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Geliebtes Landleben : Die Langsamkeit schreitet über Wiesen und Felder

  • -Aktualisiert am

Irgendwann werden sich auch hier die Wege kreuzen Bild: F.A.Z.-Cornelia Sick

Den Traum vom Leben auf dem Lande teilen immer mehr Menschen. Biomärkte boomen, Landzeitschriften sind erfolgreicher als Glanzzeitschriften. Was ist da eigentlich los?

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          In Berlin läuft gerade die Grüne Woche. In der Halle 21 b kann man den „Lebenstraum Dorf“ betreten. Hier soll dann in einem die Überlegung wie ein Apfel reifen, ob nicht auch für einen selbst ein Leben auf dem Dorf besser wäre als ein Leben in der Stadt. Auch dieser Traum kostet Geld, wenn die eigenen Hände nicht die Arbeit leisten können, die fürs Überleben im Grünen notwendig ist. Der Kompromiss, in der Stadt zu arbeiten, aber auf dem Land zu leben, beflügelt dauerhaft vor allem die Deutsche Bahn, in deren Züge fünf Mal in der Woche die Pendler steigen, nachdem sie mit dem Auto über die Landstraßen gebrettert sind, dabei zahlreiche verkehrsuntüchtige Tiere in den Tod reißend, um den nächsten Bahnhof zu erreichen.

          An den Bushaltestellen an den Landstraßen stehen morgens in aller Frühe die Kinder, die, vom Schulbus in den Dörfern eingesammelt, zur Schule gebracht werden. Manche Kinder fahren fünf Mal in der Woche eine ganze Stunde über die Dörfer, um zur Schule zu gelangen. Sie reden, dösen, hören Musik. Kann auf solchen Fahrten schillersche Anmut und Würde in den Heranwachsenden gedeihen? Natur, hilf! Wenn die Kinder nicht in den Fertigbaudörfern der urbanen Peripherie wohnen, sondern weiter draußen, dann kennen sie aus eigener Anschauung Kühe, Schweine, Schafe, Hühner, Pferde, Wiesen und Felder, Wälder und Weiden, Stroh und Heu. Das sind Realien, mit denen Jean-Jacques Rousseau erzieherisch arbeiten konnte.

          Wer träumt vom Landleben?

          Die Städter, die am Wochenende einen Ausflug in die Natur machen, sagen mit blitzenden Augen, dass sie hier draußen frei aufatmen könnten, verschwinden dann aber sofort zum sogenannten herzhaften Mittagstisch im Gasthaus, um sich dort die Natur einzuverleiben. Die Bauern sagen das nicht, sie arbeiten. Sie arbeiten nur mit Maschinen, keiner zieht hinter einem Pferd den Pflug durch den Acker. Wer träumt vom Leben auf dem Land - Aussteiger, Arme?

          In seinem „Tagebuch eines arbeitslosen Intellektuellen“ gibt der schweizerische Philosoph Denis de Rougemont, der das Auto verdammte und mit seiner Studie über die Liebe und das Abendland berühmt geworden ist, allen Intellektuellen, die in einem engen bürgerlichen Sinne arbeits-, aber in einem weiten lebensweltlichen Sinne eben nicht beschäftigungslos sind, den Rat, die teuren Städte zu verlassen und aufs Land zu gehen. Es ist immer dieselbe Bewegung: Noch nie hat sich einer in die Stadt zurückgezogen, obwohl man gerade in der Stadt einen Schlupfwinkel im Abseits finden kann - so wie, wer aussteigen möchte, auch nicht in die Stadt mit ihren sogenannten Subkulturen zieht, sondern aufs Land. Das dauerhafte Dasein am Rande eines Ackers scheint eine Form von Regression zu sein - zumindest in den Augen blinder Städter. Rougemonts Tagebuch, mit dem unter der Hand einem der Schritt aufs Land leichter fallen kann, handelt von seinen Erfahrungen dort, fern der großen Stadt, in der sich alles um die sogenannte Arbeit und das Geld dreht, meistens in einer unerträglichen Schnelligkeit. Ein Ort ganz für Erwachsene.

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