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Großtagung in Würzburg : Die Artus-Dröhnung

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Bild: © Warner Bros. Pictures

Wem gehört Excalibur? Dem, der es aus dem Stein zu ziehen vermag. So sagt es die Internationale Artusgesellschaft bei ihrem Treffen in Würzburg, bei dem aber auch strittigere Fragen auf der Tagesordnung stehen.

          Die Romantiker mochten es übersichtlich. Bei ihnen versammelt König Artus rund ein Dutzend gleichberechtigte Ritter um sich: die an ihren Enden vernähte Abendmahlstafel gewissermaßen. Der mittelenglische Dichter Layamon sprach im 13. Jahrhundert hingegen von einem Tisch, „wondrous fair, at which sixteen hundred men and more might sit“. An diesem Megamöbel hätte die gesamte Internationale Artusgesellschaft (IAS) mit ihren knapp tausend Mitgliedern Platz. Bei den einwöchigen Großkonferenzen der IAS, die nur alle drei Jahre stattfinden, zeigt sich tatsächlich eine kuriose Vorliebe für runde Tische, egal, wie eng es dadurch in den Räumen wird. Die Sache mit der Égalité nimmt man ebenfalls ernst: Jedes Mitglied, ob Ordinarius oder Laie, darf Vorträge halten.

          Schwafler und Verschwörungstheoretiker – „dotty Arthurians“, wie man sie hier nennt – sind trotzdem nicht mehr anzutreffen. Das historisch-kritische Niveau hat sie wohl abgeschreckt. Ganz unschrullig geht es dennoch nicht zu, doch ist das eine im eigenen Garten gewachsene Exzentrik. Immer wieder einmal wird etwa (das mythische) Camelot entdeckt. Diesmal tat dies Peter Field (Bangor), ein ehemaliger Präsident dieser Artus-Runde, der durch Zufall in den Quellen auf das römische Fort Camulodunum gestoßen ist. Es lag an der römischen Straße zwischen Chester und York, wäre ein guter Ausgangspunkt für die Verteidigung gegen die einfallenden Angelsachsen und soll die wahre Adresse des Artus-Hofes darstellen. Hört, hört!

          Schiffbrüche mit Eitelkeiten

          Weil Cora Dietl (Gießen) gegenwärtig Präsidentin der Gesellschaft ist, fand die Tagung jetzt in Deutschland statt, überhaupt erst zum dritten Mal seit der Gründung im Jahre 1948. Würzburg, Geburtsort Meister Konrads und Sterbestadt Walthers von der Vogelweide, ist eine honorige Wahl, allerdings sind beide Dichter nicht mit dem Artus-Sagenkreis verbunden. Wolframs-Eschenbach immerhin liegt in Ausflugsentfernung. Zu Dietls Nachfolger wurde in Würzburg der Mediävist Andrew Lynch von der University of Western Australia gewählt. Die Konferenz im Juli 2020 wird dennoch nicht unter Kängurus, sondern im sizilianischen Catania stattfinden. Beschlossen wurde zudem, dass die bislang bei De Gruyter gedruckte Artus-Bibliographie fortan kostenlos als Online-Datenbank zugänglich ist.

          Einstiegsdroge für die Mittelalterschwärmerei: „Game of Thrones“ mit eisernem Thron und unzähligen Schwertern.

          Was da im schicken Burkardus-Tagungshaus am Würzburger Dom stattfand, war auch ein Wettstreit der akademischen Kulturen. Deutsche Mediävisten analysierten mit philologischem Eifer, wie sie das seit Jahrzehnten tun, narrative Strategien und verschachtelte Motivkomplexe der mittelhochdeutschen Artus-Epen; ihre französischen Kollegen näherten sich den Texten eher mit abstrakt-theoretischen Konzepten; Niederländer beschäftigten sich gern mit dem pädagogischen Potential der Artus-Erzählungen; Amerikaner warfen einen ungetrübten Blick auf die Rezeption – was sich mitunter in länglichen Nacherzählungen niederschlug –, und die Engländer, wenn sie nicht Thomas Malorys grandiose Kompilation „Le Morte d’Arthur“ aus dem 15. Jahrhundert untersuchten, waren für jeden schrägen Blick auf den Artus-Komplex offen.

          So befassten sich die Vorträge von Leah Tether (Bristol), Samantha Rayner (University College London), Adele Cook (Bedfordshire) und Rebecca Lyons (Bristol) mit den semiakademischen Mittelalter-Editionen im Penguin Verlag. Aus den intensiven Archivrecherchen ging hervor, wie ungeplant der Verlag in den fünfziger und sechziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts in die Rolle des Verbreiters dieser englischen Grundtexte rutschte. Zentrale Editionen wie das große Malory-Projekt kamen sogar erst nach mehreren Schiffbrüchen zustande, wobei Eitelkeiten der beteiligten Forscher eine Rolle spielten. In diesem Fall ging es um zwei der Gründer der IAS, Eugène Vinaver und Roger Sherman Loomis: Vinaver weigerte sich nach dem Tod von Loomis, dessen Einleitung zu Malory zu vollenden, weil er mit der Festlegung der Textgrundlage – die erste Druckfassung durch William Caxton sollte durch das 1934 entdeckte Winchester-Manuskript nur in Zweifelsfällen ersetzt werden – nicht einverstanden war.

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