https://www.faz.net/-gqz-ovrf

: Richtig rechts sein

  • Aktualisiert am

Die Zeitschrift "Etappe" veröffentlicht in ihrer jüngsten Ausgabe einen praktischen Weltbild-Bausatz für den angehenden Rechtsintellektuellen (Fedor Hello de Belloc, "Von Esra bis Bill Gates. Eine Tour d' horizon, rechtsherum", in: Etappe.

          1 Min.

          Die Zeitschrift "Etappe" veröffentlicht in ihrer jüngsten Ausgabe einen praktischen Weltbild-Bausatz für den angehenden Rechtsintellektuellen (Fedor Hello de Belloc, "Von Esra bis Bill Gates. Eine Tour d' horizon, rechtsherum", in: Etappe. Zeitschrift für Politik, Kultur und Wissenschaft, Heft 17, Bonn 2003). Für jeden ist etwas dabei: Geboten werden ganze Orientierungspakete, die Parolen, Hauptfeinde, Referenzepochen, Köpfe, Idole und Filme enthalten. So wird der gegenrevolutionäre Legitimist bei dem Film "Marie Antoinette" von Jean Delannoy (1958) auf seine Kosten kommen. Der Nationalrevolutionär, dem die Verehrung von Yukio Mishima und Muammar al Gaddafi empfohlen wird, kann sich eine DVD von Eisensteins "Alexander Newski" besorgen, wenn er nicht die einheimische Produktion bevorzugt: "Fangschuß" von Volker Schlöndorff.

          Europäische Föderalisten, die ihren geistigen Ahnen in Constantin Frantz erblicken, werden sich bei dem Wilhelm-Tell-Film aus dem Jahr 1923 entspannen können. Anhängern der wirtschaftsliberalen Theorien von Milton Friedman werden als Referenzepochen der Wilde Westen, Manchester-England, Taiwan und Osteuropa nach 1989 angeboten. Für den reinen Faschisten (Parole: "Glauben! Gehorchen! Kämpfen!") gibt es eine filmhistorische Rarität: "Condottieri" von Luis Trenker (1937), aber auch Jean-Pierre Melvilles "Der Samurai" mit Alain Delon (1967). Alle Strömungen rechts von der Sozialdemokratie sind vertreten. Vergleichsweise friedlich klingt der Ratgeber mit einem Hinweis auf die ökologische Rechte (Parole: "Mutter Erde!") aus. Unter ihren Idolen: Brigitte Bardot als Tierschützerin und der Regisseur Werner Herzog. In dem einen oder anderen Filmmuseum wird der Adept dieser Richtung auch "Nanouk der Eskimo" von Robert Flaherty (1922) finden, den der Autor des Artikels ihm nahelegt. Dessen Name, Fedor Hello de Belloc, ist selbst aus Idolen und Köpfen zusammengebastelt: aus Dostojewski, dem katholischen Apologeten Ernest Hello und dem gleichfalls katholischen Briten Hilaire Belloc, der seine Sympathie für die französische Revolution mit einer britischen Version faschistischer Wirtschaftslehren, dem "Distributionsmus", verband. L.J.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Bewegung in Italien : Sardinen wollen es mit Salvini aufnehmen

          Eine Großkundgebung in Rom ist der vorläufige Höhepunkt der Sardinen-Bewegung. Die italienischen Linken wollen den öffentlichen Raum und politischen Diskurs zurück. Lega-Chef Salvini hat die Herausforderung angenommen.
          Die Ziele der EZB sind umstritten.

          Debatte um Inflationsziel : Was die EZB wirklich antreibt

          Ist die Inflationsbekämpfung das einzig wahre Ziel der EZB oder gibt es noch andere implizite Absichten, die in Entscheidungen einfließen? Eine neue Studie stellt ein interessantes Experiment an.
          Die Eröffnung der Vogelfluglinie: Der dänische König Frederik IX. (links) und Bundespräsident Heinrich Lübke gehen im Mai 1963 im dänischen Hafen Rodbyhavn an Bord der Fähre.

          Von Hamburg nach Kopenhagen : Abschied von der Vogelfluglinie

          Die Zugfahrt von Hamburg nach Kopenhagen führte jahrzehntelang mit der Fähre über die Ostsee. Das war mal ein Verkehrsprojekt der Superlative. Nun ist die Verbindung über das Schiff Geschichte. Eine letzte Fahrt.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.