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: Gemeinsam sind wir unterhaltsam

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Nicht jede Krankheit ruft unerträgliches Leid hervor. Die ARD könnte von ihrem Auftrag und ihrem Image her kaum etwas leichter ertragen als eine "Unterhaltungsschwäche". Bei unserer Kernkompetenz Information würde Derartiges zu sehr ...

          Nicht jede Krankheit ruft unerträgliches Leid hervor. Die ARD könnte von ihrem Auftrag und ihrem Image her kaum etwas leichter ertragen als eine "Unterhaltungsschwäche". Bei unserer Kernkompetenz Information würde Derartiges zu sehr schmerzen - viele Zuschauer und Hörer würden unsere Legitimation zu Recht in Frage stellen. Eine "Schwäche des Leichten" hingegen wäre zumindest systemkonform.

          "Wäre" - denn eine globale "Unterhaltungsschwäche" wird bei der ARD niemand ernsthaft ausmachen können: In der fiktionalen Unterhaltung sind wir stark. Unsere "Tatorte" sind regelmäßig die Marktanteilssieger des Sonntags. Fernsehfilme gewinnen Preise und Zuschauer für sich. Auch bei den Quizsendungen haben wir aufgeholt, etwa mit Jörg Pilawa. Schwierigkeiten aber macht uns die Show und der Bereich Comedy.

          Hasenfüßig ist das Erste nicht, im Gegenteil: Man müßte uns bei genauer Betrachtung mehr Experimentierfreude bescheinigen als der kommerziellen Konkurrenz. Mit "Was passiert, wenn" beispielsweise hatte ein RTL-Zuschauer einen Format-Wettbewerb gewonnen, fand bei dem Sender aber keine Förderer. Wir haben diesem Format eine Chance gegeben. RTL hingegen fährt seine größten Erfolge mit Formaten ein, die im Ausland bereits erfolgreich erprobt sind: "Deutschland sucht den Superstar" startete vor mehr als einem Jahr als "Pop Idol" in Großbritannien und lief in den Vereinigten Staaten, in Südafrika und Polen - jeweils erfolgreich. Die deutsche Version ist der Import einer ausländischen Marke, die darüber hinaus wenig originell ist: Talent- und Gesangswettbewerbe kennt das Fernsehen seit langem. Gleiches gilt für "Wer wird Millionär?": Nach der Premiere in Großbritannien lief das Quiz zunächst in Australien, Belgien, Kanada, den Niederlanden, Spanien und Amerika an, bevor RTL Deutschland den Schritt wagte. Inzwischen läuft das Format in mehr als hundert Ländern.

          Zwei Schlußfolgerungen ergeben sich daraus. Zum einen: Die Ursache für die Show-Schwäche der ARD ist nicht mangelnde Originalität. Zum anderen: Originalität ist kein Erfolgsgarant. Gerade öffentlich-rechtliche Fernsehmacher erliegen zu häufig dem unbegründbaren Zwang zur Originalität. Die Prämissen für "Show im Ersten" müssen hier und da diskutiert und justiert werden. Denn die Grundlagen haben sich verändert: die Erwartungen des Publikums ebenso wie die Produktionsbedingungen für Showformate weltweit.

          Wer von der "Großen Show" spricht, hat bei der ARD zwei Traditionen im Sinn: den Sendeplatz am Samstagabend, zu dem sich früher die Familie versammelte; und die traditionell bombastische Produktion mit Showeinlage und Publikum, Kandidatenspielchen und großen Stars.

          Beides funktioniert heute noch dann und wann, bei "Wetten, daß . . .?" oder "Deutschland sucht den Superstar" zwar am Sonnabend, beim "Millionär" allerdings drei- bis viermal pro Woche und beim Container-Überlebenden täglich. Ihre Programme haben die Sender dafür regelmäßig umbauen müssen. Dagegen ist im Ersten der Sendetag, der sein Schema die längste Zeit nicht verändert hat, einer unser erfolglosesten Tage: der Montag.

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