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Geistiges Eigentum : Autor darf Freiheit über sein Werk nicht verlieren

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Im Digitalisierungsprozess wird mit den Urheberrechten sorglos umgegangen

Im Digitalisierungsprozess wird mit den Urheberrechten sorglos umgegangen Bild: picture-alliance/ dpa

Das Urheberrecht ist im Internet massiven Angriffen ausgesetzt. Plattformen wie GoogleBooks entwenden nach Belieben geistiges Eigentum, ohne sich um die Rechte der Autoren zu kümmern. Eine Initiative deutscher Verleger ruft jetzt zum Widerstand gegen die Wissensenteignung auf.

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          Das geistige Eigentum ist im Internet massiven Angriffen ausgesetzt. Das Abkommen der Internetsuchmaschine Google mit amerikanischen Verlegern droht auch das deutsche Urheberrecht auszuhebeln. Plattformen wie GoogleBooks und YouTube machen sich geistiges Eigentum in bisher ungekanntem Ausmaß straflos zu eigen - auch wenn sie gegen nationales Recht verstoßen. Die Autoren drohen so die Entscheidung über die Publikationsform ihrer Werke zu verlieren. Die Politik verfolgt diese gigantische Wissenspiraterie weitgehend passiv.

          Gegen diese Entwicklung haben sich jetzt die Verleger Manfred Meiner, Vittorio Klostermann und KD Wolff gemeinsam mit dem Heidelberger Literaturwissenschaftler Roland Reuß in einem öffentlichen Appell gewandt. Es geht ihnen, wie sie schreiben, „um die völlig unverständliche Lethargie, mit der der zuständige politische Bereich (letztlich Justiz-, Wirtschaftsministerium und Kanzleramt) den Bedrohungen entgegentritt, die durch GoogleBooks und auch die »Allianz der deutschen Wissenschaftsorganisationen« entstanden sind.“ Auf möglichst breiter Basis wollen sie die Öffentlichkeit und die Politik dazu aufrufen, endlich tätig zu werden und das Urheberrecht zu schützen.

          Der Appell ist online auf „Heidelberger Appell” einzusehen. Der Publizist Michael Naumann, der Verleger Michael Krüger und der Philosoph Kurt Flasch gehörten zu den ersten Unterzeichnern.

          Für Publikationsfreiheit und die Wahrung der Urheberrechte

          Das verfassungsmäßig verbürgte Grundrecht von Urhebern auf freie und selbstbestimmte Publikation ist derzeit massiven Angriffen ausgesetzt und nachhaltig bedroht. International wird durch die nach deutschem Recht illegale Veröffentlichung urheberrechtlich geschützter Werke geistiges Eigentum auf Plattformen wie GoogleBooks und YouTube seinen Produzenten in ungeahntem Umfang und ohne strafrechtliche Konsequenzen entwendet.

          Gleichzeitig propagiert national die »Allianz der deutschen Wissenschaftsorganisationen« (Mitglieder: Wissenschaftsrat, Deutsche Forschungsgemeinschaft, Leibniz-Gesellschaft, Max Planck-Institute u. a.) weitreichende Eingriffe in die Presse- und Publikationsfreiheit, deren Folgen grundgesetzwidrig wären.
          Autoren und Verleger lehnen alle Versuche und Praktiken ab, das für Literatur, Kunst und Wissenschaft fundamentale Urheberrecht, das Grundrecht der Freiheit von Forschung und Lehre sowie die Presse- und Publikationsfreiheit zu untergraben. Es muss auch künftig der Entscheidung von Schriftstellern, Künstlern, Wissenschaftlern, kurz: allen Kreativen freigestellt bleiben, ob und wo ihre Werke veröffentlicht werden sollen.

          Jeder Zwang, jede Nötigung zur Publikation in einer bestimmten Form ist ebenso inakzeptabel wie die politische Toleranz gegenüber Raubkopien, wie sie Google derzeit massenhaft herstellt. Noch nie in der Geschichte war die Zahl der Publikationen, von Büchern, Zeitschriften und elektronischen Veröffentlichungen so groß wie heute, war die Entscheidungsfreiheit der Autoren in einem so hohen Maß gewährleistet. Die »Allianz der deutschen Wissenschaftsorganisationen« will die Autoren auf eine bestimmte Publikationsform verpflichten. Dies dient nicht der Verbesserung der wissenschaftlichen Information.

          Die Unterzeichner appellieren nachdrücklich an die Bundesregierung und die Regierungen der Länder, das bestehende Urheberrecht, die Publikationsfreiheit und die Freiheit von Forschung und Lehre entschlossen und mit allen zu Gebote stehenden Mitteln zu verteidigen. Die Politik steht in der Pflicht, den individual rechtlichen Ansprüchen, die sich an die Herstellung von künstlerischen und wissenschaftlichen Werken knüpfen, auf nationaler wie internationaler Ebene Geltung zu verschaffen. Die Freiheit von Literatur, Kunst und Wissenschaft ist ein zentrales Verfassungsgut. Verlieren wir sie,
          verlieren wir unsere Zukunft.

          Bitte unterstützen Sie unsere Initiative durch Ihre Unterschrift und machen Sie Autoren, die Sie kennen, auf die Problematik aufmerksam. Unterzeichnungen bitte über „Heidelberger Appell”.

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