https://www.faz.net/aktuell/feuilleton/gender-stern-rechtschreibrat-vertagt-entscheidung-15632707.html

Rat für Rechtschreibung : Entscheidung über Gender-Stern vertagt

„Sprache sagt alles“: Kathrin Kunkel-Razum, die Leiterin der Dudenredaktion, in Berlin Bild: dpa

Der Rechtschreibrat hat zum Umgang mit dem Gender-Stern noch keine Entscheidung getroffen. Bis November soll es Empfehlungen geben – aber nur dann, wenn sich die Schreibungen als verständlich und lesbar erweisen.

          2 Min.

          Das Gendersternchen, das Sprachwissenschaftler als ideologischen Eingriff in das Deutsche kritisiert hatten, wird es vorerst zumindest nicht geben. Der Rat für deutsche Rechtschreibung, der am Freitag in Wien tagte, konnte sich in seiner jüngsten Sitzung nicht auf Empfehlungen einigen. „Mögliche“ Empfehlungen an staatliche Stellen wollen die Ratsmitglieder bis November erarbeiten. Offenbar ist der Rat also keineswegs entschlossen, sich zu den Gendersternchen überhaupt verbindlich zu äußern. Aus der bisherigen Beobachtung des Schreibgebrauchs ergebe sich noch keine klare Präferenz, hieß es nach der Sitzung des Rechtschreibrats.

          Heike Schmoll
          Politische Korrespondentin in Berlin, zuständig für die „Bildungswelten“.

          In der Sitzung in Wien wurden zunächst die verschiedenen Möglichkeiten der geschlechtergerechten Schreibweisen in unterschiedlichen Textgattungen dargelegt. Nun ist eine Arbeitsgruppe damit beauftragt, weitere Texte und Schreibweisen zu sichten. Ob der Rat sich in seiner Novembersitzung dann überhaupt auf Empfehlungen einigt, ist noch nicht ausgemacht. Die Kultusminister hatten den Rat nach dem Debakel mit der Rechtschreibreform damit beauftragt, die deutsche Rechtschreibung zu beobachten und – wenn nötig – neue Schreibregeln aufzustellen, die dann auch im Duden aufgenommen werden könnten.

          Sprache meint nichts

          Der Rat ist aber keineswegs verpflichtet, alle derzeit gebräuchlichen Schreibweisen nachzuvollziehen. Sprachwissenschaftler haben auch in dieser Zeitung dargelegt, warum das nicht einmal wünschenswert wäre, denn häufig widersprechen gendergerechte Schreibweisen den grammatischen Grundregeln des Deutschen und machen Texte unlesbar. Empfehlungen wird der Rat jedoch nur dann verabschieden, wenn sich die Schreibungen als verständlich, les- und vorlesbar erweisen, grammatisch korrekt sind und rechtssicher seien, hieß es nach der Sitzung.

          Sprachwissenschaftler haben mehrfach darauf verwiesen, dass Personenbezeichnungen generisch maskulin sind, sie sind also weder weiblich noch männlich. Die Bezeichnung Lehrer schließt die Lehrerin mit ein, auch bei den Studenten sind die Studentinnen eingeschlossen. Auch männliche Befürworter des Genderns wenden dagegen ein, Frauen seien nicht mit eingeschlossen. Das kann schon deshalb nicht sein, wird dagegen eingewandt, weil Sprache nie etwas meint, sondern allenfalls der Sprecher oder Schreiber.

          Ähnlich wie der Rat hat die Dudenredaktion reagiert. In das gelbe Rechtschreibkompendium, seit der Rechtschreibreform längst nicht mehr die Bibel der deutschen Orthographie, könnte eine Empfehlung aufgenommen werden, mit welchen sprachlichen Mitteln das Gendern realisiert werden kann. Allerdings legt die Dudenredaktion Wert auf die Feststellung, dass es sich ganz gewiss nicht um eine Vorschrift, sondern nur um eine Möglichkeit handeln soll.

          Weitere Themen

          Apokalyptische Fotos aus dem Asow-Stahlwerk

          Kolumne „Bild der Woche“ : Apokalyptische Fotos aus dem Asow-Stahlwerk

          Eine Collage von Dmytro Kosatskij: Er ist der letzte Fotograf im Asow-Stahlwerk von Mariupol. Viele Ukrainer posten und re-posten solche Collagen im Moment, in der Hoffnung, dass es die Überlebenschancen der Verteidiger gegen die russischen Aggressoren erhöht.

          Topmeldungen

          Corona-Welle : Muss sich Nordkorea jetzt öffnen?

          Kim Jong-un hatte gehofft, das Coronavirus werde sein Land nie erreichen. Jetzt ist es da – und Impfstoff fehlt. Der Machthaber weist die Schuld von sich.
          Grenzkontrolle zwischen den USA und Mexiko. Die Pandemieregelungen an der Grenze bleiben vorerst bestehen.

          USA : Pandemie-Regelung an Grenze zu Mexiko bleibt bestehen

          Ein US-Richter hat Pläne der Biden-Regierung blockiert, die Beschränkungen der Einwanderung von Mexiko in die USA zu lockern. Wegen pandemiebedingte Gesundheitsrisiken wurden allein im April 95.000 Migranten abgeschoben. Washington will Berufung einlegen.
          Weizen wird knapp: Familien in Jemens Provinz Lahdsch erhalten Mehl-Rationen. Die Versorgung wird wegen des Ukrainekrieges immer schwieriger.

          Getreidekrise durch den Krieg : Putin setzt auf Hunger

          Russland beschuldigt die Ukraine, ihre Häfen zu blockieren und damit schuld an der globalen Getreideknappheit zu sein. Gleichzeitig intensiviert Moskau die Propaganda in Afrika.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Sie können bis zu 5 Newsletter gleichzeitig auswählen Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.
          Bildungsmarkt
          Alles rund um das Thema Bildung
          Sprachkurs
          Verbessern Sie Ihr Englisch
          Sprachkurs
          Lernen Sie Französisch