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Geschlechterkampf : Giftige Männer

  • -Aktualisiert am

Die amerikanische Duke University will Männer entgiften, um dem Machotum auf dem Campus den Garaus zu machen. Sie meint es offenbar ernst.

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          Es geht immer noch etwas ärger. Von amerikanischen Universitäten ist bekannt, dass ein Professor seine Tochter nicht umwerfend nennen darf, weil sich andere Frauen dadurch zurückgesetzt fühlen. Er darf nicht Ovid zitieren, weil die derbe Erotik des lateinischen Meisters (Vorsicht, Rassismus!) zarte Gemüter derart verstört, dass auf dem Universitätsgelände sichere Rückzugsräume eingerichtet werden mussten. Die Wunden, die Klassiker der neuen Studentengeneration beibringen, sind so tief, dass man sie am liebsten ganz aus dem Lehrplan verbannen möchte. Professoren sind durch die jahrelange Lektüre von Dostojewski, Shakespeare und Voltaire so verzogen, dass man sie nicht ohne Diversity-Training auf Studenten loslassen kann.

          Als unzumutbare Aggression gilt es, einen Inder für sein Zahlengenie oder eine Frau für handwerkliches Geschick zu loben. Indische Frauen mit Diskriminierungserfahrung sollte man am besten gar nicht ansprechen. Das kann nur schiefgehen. Ein amerikanischer Hochschulpräsident, der es bleiben will und auf dem Weg zur Arbeit nicht von einer Menschenmenge beschimpft werden möchte, wie an der Universität Missouri, hält besser still oder absolviert ein Gender-Training.

          Der Aufstand gegen die Aufklärung im Namen von Geschlecht, Ethnie und narzisstischer Kränkung erreicht jetzt an der Duke University eine neue Giftstufe. In „Räumen zur Destabilisierung privilegierter Personen“ soll auf Betreiben von Gender-Aktivisten „toxic masculinity“ bekämpft werden. Das Umerziehungsprogramm gilt den sogenannten Jocks, Schürzenjägern, die auf dem Campus mit Aufrissquoten prahlen, wie es Tom Wolfe 2004 in seinem Roman „I am Charlotte Simmons“ beschrieb, der nicht zufällig an der Duke University spielt. Der Chauvinismus blühte damals (und wohl auch heute noch) auf amerikanischen Campi. Ohne ihn wäre Facebook, das im selben Jahr in Harvard als Bewertungsportal von Frauen durch Männer begann, in den Startlöchern steckengeblieben. Zum Trost bietet Facebook heute die Wahl zwischen sechzig Geschlechtsidentitäten. Nur sechzig, muss man sagen. Der Sexualforscher Magnus Hirschfeld errechnete 43046721 Sexualtypen. Wie viele öffentliche Toiletten das, in soziale Rollen übersetzt, wären, lässt sich ohne Taschenrechner gar nicht ausrechnen. Die Einsicht, dass sich um den Preis des sozialen Zusammenhalts nicht jede Identitätsfacette ausleben lässt, wäre den Aktivisten zu wünschen.

          Thomas Thiel
          Redakteur im Feuilleton.

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