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Hochschulen : Exzellenz-Eklat: Sieg der Südstaaten

  • -Aktualisiert am

Bild: FAZ.NET

München und Karlsruhe - die Sieger des Exzellenzwettbewerbs der Universitäten stehen fest, doch es herrscht Unfrieden. Im Bewilligungsausschuß kam es zum Eklat. Die Politiker fühlten sich von den Wissenschaftlern bevormundet: „Wir konnten das nur noch abnicken.“

          München und Karlsruhe - die Sieger des Exzellenzwettbewerbs der Universitäten stehen fest, doch es herrscht Unfrieden. Im Bewilligungsausschuß, in dem wissenschaftliche Juroren und Wissenschaftsminister am Freitag zusammen entschieden, wer rund 900 Millionen Euro Fördergelder bekommen soll, kam es zum Eklat.

          Die Politiker fühlten sich von den Juroren aus der Wissenschaft bevormundet. Sie fordern nun mehr Einfluß auf das Verfahren, wenn im kommenden Frühjahr weitere 1,1 Milliarden Euro Fördermittel vergeben werden.

          Nur um wissenschaftliche Exzellenz soll es gehen - das haben Wissenschaftspolitiker aller Parteien stets hervorgehoben. Doch nun zeigte sich, daß die Politiker doch lieber selber entscheiden würden und die 26 Gutachter aus aller Welt als ihre Zuarbeiter betrachten. In dem gemeinsamen Bewilligungsausschuß, in dem Bund, Länder und Wissenschaft vertreten sind, haben die Länder je eine Stimme, der Bund sechzehn Stimmen und die Wissenschaftler je 1,5 Stimmen, was ihnen eine Mehrheit verleiht. Die nutzten die Forscher aber selbstbewußt unter Berufung auf das Kriterium der Exzellenz. Sie legten den beteiligten Wissenschaftsministern aus Bund und Ländern eindeutige Entscheidungen vor: Bei den „Zukunftskonzepten“ setzten sich nur die TU München, die TH Karlsruhe und die Ludwig-Maximilians-Universität München durch.

          Unter den Siegern: die TU München

          Die Wissenschaftler setzen sich durch

          Die anderen Bewerber aus Berlin, Bremen, Würzburg und Tübingen wurden in dieser sogenannten „dritten Säule“ nicht berücksichtigt. Die Universität Freiburg war als weiterer Kandidat im Rennen, schied aber aus, weil sie nicht das nötige Exzellenz-Cluster vorweisen konnte. Aachen und Heidelberg, deren wissenschaftliche Exzellenz festgestellt wurde, scheiterten an ihrem noch nicht ausgereiften Zukunftskonzept.

          Von einem „bedeutenden Tag für die Wissenschaft in Deutschland“ sprach Bundesforschungsministerin Annette Schavan (CDU) und meinte damit den Einstieg in die Exzellenzförderung. Bedeutend ist der Tag aber auch deswegen, weil sich Wissenschaftler gegen ihre politischen Geldgeber durchgesetzt haben, die allzu gerne von der Autonomie der Hochschule sprechen, aber die Universitäten gerne am Gängelband führen.

          „Wir konnten das nur noch abnicken“

          Nach dem schlechten Abschneiden von nord- und ostdeutschen Universitäten beim Exzellenzwettbewerb hat der schleswig-holsteinische Wissenschafts- und Wirtschaftsminister Dietrich Austermann (CDU) schwere Vorwürfe gegen die Deutsche Forschungsgemeinschaft und ihren Präsidenten Ernst-Ludwig Winnacker erhoben.

          Austermann sagte FAZ.NET, das Entscheidungsverfahren sei erst kurz vor der Sitzung des Bewilligungsausschusses so verändert worden, daß die Wissenschaftsminister praktisch keinen Einfluß mehr auf den Ausgang gehabt hätten. „Wir konnten das nur noch abnicken“, kritisierte Austermann.

          „Erregte Diskussion“

          Zur Konzeption des Exzellenzwettbewerbs gehöre es, daß Bund und Länder am Ende gemeinsam mit den wissenschaftlichen Gutachtern die Entscheidung fällen. Dagegen habe Winnacker verstoßen. Austermann sagte, es habe eine „zweistündige erregte Diskussion“ gegeben, in deren Verlauf einige Minister beinahe den Rücktritt von Winnacker vom Vorsitz des Gremiums gefordert hätten.

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