https://www.faz.net/-gqz-vcnz

Henry Ford : Was der Brockhaus nicht weiß

  • Aktualisiert am

Eine antisemitische Streitschrift des Autokönigs fehlt im kanonischen Lexikon der Deutschen

          Der Name des 1863 geborenen amerikanischen Autokönigs wurde zum Inbegriff einer ganzen Wirtschaftsepoche, die man „Fordismus“ nannte: Rationalisierung, Fließbandtechnik, Produktion erschwinglicher Automobile, innerbetriebliche Sozialpartnerschaft waren ihre Kennzeichen. Dies erfährt man in allen Nachkriegsausgaben des „Brockhaus“. Und so sind die Werke von Henry Ford in diesem Lexikon ausgewiesen: „My life and my work“ (1922, deutsch „Mein Leben und Werk“), „Today and tomorrow“ (1926), schließlich „Edison as I knew him“ (1930) und „Moving forward“, ebenfalls 1930 erschienen.

          Das ist alles; frühere Ausgaben des Brockhaus brachten unter der Sekundärliteratur noch Friedrich von Gottl-Ottlilienfelds Monographie „Fordismus“ aus dem Jahr 1924, in der der Wirtschaftstheoretiker vom „Führersozialismus“ Fords als einer Alternative zum Bolschewismus sprach. Aber es gab noch eine mehrbändige Schrift von Henry Ford: „The international Jew“, von den Nationalsozialisten gefeiert. Im nationalsozialistischen Hammer-Verlag erschien schon 1922 eine deutsche Übersetzung unter dem Titel „Der internationale Jude. Ein Weltproblem“. Hitlers Hochschätzung der Schrift und ihres Autors ist gut überliefert.

          Verließe man sich nur auf das anerkannte Lexikon – man wüsste nichts von den erbitterten Auseinandersetzungen, die sich an die judenfeindliche Schrift anschlossen und die in den Vereinigten Staaten noch jede Diskussion über Henry Ford bis heute bestimmen. Gäbe es nicht die ihrerseits umstrittene Internet-Enzyklopädie „Wikipedia“, dann wäre der Gedächtnisverlust komplett. Aber der Druck, der vom Internet auf die Basis des „legitimen“ Wissens ausgeht, könnte hier einmal zum Guten führen. L.J.

          Weitere Themen

          Fukase ist ein Mörder

          Kanae Minatos neuer Krimi : Fukase ist ein Mörder

          In dieser Literatur tun sich makabre Abgründe auf: Kanae Minatos Krimi „Schuldig“ erzählt von einem alten Verbrechen, das die Ruhe der Davongekommenen stört.

          Meghan und Harry präsentieren ihr Baby Video-Seite öffnen

          Gestatten, Archie : Meghan und Harry präsentieren ihr Baby

          Der neue Ur-Enkel der Queen heißt Archie Harrison Mountbatten-Windsor. Freudig stellt das Elternpaar den kleinen Royal den Medien vor. In Wörlitz nahm Prinz Charles eine junge deutsche Eiche von bedeutsamer Herkunft zu Ehren seines Enkels entgegen.

          Zwiebels Traum

          Peer Gynt in Frankfurt : Zwiebels Traum

          Als hätte sich David Lynch in den Cirque du Soleil verirrt: Andreas Kriegenburg inszeniert Henrik Ibsens Versdrama über den Borderliner „Peer Gynt“ in der deutschen Fassung von Peter Stein und Botho Strauß.

          Topmeldungen

          Niki Lauda ist im Alter von 70 Jahren gestorben.

          Formel-1-Legende : Niki Lauda ist tot

          Formel-1-Legende Niki Lauda ist gestorben: Der dreifache Formel-1-Weltmeister wurde 70 Jahre alt.

          Österreichs Regierung am Boden : Von der Musterehe zum Rosenkrieg

          Aus den Rissen in der türkis-blauen Koalition wurden durch die Ibiza-Affäre in beeindruckender Geschwindigkeit Gräben. Die Neuwahl ist für Sebastian Kurz eine Chance, mehr Stimmen für die ÖVP zu gewinnen – aber sie birgt auch ein großes Risiko.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.