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„Neuroleadership“ : Führen mit mehr Geist oder mehr Hirn

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So stellen sich Suchmaschinen eine Führungskraft vor - aber was genau erwartet die Hirnforschung von ihr? Bild: AP

Der letzte Schrei der Forschung heißt Neuroleadership. Einblicke der Hirnforschung in die Arbeitsweise unseres Denkorgans sollen für Führungskräfte nutzbar sein. Wie die Erkenntnisse in konkretes Handeln übersetzt werden sollen, ist aber alles andere als klar.

          Hirnforscher müssen Optimisten sein. Wie sonst ließe es sich erklären, dass sie angesichts des kühnen Vorhabens, das Denkorgan mit Hilfe ebendieses Denkorgans zu enträtseln, nicht verzweifeln. Vielmehr erleben die Neurowissenschaften seit vielen Jahren eine nie dagewesene Blütezeit. Längst geht es nicht mehr nur um Grundlagenforschung und ein besseres Verständnis von krankhaften Störungen. Immer häufiger lockt auch die Anwendung des gewonnenen Wissens, und zwar nicht nur, wie zu erwarten, in der Medizin, sondern auch auf zunächst überraschenden Feldern.

          Nach der Neuroökonomie, bei der sich Neurowissenschaften und Wirtschaftswissenschaften vermählt haben, um zum Beispiel herauszufinden, wie man Kaufentscheidungen beeinflussen kann, verheißt nun ein mit dem Begriff „Neuroleadership“ belegter Vorstoß betriebswirtschaftlichen Nutzen. Aufgrund neurowissenschaftlicher Erkenntnisse sollen Führungskräfte befähigt werden, „gehirngerechter“ zu entscheiden, wie Christian Elger das ausdrückt. Elger ist Direktor der Universitätsklinik für Epileptologie in Bonn und Wissenschaftlicher Geschäftsführer des dort ansässigen Unternehmens Life&Brain. Er sieht ein großes Potential für das noch in den Kinderschuhen steckende Forschungsgebiet, wie sein unlängst erschienenes Buch „Neuroleadership“ zeigt (Rudolf Haufe Verlag, Planegg/München 2009).

          Zwar nimmt Elger jene Skeptiker durchaus ernst, die argwöhnen, der 2006 in den Vereinigten Staaten geschaffene Begriff sei lediglich ein neues Wort für alte Inhalte beim Training von Führungskräften. Andererseits steht für den Wissenschaftler fest, dass die Hirnforschung zunehmend mit der klassischen Psychologie konkurriert, sie ergänzt, prüft und mitunter zu komplett neuen Ergebnissen kommt.

          Ein Milliarden-System

          Das Gehirn des Menschen wird mit gutem Grund als das komplexeste Gebilde im bekannten Universum bezeichnet. Schon die nackten Zahlen sind eindrucksvoll, und sie beeindrucken sogar noch in der jetzigen Wirtschaftskrise, in der das Rechnen mit Milliarden zum alltäglichen Geschäft geworden ist. Rund einhundert Milliarden Nervenzellen, so die gängige Schätzung, beherbergt unser Gehirn. Dazu kommen zehnmal so viele Gliazellen, eine in ihrer Bedeutung für die Informationsverarbeitung lange unterschätzte Fraktion. Noch weit imposanter als die Zahl der Zellen ist die der Verknüpfungen: Mit bis zu 15.000 Kontaktstellen kann eine einzelne Nervenzelle mit anderen Nervenzellen verbunden sein. Das Ergebnis sind Aberbillionen von Verbindungen. Unfassbar jedenfalls, dass es nicht zu einem heillosen Durcheinander kommt, zumal die Verbindungen nach Bedarf wieder gekappt und durch andere ersetzt werden.

          Die Wandlungsfähigkeit oder Plastizität des Gehirns, die dem Menschen lebenslang die Fähigkeit zum Lernen und zur Weiterentwicklung verleiht, stellt den Grundpfeiler für Neuroleadership dar. Diese Plastizität lässt sich auf der Ebene der Materie festmachen, wie die Hirnforschung gezeigt hat: In Sekundenschnelle können sich schon bestehende Kontaktstellen, die Synapsen, zwischen Nervenzellen verstärken. Bei Bedarf werden auch neue Synapsen angelegt, was vielleicht Stunden dauert. Beides dient dem Lernen und dem Gedächtnis. Entgegen einem lange zäh verteidigten Dogma können im Gehirn von Erwachsenen sogar neue Nervenzellen heranwachsen. Auch dieser Prozess, der Tage erfordert, steht im Dienste des Lernens. Die Möglichkeiten, die sich infolge der Plastizität für die Weiterentwicklung des Menschen ergeben, wird nach Elgers Überzeugung noch nicht voll erkannt, zum Beispiel in der Wirtschaft.

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