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Generation Golf 2 : Wir wollen nicht mehr mitlaufen

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Auf Schleuderkurs: Generation Golf Bild: Blessing

Generation Käfer trifft Generation Golf: ein Streitgespräch zwischen Florian Illies, 32, der gerade die Fortsetzung seines Erfolgsbuchs veröffentlicht hat, und Günter Gaus, 73, über Konformismus, Selbstliebe und die Krise der Wohlstandsjugend.

          Generation Käfer trifft Generation Golf: ein Streitgespräch zwischen Florian Illies, 32, der gerade die Fortsetzung seines Erfolgsbuchs veröffentlicht hat, und Günter Gaus, 73, über Konformismus, Selbstliebe und die Krise der Wohlstandsjugend.

          Gaus: Sie haben Ihr Buch "Generation Golf zwei" fertig, und ich finde, Sie sehen sehr zufrieden aus. Eigentlich wie "Golf eins", die Originalversion. Vergnügt, amüsiert, ein bißchen selbstverliebt. Sind Sie zufrieden mit sich?

          Illies: Ist das die klassische Eingangsfrage? Ich erwarte eigentlich immer "Sie haben mal gesagt ..."

          Gaus: Das habe ich aber nicht gemacht.

          Illies: Ich weiß nicht, ob man unbedingt sichtbare Blessuren haben muß, Schnitte im Gesicht oder Tränensäcke, um Zeichen von Selbstkritik zu zeigen.

          Gaus: Wie sieht man denn aus, wenn man selbstkritisch ist?

          Illies: Das ist eine gute Frage. Aber wie sieht man aus, wenn man selbstverliebt ist?

          Gaus: So wie Sie.

          Illies: Ich hatte gehofft, Sie würden, wie sonst bei Ihren Interviews, vorher mit zwei Leuten über den Befragten sprechen. Mit einem, der sich negativ äußert. Und mit einem, der was Positives sagt.

          Gaus: Ich hab' nur Leute mit einem positiven Urteil über Sie gefunden. Die haben alle Angst vor Ihnen.

          Illies: Jetzt muß das Protokoll vermelden: Illies lacht.

          Gaus: Wie lange haben Sie gearbeitet an dem Buch?

          Illies: Sechs Monate.

          Gaus: Warum "Generation Golf zwei?"

          Illies: Vor einem Dreivierteljahr, genau zu der Zeit, als ich überlegte, die F.A.Z. zu verlassen und ein Buch zu schreiben, hatte ich eine Lesung in Kopenhagen, am Goethe-Institut, was ohnehin schon eine seltsame Erfahrung war: Nach drei Jahren las ich aus "Generation Golf". Ich kam also auf die Bühne, und die Dame vom Goethe-Institut sagte: "Jetzt verraten Sie uns doch als erstes: Was haben Sie da für einen Anzug an! Welche Marke, und von wem ist Ihr Hemd?"

          Gaus: Das war ja nicht mehr die Brioni-Zeit von Schröder ...

          Illies: Nein, das war 2002.

          Gaus: Kopenhagen. Manches kommt dort später an.

          Illies: Ja, ich war ganz erstaunt, daß es Christiania noch gibt, diese Hippie-Siedlung.

          Gaus: Kehren Sie zur Sache zurück!

          Illies: Das Abschweifende ist Ihnen ja nicht ganz fremd ...

          Gaus: Es stört mich nur bei anderen.

          Illies: Also, diese Frau sprach mich auf etwas an, was mich in der ersten Sekunde verwirrte, ja nahezu empörte: Was bildet die sich ein, mich auf meinen Anzug anzusprechen, nach allem, was gerade geschehen ist. Und im nächsten Moment dachte ich mir aber: Sie hat natürlich Anlaß zu glauben, daß ich so bin. Sie hat "Generation Golf" gelesen. Es gibt da ausreichende Anhaltspunkte für leidenschaftliche Markengläubigkeit. Nur ich selbst spürte da eine klaffende Lücke, zwischen mir - und dem, was ich selbst drei Jahre zuvor geschrieben hatte ...

          Gaus: Ich gehe jetzt mal in diese klaffende Lücke hinein. War das eben das - möglicherweise unbewußte - Bemühen, sich von der Generation Golf ein wenig zu distanzieren? Was mich stark erheitert hat, als ich von Ihnen die Generation Golf schriftlich vorgeführt bekam, das war ein Konformismus, das war eine Uniformität - und das alles immer mit dem Anspruch: Wir sind die Individualität selber. Wir haben das Individuum erfunden. Ich habe euch gar nicht unterscheiden können. Ihr seid viel kollektiver als die 68er, die ich nicht mag. Ich glaube nicht, daß Sie mich in der Abneigung gegen die 68er überholen können ...

          Illies: Wir können es doch versuchen.

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