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: Versteckte Hand

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Am 8. Juli 1963 eröffnete Ulbrichts Oberstes Gericht den Prozeß gegen Adenauers Kanzleramts-Staatssekretär Hans Globke, der sich "außerhalb des Gebiets der Deutschen Demokratischen Republik aufhält. Personenbeschreibung: ca.

          Am 8. Juli 1963 eröffnete Ulbrichts Oberstes Gericht den Prozeß gegen Adenauers Kanzleramts-Staatssekretär Hans Globke, der sich "außerhalb des Gebiets der Deutschen Demokratischen Republik aufhält. Personenbeschreibung: ca. 1,70 m groß, kräftige Figur, graumeliertes Haar, Brillenträger". Zweihundert Journalisten verfolgten in Ost-Berlin die Verhandlung, in der Rechtsanwalt Michael Landau aus Israel als "gesellschaftlicher Ankläger" erklärte: "Wir sehen in diesem Prozeß eine Fortsetzung des Eichmann-Prozesses, weil beide Angeklagte - auf verschiedene Art - die gleiche Schuld tragen." So wurde der im Juni 1962 hingerichtete Cheforganisator der Judenvernichtung mit dem Chefbeamten der Bundesregierung auf eine Stufe gestellt. In diese Richtung argumentierte auch der Historiker Ernst Engelberg, der in einem umständlichen Gutachten die "Wesensgleichheit des Bonner Regimes" mit dem Terrorstaat Hitlers nachzuweisen versuchte. Globke wurde am 23. Juli 1963 zu lebenslänglichem Zuchthaus verurteilt.

          Der am 10. September 1898 geborene Staatssekretär schied mit Erreichen der Altersgrenze Ende September 1963 aus dem Dienst aus - was die Ost-Berliner Führung zwei Jahre später im "Braunbuch" als eigenen Erfolg verbuchte. Die dritte Auflage des Machwerks (1968) ist als Reprint im vergangenen Jahr veröffentlicht worden. Über den "intellektuellen Judenmörder" heißt es: "Bis Juli 1963 Staatssekretär im Bundeskanzleramt; auf Grund der durch die DDR veröffentlichten Dokumente und Beweismaterialien im Prozeß 1962 gegen Globke vor dem Obersten Gericht der DDR mußte er von dieser Funktion zurückgezogen werden." Zwar stimmen weder die Daten noch die Tatsache an sich. Trotzdem wollte Ernst Klee darauf hereinfallen, wie "Das Personenlexikon zum Dritten Reich" (2003) zeigt: "Am 23. 7. 1963 vom Obersten Gericht der DDR in Abwesenheit zu lebenslang Haft verurteilt. Rücktritt am 15. 10. 1963." Er erwähnt nicht, daß es sich um einen Schauprozeß handelte, und er gebraucht das falsche Wort vom "Rücktritt".

          Klees einziger Satz zugunsten Globkes lautet: "Laut Robert Kempner während des Krieges Informant des Berliner Bischofs Preysing." Immerhin wird Kempner als Quelle erwähnt. Der Justitiar der Polizeiabteilung im Preußischen Innenministerium war 1933 wegen seiner jüdischen Mutter aus dem Beamtenverhältnis entlassen worden, 1935 in die Vereinigten Staaten emigriert und vertrat 1948/49 die amerikanische Anklage im Nürnberger "Wilhelmstraßen-Prozeß". Globke und Kempner kannten sich aus gemeinsamen Tagen im Preußischen Innenministerium. Als dieses im November 1934 mit dem Reichsinnenministerium zusammengelegt wurde, war der Oberregierungsrat (1938 Ministerialrat) zuständig für Namensänderungen und Personenstandsfragen. In dieser Funktion verfaßte er mit Staatssekretär Wilhelm Stuckart den "Stuckart/Globke" - einen der "Kommentare zur deutschen Rassengesetzgebung".

          Der Rolle Globkes im "Dritten Reich" widmet sich Erik Lommatzsch unter Auswertung des lange Zeit gesperrten Nachlasses ("Hans Globke und der Nationalsozialismus. Eine Skizze". In: Historisch-Politische Mitteilungen, Jg. 10, Böhlau-Verlag, Köln 2003). Er untersucht zum einen Globkes dienstliches Wirken und schließt sich dabei einem alten Urteil Kempners - "Für die sogenannten Mischlinge freilich war sein Rassegesetz-Kommentar günstig" - an: "Globke bemühte sich, die Nürnberger Rassengesetze für die Betroffenen so günstig wie möglich auszulegen, ein besonderes Anliegen des Kommentars war es, wenigstens die ,Mischlinge' von den Bestimmungen für die ,Volljuden' auszunehmen."

          Zum anderen stellt er dar, wie Globke versuchte, dem Regime partiell entgegenzuarbeiten. In ständigem Kontakt stand der gläubige Katholik zu Bischof Konrad Graf von Preysing, der 1938 ein "Hilfswerk beim Bischöflichen Ordinariat zu Berlin" zur Unterstützung von katholischen "Nichtariern" einrichtete. Globke trug durch Weitergabe von Informationen an Kirchenkreise dazu bei, daß es nicht zu einer Zwangsauflösung der nach Verkündung der Nürnberger Gesetze weiterhin "privilegierten" deutsch-jüdischen "Mischehen" kam, die einen "Zugriff" auf die jüdischen Partner ermöglicht hätte. Preysing erklärte dazu 1946: "Da diese Zersetzungsarbeit um ihrer Wirkung willen von allen Beteiligten streng geheim gehalten werden mußte, ist es allen Nichtbeteiligten unbekannt geblieben, was die Juden in Deutschland Herrn Dr. Globke zu verdanken haben."

          Über Jakob Kaiser erfuhr Globke von den Staatsstreichvorbereitungen der Hitler-Gegner um Carl Friedrich Goerdeler und Ludwig Beck. Lommatzsch schildert den Plan des 1942 verstorbenen pommerschen Gutsbesitzers Karl-Magnus von Knebel-Döberitz, der für die Zeit nach einer Beseitigung Hitlers die Einsetzung eines interimistischen Reichsverwesers vorsah: "Die Aufgabe sollte der preußische Kronprinz übernehmen. Nach Ablauf eines Jahres sollte ein Volksentscheid über die Staatsform - konstitutionelle Monarchie oder parlamentarische Demokratie - stattfinden." Goerdeler wollte im Fall des Falles Globke dem Kronprinzen als Berater zur Seite stellen.

          Kann man Globkes Verhalten im "Dritten Reich" als Opposition gegenüber dem Regime bezeichnen? Nur, wenn man lediglich seine Hilfe für einzelne Verfolgte, seine Verbindungen zur katholischen Kirche und zum Widerstand betrachtet - so lautet Lommatzschs Fazit. Daneben gibt es ein Quellenproblem. Viele der von Lommatzsch zitierten Berichte über Globkes Antihaltung entstanden erst aufgrund von Vorwürfen, die nach 1945 gegen ihn erhoben wurden. In ihrer Glaubwürdigkeit sollten jedoch endlich solche Aussagen von überlebenden Zeitzeugen aus dem Kreis und dem Umkreis des deutschen Widerstandes überzeugen - statt jener subversiven verleumderischen Propaganda des Ulbricht-Regimes, die, wie das Beispiel Ernst Klee zeigt, bis in unsere Tage nachwirkt. Rainer Blasius

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