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Museums-Konzil : Die Kunsttempelherren

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Okwui Enwezor (San Francisco), künstlerischer Leiter der letzten Kasseler documenta, hielt den Kritikern seiner postmodernen Begrifflichkeit die zwingende Realität der neuesten Geschichte entgegen. Es sei absehbar, daß sich die Bedeutung der westlichen Gesellschaften im weltweiten Maßstab dramatisch verändere, so wie auch die ethnische Zusammensetzung der westlichen Großstädte unwiderruflichem Wandel unterliege. Diese Entwicklungen werden Folgen dafür haben, wie der Westen über sich nachdenkt und wie er sich in seinen Kultureinrichtungen präsentiert.

Die Erfahrungsberichte der Museumsdirektoren belegten, daß der weltpolitische Geist der Theoretiker auf einer breiten empirischen Basis ruht. Kaum ein Vortrag war zu hören, der nicht um den sozialen Ort des Museums kreiste. Die Museen präsentierten sich als Motoren des urbanen Wandels und wirkmächtige Agenten in ihren Gemeinwesen. Die Guggenheim-Dependance in Bilbao nimmt für sich in Anspruch, der gesamten Stadt binnen eines Jahrzehnts ein neues Selbstgefühl und ökonomischen Aufschwung gebracht zu haben. Die Direktorin des Ägyptischen Museums in Kairo, Wafaa El-Sediq, gewährt allen Ägyptern freien Eintritt, in der Hoffnung, daß sich der Stolz auf die Pharaonen als Bollwerk gegen den islamischen Fundamentalismus erweisen möge.

Marktplatz der Identitäten

Die großen Museen der Hauptstädte erscheinen als probates Instrument, um die nationale Einheit gegen ethnische und religiöse Fliehkräfte zu behaupten. Mit einem sieben Kilometer langen Ausstellungsparcours lotet das Museo Nacional de Antropología in Mexiko City die historische Tiefe der vorspanischen Kulturen aus. Das Asian Civilisations Museum in Singapur wendet sich an die hybride Einwanderungsgesellschaft des Inselstaates, ohne bei der Qualität der Objekte und der Präsentation vom weltweiten Standard abweichen zu wollen. Im Louvre soll die Neugestaltung der Abteilung für Islamische Kunst, kräftig unterstützt durch das Mäzenatentum eines saudischen Prinzen, transparent machen, was in der Formelsprache der Interkulturpolitik der Beitrag des Islams zur französischen Gesellschaft heißt.

Museen sind ein Marktplatz der Identitäten und untergraben häufig im Zuge der Tauschgeschäfte die staatlichen Vorgaben. Das Istanbuler Topkapi-Museum, so Direktor Ilber Ortayli, dient nicht dem Türkentum im engeren Sinn, sondern versammelt das zersplitterte Erbe des einstmals größeren, osmanischen Territoriums. Neil MacGregor, Direktor des Britischen Museums, nahm für sein Haus in Anspruch, traditionell dem freien Diskurs der Bürger über die prekären Fragen des Glaubens ein Obdach zu bieten.

Universalmuseum für eine dynamische Gesellschaft

William Thorsell (Royal Ontario Museum, Toronto) sagt voraus, daß unter den traditionellen Räumen des westlichen Bürgertums vor allem Oper und Kirche ihre Funktion einbüßen werden. Das Universalmuseum habe dagegen die Chance, sich als Agora einer dynamischen Gesellschaft zu bewähren, ein bißchen Lifestyle gerne eingeschlossen. Das Detroit Institute of Art hat sich unter der ungünstigen Voraussetzung des Verschwindens der innerstädtischen Mittelschicht nach den Rassenunruhen von 1967 sein Publikum erkämpft.

Der selbstbewußte Glaube der Museumsdirektoren wie ihrer Geldgeber an die Kraft der Kultur und damit an den Sinn und die Funktion ihrer Institute war das eigentliche Wunder der Tagung. Daß die meisten ihr Publikum ernst nehmen, selbst wenn es in Massen auftritt, markierte den Berührungspunkt zur Kunstdoktrin der katholischen Kirche, die den Menschen in seiner Universalität und Bestimmung zur Transzendenz ansprechen will. Der theologischen Lehrstunde, mit der Kardinal Bertone die Tagung eröffnet hatte, steht das gerade in Deutschland verbreitete Bündnis aus Kulturpessimismus und einem eng ausgelegten Begriff von Autonomie entgegen, das ein Grund für die grassierende kulturpolitische Visionsarmut ist.

Die Direktoren beugten zu Recht ihr Knie vor Benedikt XVI. als einem Verbündeten. 2010 wollen sie nach Peking reisen, wozu der Direktor des dortigen, rasch expandierenden Nationalen Kunstmuseums eingeladen hat. Bis dahin trinken wir heiße Schokolade im Wiener Museumsquartier.

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Trailer : „Parasite“

„Parasite“, 2019. Regie: Joon-ho Bong. Darsteller: Kang-Ho Song, Woo-sik Choi, Park So-Dam. Kinostart: 17. Oktober 2019

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