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Erpresserbriefe : Richtig falsches Deutsch zu schreiben ist sehr schwer

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Erpesserbrief des ominösen „Krümelmonsters“, das im Januar 2013 den vergoldeten Keks eines Hannoveraner Süßwarenherstellers gestohlen hatte Bild: dpa

Bemerkenswertes Experiment: Eine Sprachwissenschaftlerin des Bundeskriminalamtes stellte 98 Muttersprachlern die Aufgabe, einen Erpresserbrief zu schreiben und dabei eine ausländische Identität vorzutäuschen. Das Ergebnis war ernüchternd.

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          „Wir haben mehrere Produkte in Ihren Markt Vergiftet. Sie werden die Artikel ohne uns nicht Finden. Wir fordern eine million in kleine scheine.“ Tausende von Erpresser- und Drohbriefen, verleumderischen Mails und Bekennerschreiben werden jährlich verfasst. In besonders gravierenden Fällen nehmen sich forensische Linguisten, die beim Bundeskriminalamt oder als freiberufliche Gutachter arbeiten, solche Tätertexte vor. Die Sprachwissenschaftler sind vor allem dann gefragt, wenn die Analyse von Druck-, Papier- oder Datenspuren allein nicht weiterhilft. Ihr Ziel ist es, anhand sprachlicher Merkmale Hinweise auf den Autor oder sein Umfeld zu erhalten.

          Wortwahl, Satzbau und Orthographie können etwas über den Bildungsgrad des Täters oder seine soziale und regionale Herkunft verraten. Besonderen Erfolg verspricht eine forensische Sprachuntersuchung dann, wenn Schriftstücke von Verdächtigen vorliegen, mit denen sich die anonymen Schreiben vergleichen lassen. Dabei beschränken sich die Forensiker auf Wahrscheinlichkeitsaussagen. Ein linguistischer Befund für sich genommen reicht in der Regel nicht aus, um einen Täter zu überführen, aber gemeinsam mit anderen Indizien bildet er einen wertvollen Mosaikstein im Gesamtbild. Den Linguisten sind die Fallstricke, die ihre Arbeit bereithält, durchaus bewusst.

          Sprache ist ein gesellschaftliches Medium, ihr Gebrauch ist von Regeln und Konventionen bestimmt. Individuelle Züge auszumachen ist da oft schwierig - weshalb auch Computerprogramme die Erfahrung und analytische Kompetenz menschlicher Linguisten bislang nur unterstützen, aber nicht ersetzen können. Eine besondere Herausforderung besteht darin, dass anonyme Autoren die Sprache gern nutzen, um falsche Fährten zu legen: Fachausdrücke sollen einen Expertenstatus, Dialektwörter eine bestimmte Region, absichtliche Fehler und Vulgärausdrücke einen bildungsfernen Hintergrund am Rande der Gesellschaft vortäuschen.

          Stereotype Strategien der Verstellung

          Besonders beliebt ist die Inszenierung eines ausländischen oder migrantischen Hintergrunds mit Hilfe eines gebrochenen Deutschs. Welche Muster hinter diesem fingierten „Ausländerdeutsch“ stecken und wie man ihnen auf die Spur kommen kann, hat die forensische Linguistin Eilika Fobbe untersucht, die Sachbearbeiter beim Bundeskriminalamt ausbildet und Text-Gutachten für Auftraggeber aus unterschiedlichen Bereichen anfertigt („Fingierte Lernersprachen. Strategien der muttersprachlichen Fehlerproduktion im Dienste der Verstellung“, in: Zeitschrift für Germanistische Linguistik, Jg. 42, Heft 2, 2014).

          Sie stellte 98 deutschen Muttersprachlern die Aufgabe, einen Erpresserbrief zu schreiben und dabei eine ausländische Identität vorzutäuschen. Der Inhalt war in groben Zügen vorgegeben: Dem Empfänger des Schreibens sollte mit schlimmen Konsequenzen gedroht werden, würde er nicht eine bestimmte Geldsumme in einem Hotel übergeben. Fast alle Testteilnehmer wählten für ihre Ausländerdarstellung ein radebrechendes Deutsch. Dabei waren bei den gewählten Fehlerarten die Übereinstimmungen zwischen den Texten so stark, dass sie auf die Existenz eines stereotypen „Verstellungsstils“ hinweisen.

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