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George Clooney als Kulturetter : Mission Kunst

Der Regisseur packt selbst mit an – George Clooney bei den Dreharbeiten zu „The Monuments Men“ in Berlin Bild: dpa

„Monuments Men“ erzählt, wie amerikanische Kunsthistoriker im Zweiten Weltkrieg hinter den deutschen Linien um Vermeer-Bilder und Nofretete-Büste kämpften. George Clooney verfilmt das Buch in Berlin.

          6 Min.

          Ein Gespenst scheint umzugehen in Berlin, und es sieht aus wie George Clooney. „Soho House“-Besucher rechnen fest damit, ihn dieser Tage doch noch im Gym zu treffen, und sind enttäuscht, wenn neben ihnen auf dem Stepper nur John Goodman keucht. Paparazzi und Touristen schossen mit ihren Kameras los, als vergangene Woche das Gerücht aufkam, am Baustellen-Boulevard Unter den Linden, nahe der Neuen Wache, sei ein Areal für Dreharbeiten abgesperrt worden; tags darauf sah man dann auf Zeitungsfotos Clooney mit speziellem Oberlippenbart und Matt Damon in einer Uniform der US Army aus dem Zweiten Weltkrieg, erkannte im Profil den deutschen Schauspieler Justus von Dohnányi und einen dicken Uniformierten mit viel Lametta, der dann wohl Göring war. Ein Berliner Optiker hat inzwischen bestätigt, dass zwar nicht Clooney, wohl aber Cate Blanchett in seiner Werkstatt erschienen sei, um ihr Vierziger-Jahre-Brillenmodell richten zu lassen.

          Vor der Neuen Wache: Matt Damon während der Dreharbeiten am 25. März
          Vor der Neuen Wache: Matt Damon während der Dreharbeiten am 25. März : Bild: picture alliance / Geisler-Fotop
          Peter Körte
          Redakteur im Feuilleton der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung in Berlin.

          George Clooney ist tatsächlich in Berlin, weil er seit Anfang März den Film „The Monuments Men“ dreht. Er führt Regie, spielt eine der Hauptrollen, hat zusammen mit Grant Heslov das Drehbuch geschrieben und ist auch einer der Produzenten. Das Studio Babelsberg, ebenfalls Koproduzent, darf allerdings nicht viel mehr als das bestätigen, es gibt weder offizielle Fotos noch Termine am Set. Es ist bekannt, dass neben Clooney, Damon und Cate Blanchett auch Bill Murray, John Goodman und Jean Dujardin mit dabei sind, aber es gibt noch nicht mal eine Besetzungsliste, aus der hervorginge, wer wen spielt.

          Und so ist es sehr praktisch, dass es wenigstens das Buch „Monuments Men“ gibt, auf dem der Film beruht. Robert M. Edsel, 56, hat es geschrieben, er war vor kurzem auch für Interviews und Lesungen in Berlin und Potsdam, weil das Buch vier Jahre nach der Publikation in Amerika jetzt auf Deutsch erschienen ist, er hat auch mit Clooney über das Drehbuch gesprochen, aber jede Frage zum Film mit dem Hinweis beantwortet, er habe sich zur Verschwiegenheit verpflichtet.

          Fünf Millionen Objekte

          Und bevor Clooneys langer Schatten sich über Film und Buch und deren Thema legt, muss endlich gesagt werden, wer denn diese „Monuments Men“ eigentlich sind und waren: eine Sondereinheit amerikanischer und britischer Soldaten, die im zivilen Leben als Kunsthistoriker, Kuratoren, Architekten oder Konservatoren arbeiteten und 1943, mitten im Krieg, den Auftrag erhielten, europäische Kulturgüter vor der Zerstörung zu bewahren und später die von den Nazis geraubten und verschleppten Kunstwerke und -gegenstände zu finden, um sie den rechtmäßigen Eigentümern zurückzugeben. „Monuments, Fine Arts, and Archives Section“ (MFAA) hieß die Einheit offiziell, daraus wurde knapp „Monuments Men“. Sie war nicht sonderlich hoch angesiedelt in der militärischen Hierarchie, aber mit Hartnäckigkeit und Improvisation gelang es ihren Mitgliedern in den Jahren 1943 bis 1951, mehr als fünf Millionen Objekte zu identifizieren und zu retten - vom Vermeer-Gemälde bis zur Torarolle, vom Aachener Domschatz bis zur Kirchenglocke.

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