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Unsägliche TV-Dokus : Geschichte für Trottel

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Herkunft unbekannt

Wozu wird das gezeigt, was soll der Zuschauer, der nicht weiß, wer dieser Mann war und was er angerichtet hatte, daraus lernen? Was zeichnete ihn aus, warum konnte ausgerechnet er im Machtkampf obsiegen und bedenkenlos töten, wen er aus dem Weg räumen wollte? Und sind die Filmaufnahmen ein Teil der Erklärung? Denn die Sprache des Körpers und der Ausdruck des Gesichts haben in despotischen Ordnungen eine andere Bedeutung als in demokratischen. Diktatoren inszenieren sich. Wir wissen, dass Stalin der Regisseur seines eigenen Kults war. Der Film verliert darüber kein Wort.

Wer war der Mann, dessen Erschießung gefilmt wurde, und warum wurde er erschossen? Wurde er 1937 erschossen oder 1942? War er ein „Volksfeind“, ein Krimineller oder ein Deserteur? Hatte Stalin seine Erschießung angeordnet, oder stand sein Name auf den Todeslisten, die der Diktator abgezeichnet hatte? Wir erfahren nichts darüber. Kein einziges Wort auch über die Herkunft Stalins! Sein Vater wird als Schuster vorgestellt. Er selbst sei als junger Mann in einem orthodoxen Priesterseminar gewesen.

ARD-Dokumentation: Stalin ist nun eingefärbt, bleibt inhaltlich leider umso blasser.

Man ahnt, dass die Produzenten der Dokumentation annahmen, der Diktator sei als Russe zur Welt gekommen. Kein Wort fällt über die Rolle der Gefährten und Vollstrecker, deren Namen, in falscher Betonung, zwar genannt werden, über die man aber nichts erfährt. Man hört, dass Stalin Trotzki, Sinowjew und Tomski aus dem Weg räumen ließ. Man sieht ihre farbigen Gesichter, aber hört nichts darüber, wer diese Männer waren und warum Stalin sie beseitigte. Kein Wort über die Gründe für den Massenterror, mit denen der Despot sein eigenes Land heimsuchte.

Stattdessen leeres Geschwätz: über den Bau der Metro, über den Freitod Nadjas, Stalins Ehefrau, die sich das Leben genommen hatte, weil sie die Grausamkeit ihres Mannes nicht mehr ertragen konnte, und über Stalins Sohn Wasili, der als Pilot ins Bild kommt. Stalin sei nach dem Selbstmord seiner Frau, raunt der Kommentator, verschlossen und böse geworden. Woher er das weiß? Leider erteilt der Film auch darüber keine Auskunft. Unterlegt wird dieser Unfug mit bedeutungsschwerer Musik, Geigen und Celli spielen auf, wenn Stalin ins Bild kommt und den Zuschauer mit finsterem Blick anschaut. Bisher hatte ich geglaubt, mit Guido Knopps historischen Dokumentationen sei der Tiefpunkt im deutschen Fernsehen schon erreicht worden. Dieser Film bewies das Gegenteil.

Lieblos und stümperhaft

Fast alles, was über Ereignisse und Personen in dieser Dokumentation gesagt wird, ist falsch. Aus Stalins Geheimdienstchef Nikolai Jeschow wird „Nikolai Leschow“, aus Generalfeldmarschall Paulus - General von Paulus, aus Stalins Sekretär Poskrjobyschew - Poskrebischew. Unablässig spricht der Kommentator von Russland und den Russen. Der Zweite Weltkrieg sei ein Krieg der Russen gewesen. Haben die Dokumentarfilmer jemals davon gehört, dass die Sowjetunion ein Vielvölkerreich, Stalin ein Georgier, Trotzki ein Jude und Mikojan ein Armenier war? Dass Hunderttausende ihr Leben lassen mussten, die keine Russen waren?

Am Ende sieht man Stalin im offenen Sarg liegen. Die Stimme des Kommentators teilt mit, die Leiche sei im Mausoleum auf dem Roten Platz aufgebahrt worden. Aber sie wurde nicht im Mausoleum, sondern im Säulensaal des Gewerkschaftshauses ausgestellt. Weiß überhaupt noch jemand, was eine Recherche ist? Man hätte in diesem Fall nichts weiter tun müssen, als nachzuschlagen, und in weniger als fünf Minuten hätten alle faktischen Fehler behoben werden können.

Aber wer interessiert sich noch für Fakten, wenn es doch nur darum geht, den Zuschauer mit bunten Bildern zu unterhalten! Nun könnte man einwenden, solche Informationen seien Nebensache, weil sie zur Erklärung nichts beitragen. Mag sein. Aber dieser lieblos zusammengeschnittene Film erklärt nichts, er erhellt nichts. Er ist stümperhafte Desinformation.

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