Zum Tod von Henning Ritter :
Aufklärung ohne Rettungsversprechen

Lesezeit: 4 Min.
Seine intellektuelle Einmischung bestand darin, dass er Gedanken und Texte wachhielt. Die Denkfigur, die einem ein Licht aufsteckt: Zum Tod unseres Kollegen Henning Ritter.

Er war Anfang vierzig, als er Journalist wurde. Aber wurde er jemals Journalist? Ja, aber nur, sofern das Wort von Journal kommt. Er hätte sich die Zeitung in größeren Abständen vorstellen können. Das Alte war ihm das Neue, zu moralisieren vermochte er nur gegen das Moralisieren, Eile war ihm fremd, Zeitdiagnosen stellte er am liebsten für die Vergangenheit. Mit Gründung der Beilage „Geisteswissenschaften“ dieser Zeitung trat Henning Ritter 1985 in ihre Redaktion ein und übernahm ein Jahr später die Leitung dieses Ressorts. Er erfand diese Beilage, und er konnte das nur, weil ein ganzes intellektuelles Leben schon hinter ihm lag.

Ohne Abo weiterlesen
Dies ist kein Abo. Ihre Registrierung ist komplett kostenlos, ohne versteckte Kosten.
Oder 3 Monate für 1 € pro Monat Zugang zu allen FAZ+ Beiträgen erhalten und immer aktuell informiert bleiben.