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Geld und Gemüse : Wahnsinn des Missverhältnisses

Deswegen steigen derzeit die Preise für Salat: Weil die Felder wie hier im spanischen Torre Pacheco unter dem schlechten Wetter gelitten haben. Bild: AFP

Ein Eisbergsalat kostet in diesem Winter fast so viel wie ein Suppenhuhn. Das ist ein Skandal – weil das Huhn zu billig ist. Über deutsche Verhältnisse in der Kantine und im Supermarkt.

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          Neulich erzählte eine Freundin, in ihrer Kantine habe man die Regeln für das Buffet geändert, und zwar wegen eines Kollegen, der sich seinen Salat jedes Mal zu trumptowerartigen Gebilden aus Tomaten und Mais und Grünzeug aufgetürmt habe, weil man an der Kasse eben nach Teller und nicht nach Gewicht bezahlen musste.

          Tobias Rüther

          Redakteur im Feuilleton der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung in Berlin.

          Ein elf Meter hoher Salat für 3,95 Euro - da kann man wirklich nicht meckern, vor allem in diesem Winter, wo das Gemüse ja enorm teuer geworden ist und man für einen Eisbergsalat ungefähr das Gleiche bezahlen muss, weil es rund ums Mittelmeer derzeit so kalt ist, dass die Händler mit dem Nachschub nicht hinterherkommen.

          Das sind gute Nachrichten für Kinder, die keinen Brokkoli mögen und ihn deswegen jetzt einmal weniger kriegen - oder für Leute, die Beilagen für etwas halten, was freitags oder samstags aus ihrer Zeitung herausfällt. Tatsächlich nähern sich da aber momentan vor allem die Preise für Eisbergsalat und Suppenhuhn an, der eine kostet neuerdings zwei Euro, das andere eigentlich immer knapp unter drei - und das ist nun wirklich eine dramatische Nachricht. Weil es mal wieder, aber diesmal umso deutlicher die Unverhältnismäßigkeit zeigt, die in Supermärkten herrscht.

          Statistiken belegen, dass die Deutschen sowieso zu wenig Obst und Gemüse essen und jetzt vermutlich noch weniger. Aber sie zahlen eben auch ständig zu wenig für Fleisch. Sie zahlen für alles, was sie essen, zu wenig. Sie häufen sich die Teller bis zum Gehtnichtmehr voll mit Salat, den sie vielleicht gar nicht mögen, aber so wird das Mittagessen ja noch günstiger. Der alte, universell einsetzbare Gag von Woody Allen über das Restaurant, in dem die Gerichte so schlecht und dann auch noch die Portionen so klein sind, passt hier noch besser als sonst.

          Dazu passt dann aber auch, dass sich unser Ernährungsminister von der CSU gerade sehr über die Bauernregeln erregt, die das Umweltministerium der SPD gedichtet hat und die allesamt wahr sind: „Steht das Schwein auf einem Bein, ist der Schweinestall zu klein“, heißt eine dieser Regeln, und eine andere: „Haut Ackergift die Pflanzen um, bleiben auch die Vögel stumm“.

          Diese pauschale Verunglimpfung der Landwirtschaft sei unmöglich, schimpfte der Minister, man müsse „liefern“, weil es der sogenannte Verbraucher ja so wolle. Wenn, wie jetzt beim Obst und Gemüse, dann aber mal nicht geliefert wird, sieht man, an was wir uns gewöhnt haben.

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