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Georgia O’Keeffe in München : Die Schönheit eines Pferdeschädels

Die Gemälde von Georgia O’Keeffe sind in Europa ganz selten zu sehen. Jetzt hat die Münchner Hypo-Kunsthalle es geschafft, ihre bedeutendsten Werke zu versammeln. Eine einmalige Gelegenheit.

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          Für die Chance, endlich einmal diesen unerhörten „Pferdeschädel mit weißer Rose“ zu sehen, der auf ungezählten Postkarten oder Kalenderblättern abgebildet ist und sich im allgemeinen Gedächtnis eingegraben hat, muss man nach Santa Fe in New Mexico reisen. Dort steht das Georgia-O’Keeffe-Museum. Wie sieht das berühmte, in allen Möglichkeiten von Weiß sich spreizende Blütenpaar der „Zwei Stechäpfel mit grünen Blättern und blauem Himmel“ wirklich aus? Das Bild hängt in einer Privatsammlung in der Schweiz. Und sind diese drei, sich ineinander schmiegenden „Callas“ irgendwo zu finden? Sie gehören einer privaten Kollektion in Mission Hills in Kansas. Die Gelegenheiten, Werke von Georgia O’Keeffe in Europa im Original zu sehen, sind rar. Fünf Bilder von ihr sind im Besitz des Museo Thyssen-Bornemisza in Madrid; zuletzt 2003 richtete ihr das Kunsthaus Zürich eine Ausstellung aus.

          Nun zeigt die Münchner Hypo-Kunsthalle eine Schau zu Georgia O’Keeffe unter dem Titel „Leben und Werk“. Die Präsentation darf sich immerhin rühmen, die erste umfangreiche Retrospektive der amerikanischen Künstlerin in Deutschland zu sein, mit rund fünfundsiebzig Gemälden, Papierarbeiten und Skulpturen von ihr. Hinzu kommen fünfzig Fotografien - die ihr Mann Alfred Stieglitz von ihr machte, aber auch andere Fotografen wie Ansel Adams oder Paul Strand - und filmische Aufnahmen, die sie in ihrer späteren Wahlheimat New Mexico zeigen.

          Ein echter Schädel als sinnreicher Verweis

          Die Präsentation ist, um es gleich zu sagen, das Gegenteil von prall. Sämtliche Werke hängen einfach entlang den Wänden in den Räumen der Kunsthalle, prinzipiell chronologisch, in gemessenen Abständen, dazwischen die Fotos und Filme. Die Ausstellung macht kein inszenatorisches Gewese, und damit entspricht sie der künstlerischen Persönlichkeit O’Keeffes wohl am besten, wenngleich diese, das lehren die Beiträge des sorgfältigen Katalogbuchs, durchaus wusste, wie sie gesehen werden wollte. Die Texte an den Wänden sind eher bescheiden, geben aber immerhin eine erste Instruktion für die Besucher ab.

          Es kommt gewissermaßen zu einer Enttäuschung. Dies vor allem, weil ihre Bilder kleiner sind, als man sie sich vorgestellt haben mag; denn der Reproduktionsmaschinerie kommt O’Keeffes starke Fixierung auf die Symmetrie entgegen: Kleinteiligkeit gibt es nicht, das leistet der Monumentalisierung in der Einbildung Vorschub. Doch die Symmetrie ist ein genuines Merkmal der Natur, das von O’Keeffe immer wieder bis an die Grenze einer beinah paradox nach Ordnung strebenden Abstraktion getrieben wird.

          Davon zeugen ihre, übrigens nur fünfzig Zentimeter hohen, weithin bekannten Gemälde einer offenen und einer geschlossenen „Muschelschale“, zumal in ihrer farblichen Reduktion. Hierher gehören auch die zwei „Pferdeschädel“ von 1931, die München zeigen kann, der eine „auf Blau“ und der andere eben „mit weißer Rose“ vor tiefschwarzem Grund. Letzteres Bild hat die Wucht eines Vorschlaghammers. Ihnen ist in einer Vitrine ein echter Pferdeschädel aus O’Keeffes Besitz gesellt: in diesem Fall nicht anekdotischer Firlefanz, sondern sinnreicher Verweis, weil die Gemälde ungefähr Lebensgröße einhalten.

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