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Sprache des Islam : Der Prophet sprach nicht Türkisch

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Versenkung in einen Text, der als allen Umständen enthoben gilt: Koranschüler in Algerien Bild: picture-alliance / dpa/dpaweb

Das klassische Arabisch ist die Sprache des Korans. Dem traditionellen Verständnis gilt es als transzendente, fast magische Sprache von zeitloser Autorität. Die Imamausbildung in einer pluralen Gesellschaft muss die Abstraktion von diesem dogmatischen Verständnis lehren.

          Ein Studium der katholischen oder evangelischen Theologie ohne Grundkenntnisse des Griechischen und Hebräischen ist nur schwer vorstellbar. Die Bibel muss nicht von jedem Studenten im Urtext gelesen werden. Aber jegliche Exegese, auch wenn sie von den drängenden Fragen der Gegenwart ihren Ausgang nimmt, muss sich des ursprünglich in der Heiligen Schrift Gemeinten vergewissern, wenn sie sich nicht zu haltloser Spekulation verflüchtigen will. Die wissenschaftliche Diskussion selbst erfolgt jedoch in den zeitgenössischen Nationalsprachen. Ganz anders liegen die Verhältnisse im Islam, wo sich die Dominanz des Arabischen, der Sprache des Korans, mit einer den Europäer erstaunenden Beständigkeit erhalten hat. Sie wird in den letzten Jahrzehnten allenfalls durch das Englische angefochten, doch wird es nicht das Arabische beerben können. Warum ist das so?

          Der uneinholbare Vorrang des Arabischen beruht spätestens seit dem 11. Jahrhundert auf der Vorstellung, die im Koran zu Buche geschlagene Rede Allahs gehöre nicht dem diesseitigen, geschaffenen Sein an, sondern dem transzendenten des Schöpfers, weshalb ihr übrigens bis heute oftmals geradezu magische Qualitäten zugeschrieben werden. Vor allem die im Sunnitentum und weithin auch von den Schiiten vertretene Auffassung, die arabischen Wörter des Korans könnten auf keinen Fall durch gleichbedeutende einer anderen Sprache ersetzt werden, wurzelt in dieser Vorstellung. Und für den Vollzug der Ritualpflichten ist der Gebrauch des Arabischen unabdingbar.

          Die Lehre von der Unersetzbarkeit und daher Unübersetzbarkeit des arabischen Korans hat dazu geführt, dass bis in die Gegenwart sich das islamische gelehrte Schrifttum, das dem Koran und seiner Auslegung sowie seiner Nutzbarmachung in der Schariawissenschaft gewidmet ist, nahezu ausschließlich des klassischen Arabisch bedient. Mit geringen Abstrichen gilt dies auch für das Hadith und die mit ihm befasste Literatur. Da diese Gegenstände auch die Ausgangsstufe für eine Beschäftigung mit Metaphysik und Philosophie bilden, behauptet das Arabische auch hier seine Vorherrschaft. Eine Imamausbildung ohne einen Rückbezug auf das Arabische wäre also gänzlich bodenlos.

          Liberalisierung im Dialog

          Der Hinweis auf die ritualpraktische Bedeutung des Arabischen und auf dessen unangefochtene Dominanz in der theologischen und schariatischen wissenschaftlichen Literatur sollte also schon genügen, um es in einer akademischen Imamausbildung an deutschen Universitäten zu verankern. Ein weiterer Gesichtspunkt ist jedoch mindestens ebenso wichtig. Es gilt für die akademische Imamausbildung als ausgemacht, dass die von Muslimen für Muslime zu betreibende Islamlehre und -forschung ein wissenschaftliches Reflexionsniveau erreichen sollen, das für die christlich-theologischen Fakultäten selbstverständlich ist.

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