, Big Dreams“.
Frances Lincoln Children’s Books, Preis variierend.
Die spanische Autorin produziert ihre schönen Bücher über die Lebensgeschichten berühmter Persönlichkeiten inzwischen am Fließband. Gerade neu erschienen sind zum Beispiel Michelle Obama und Louise Bourgeois.
Anna Vollmer
Anna Vollmer
Sydney Smith/Jordan Scott: „Ich bin wie der Fluss“.
Aladin, 18 Euro.
Kluges und großartig illustriertes Bilderbuch über einen Jungen, der lernt, mit seinem Stottern zurechtzukommen.

Nächstes Kapitel:

Musik



lllustration: Kat Menschik

Musik

Eleonore Büning
Eleonore Büning
Robert Schumann: Alle Lieder.
Christian Gerhaher/ Gerold Huber u. a. (11 CDs, Sony Classical).
Es sind ja nicht ganz alle, „nur“ 299. Doch dafür ist Huber/ Gerhaher das feinste, ehrlichste, klarste Liedduo aller Zeiten und Schumanns Prophet.
Julia Encke
Julia Encke
Benjamin Biolay: „Grand Prix“
(Polydor).
Ich mag ihn einfach immer noch, seit „Négatif“. „Comment est ta peine?“
Novina Göhlsdorf
Novina Göhlsdorf
James Blake: „Friends That Break Your Heart”.
(Republic/Polydor).
Ein Album zum Drin-Schweben, glimmernd und funkelnd. Und Musik für pandemisch vertretbare Moves zwischen Schreibtisch, Küche und Sofa.
Peter Körte
Peter Körte
Girlwoman: „Das Große Ganze“.
(Staatsakt).
Melancholischer, minimalistischer Elektropop, dunkle Rap-Stimme – starkes Debütalbum der Bielefelder Musikerin.
Karen Krüger
Karen Krüger
Barack Obama: „Dreams From My Father: A Story of Race and Inheritance”
(gelesen von Barack Obama, Canongate Books).
Eine Spurensuche nach dem eigenen Vater und die ganze Zeit die Stimme des Ex-Präsidenten im Ohr.
Andreas Lesti
Andreas Lesti
Iron & Wine: „Archive Series Volume No. 5“
(Sub Pop Records/Black Cricket Recording Co).
Der Sound, der uns durch den November getragen hat – und durch den Advent tragen wird.
Barbara Liepert
Barbara Liepert
Damon Albarn: „The Nearer The Fountain, More Pure The Stream Flows“
(Transgressive/Rough Trade/ PIAS).
Die Zeiten sind zu dunkel für lustige Dudelsongs. Albarns neues Album ist angemessen düster.
Niklas Maak
Niklas Maak
Jarvis Cocker: „Chansons d’Ennui Tip-Top“
(Universal).
Ex-Frontmann der britischen Band Pulp singt französische Hits aus den Sechzigern. Herzzerreißend! Rückkehr Englands in die EU danach nur noch eine Frage von Monaten.
Anna Prizkau
Anna Prizkau
Shirin David: „Bitches brauchen Rap“
(Juicy Money Records).
Im deutschen Feuilleton (zum Glück nicht in dem dieser Zeitung) nennt man sie gerade eine „Neofeministin“, doch Shirin David ist eigentlich nur eines: der beste Rapper Deutschlands!
Cord Riechelmann
Cord Riechelmann
Anica: „Change“
(Invada Records).
Wie hier, aus der Düsternis der Zeit sich erhebend, eine in schwarzer Galle geformte Stimme das Mantra „I think we can change“ andauernd wiederholt, das hat man so noch nicht gehört.
Tobias Rüther
Tobias Rüther
Saint Etienne: „I’ve been Trying to Tell You”
(Heavenly).
So schön waren die Neunziger ja auch wieder nicht. Oder doch? Vielleicht nur in diesen gesampelten Erinnerungen.
Florentin Schumacher
Florentin Schumacher
Shirin David: „Bitches brauchen Rap“
(Juicy Money Records).
Nach den 15 Empowerment-Rap-Songs der besten deutschen Rapperin zurzeit fühlt man sich selbst als Mann als sogenannte starke Frau.
Mark Siemons
Mark Siemons
Tori Amos: „Ocean to Ocean“
(Decca).
Dieses Album, Frucht eines Lockdowns in Cornwall, bringt Tori Amos wieder auf die Höhe ihrer Anfänge von „Little Earthquakes“ zurück.
Harald Staun
Harald Staun
Audiobooks: „Astro Tough“
(Heavenly Recordings).
Der walisische Produzent David Wrench (50) mixt aus den Resten von Punk, Wave und Elektro einen aufputschenden Zaubertrank, die britische Art- School-Absolventin Evangeline Ling macht sich darauf mit ihrem fesselnden Sprechgesang ihren eigenen Reim.
Anna Vollmer
Anna Vollmer
Franco Battiato: „La voce del Padrone (40th Anniversary Edition)“
(Universal).
Battiato, einer der wunderbarsten italienischen Sänger, ist dieses Jahr gestorben. Nicht nur deshalb sollte man ihn hören.

