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Vatikanischer Personalzauber : Der umverteilte Gänswein

Von seinem Posten abgelöst: Georg Gänswein. Bild: dpa

Der Sekretär Joseph Ratzingers ist als Präfekt des Päpstlichen Hauses beurlaubt worden. Das öffentliche Echo ist enorm. Warum eigentlich?

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          Der performative, sprecherische Widerspruch, in den sich jede Aufmerksamkeit für den kirchenpolitischen Betrieb verstrickt, besteht darin, etwas wichtig nehmen zu sollen, das doch vollkommen unwichtig ist, jedenfalls nach dem Selbstverständnis einer metaphysisch abgesicherten Einrichtung wie der Kirche. Dass niemand unersetzbar ist, gilt in anderer Hinsicht zwar auch für demokratische Betriebe. Aber nach den Maßstäben der römischen Heilsanstalt ist ihr ganzes äußeres Gepräge, von Personalfragen über Prachtbauten bis zum Siebener-BMW ihrer Bischofskonferenzvorsitzenden, nichts als theatrum mundi, rauschendes Welttheater, in dem man allenfalls spielerisch-ironisch auftritt, nicht aber identifikatorisch wie in den mit sich selbst identischen Betrieben rein weltlicher Natur.

          Ach, Gottchen!

          Georg Gänswein, der Präfekt des Päpstlichen Hauses, sei in dieser Funktion von Franziskus freigestellt worden, wurde gestern medial vermeldet und vatikanischerseits in entschärfter Form dann nur als „Umverteilung der Funktionen“ beschrieben. Eine Berühmtheit ist Gänswein als Sekretär des deutschen Emeritus-Papstes Joseph Ratzinger/Benedikt XVI., eine Funktion, die von den „Umverteilungen“ nun gestärkt werden soll. Das erstaunliche öffentliche Echo aufs klerikale Welttheater verdankt sich unserer legitimen Neugierde für jedwede menschliche Dramatik. Insoweit Derartiges eine steuerfinanzierte Komponente wie in Deutschland hat, kann der hiesige Synodenbudenzauber auch für die Bürgerämter erheblich sein (oder wo immer sonst noch man aus dem Kirchensteuersystem austreten kann, ohne deshalb die Kirche zu verlassen). Aber ansonsten, gottessucherisch und gnadentheologisch gesprochen, gilt für Derartiges ebendies: ach, Gottchen, wie unerheblich! Das personalpolitische Gewoge bedeutet nichts für die Metaphysik des Betriebs, einzig um derentwillen Katholiken ihm anzugehören brauchen, weil es für Wohlfühlbedürfnisse definitiv passendere Betriebe gibt.

          Verstolperte Buch-Präsentation

          Der idolatrische Glanz, der vom Papstamt auf die vatikanischen Hochwürden fällt, ist ihrem geistlichen Anspruch sogar abträglich. Zu dem ganzen Zinnober um den Status „Papst emeritus“ Joseph Ratzingers, welcher nichts als eine „Höflichkeitsformel“ ist (Gerhard Ludwig Kardinal Müller), hat Gänswein mächtig beigetragen, indem er wie bei einer Zwei-Körper-Theorie von einem „de facto erweiterten“ Papstamt sprach, „mit einem aktiven und einem kontemplativen Teilnehmer“. Von dieser pseudo-theologischen Zuschreibung war es dann neulich nur ein Hüpfer zu der verstolperten Präsentation des flamboyanten Zölibatbuchs (mit einem Beitrag Ratzingers) als einem quasi „erweiterten“ päpstlichen Lehrschreiben, was es de facto und de jure nicht ist. Der Sekretär ist jetzt trotzdem darüber gestolpert. Aber das macht ihm, wie gesagt, von Amts wegen nichts.

          Christian Geyer-Hindemith
          Redakteur im Feuilleton.

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