Nächstes Kapitel:

Bewegte Bilder



Illustration: Kat Menschik

Bewegte Bilder


Eleonore Büning
Eleonore Büning
„The Queen’s Gambit“.
Miniserie von Scott Frank (Netflix).
Im Traum an die Decke gemalt, in weichen Farben: Es war einmal ein kluges kleines Mädchen, das den Alkoholteufel besiegte und alle Turniere gewann.
Julia Encke
Julia Encke
Andreas Kleinert: „Lieber Thomas“.
Gerade im Kino, Gutschein verschenken!
Einfach nur beeindruckend, dieser Film über den Schriftsteller Thomas Brasch mit einem fabelhaften Albrecht Schuch und Jella Haase. Ein Film über Deutschland.
Novina Göhlsdorf
Novina Göhlsdorf
„Meeting the Man: James Baldwin in Paris”.
Dokumentarfilmversuch von 1970 (ausgegraben von Mubi).
Kurz und schmerzhaft. Gegen einen Film, der ihn übersieht und nichts versteht, kämpft James Baldwin so unermüdlich, klug und wortstark, dass man den Film unbedingt sehen muss und dabei sehr viel versteht.
Peter Körte
Peter Körte
Christoph Schlingensief: „Die 120 Tage von Bottrop“.
(Filmingo).
Die Reste der Fassbinder-Familie kamen 1997 in Berlin zusammen, um den deutschen Film zu beerdigen. Und den neuen Potsdamer Platz gleich mit.
Karen Krüger
Karen Krüger
„Il Traditore – Als Kronzeuge gegen die Cosa Nostra“.
(Pandora).
Die wahre Geschichte von Tommaso Buscetta, der gegenüber Richter Falcone sein Schweigegelübde brach und den berühmten Maxi-Prozess ermöglichte. Einfach der beste Mafiafilm.
Andreas Lesti
Andreas Lesti
„European Outdoor Filmtour: EOFT“.
(ab Ende Februar auch für zu Hause zum Streamen: www.outdoor-cinema.net).
Große Abenteuer im Kurzfilmformat.
Barbara Liepert
Barbara Liepert
„Jungle Cruise“.
(Disney Plus).
Turbulente Amazonasreise, „African Queen“ trifft auf „Fluch der Karibik“ und gierigen deutschen Adel; hinterher diskutiert die ganze Familie über Genderklischees, ab 12 Jahre.
Niklas Maak
Niklas Maak
„Billion Dollar Code“.
(Netflix).
Kurzserie nach einer wahren Sauerei: Künstler und geniale Hacker (Joachim Sauter, Pavel Mayer, Axel Schmidt, Gerd Grüneis) erfinden „Terravision“, US-Konzern klaut die Idee – und nennt sie „Google Earth“.
Anna Prizkau
Anna Prizkau
Craig Gillespie: „Cruella“.
(Disney+).
Wie aus einem armen, traurigen, verletzten Waisenmädchen eine Dalmatinerhasserin geworden ist, interessiert einen natürlich nicht. Doch die Kostüme in diesem Film sind einfach: wow! Und ja, auch: wauwau!
Cord Riechelmann
Cord Riechelmann
Clark Johnson: „Percy“.
(DVD/Blue Ray, MFA+ Cinema).
Der Kampf eines alten Mannes gegen einen Chemieriesen um Saatgut ist nicht nur für Christopher-Walken-Fans, der hier aber so gut ist wie immer schon.
Tobias Rüther
Tobias Rüther
„Finch“.
(Apple TV).
Wer sonst sollte der letzte Mensch auf der Welt sein, wenn nicht Tom Hanks? Ein Robotermärchen mit Hund und dem unwahrscheinlichsten, schönsten Happy End.
Florentin Schumacher
Florentin Schumacher
„The White Lotus“.
(u.a. bei Sky, Amazon, iTunes).
Politisch korrekte Kolonialmenschen-Mentalität trifft auf unterbezahltes Ferienresort-Personal. Lustig, böse, Figuren zum Fremdschämen, und ein bisschen schämt man sich auch über sich selbst.
Mark Siemons
Mark Siemons
Joseph Losey: „Monsieur Klein“.
(Special Edition, Digital Remastered. DVD. Arthaus).
Alain Delon in einer vertrackten Doppelgänger-Geschichte über Opportunismus und Terror im besetzten Paris 1942: ein Meisterwerk.
Harald Staun
Harald Staun
„Afghanistan – Das verwundete Land“.
(Arte, Amazon Prime Video).
Wer diese traurige, kluge Doku-Serie auf Arte verpasst hat, kann sie zum Glück bei Amazon Prime Video nachholen: ein vielschichtiger Blick auf die Vergangenheit eines gequälten Landes, vom Fall der Sowjetunion bis nach dem 11. September – und auf all die Zukünfte, die es hätte haben können.
Anna Vollmer
Anna Vollmer
Thomas Vinterberg: „Der Rausch“.
Ja, auch ein Film über Alkohol. Aber vor allem über das Leben und all die Dinge, die es kompliziert und schön machen.

Ein offenes Buch Deutschlands Bibliotheken
Kongolesische Künstler Kunst für Kinshasa

Quelle: F.A.S.

Veröffentlicht: 27.11.2021 14:00 Uhr

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