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Der Siebenjährige Krieg : Eine Maria Theresia lässt sich nicht herumstoßen

Es gibt Siege, über die man nicht froh werden kann: Bei der Einnahme von Québec fiel der britische General Wolfe. Bild: National Gallery of Canada

Nordatlantikpakte des achtzehnten Jahrhunderts: Eine Tagung in München untersucht die Globalgeschichte des Siebenjährigen Krieges.

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          Geschichte ist ein Puzzle, eine Planskizze oder ein Gemälde. Je nachdem, für welche Darstellungsart man sich entscheidet, entsteht ein anderes Bild. Die Mikrogeschichte trägt ein Puzzlestück nach dem anderen zusammen – Geschichten von Dörfern, Landschaften, Produkten, Metiers –, ohne dass die Lücken zwischen den Teilchen geringer würden. Die Makrogeschichte zeigt die Strukturen der longue durée in Zeit und Raum, ohne oft genau erklären zu können, warum sie sich verändern.

          Andreas  Kilb

          Feuilletonkorrespondent in Berlin.

          Am vielversprechendsten ist immer noch die klassische erzählende Darstellung. Aber auch sie bewegt sich in dem Spannungsfeld, das Georg Simmel 1916 in seinem Essay zum „Problem der historischen Zeit“ beschrieben hat. Geht sie zu nah an ihre Gegenstände heran, verliert sie ihre Kohärenz. Entfernt sie sich zu weit von ihnen, wird sie zum bloßen Begriffsgeschiebe.

          Georg Simmels Beispiel

          Als Beispiel nahm Simmel, gut borussisch, die Schlacht bei Kunersdorf: Eine beliebige Melée zwischen preußischen und österreichischen Grenadieren sei ein Muster ohne Wert, da sie auch irgendwo anders, bei Leuthen oder Liegnitz, hätte stattfinden können. Der Begriff „Schlacht bei Kunersdorf“ wiederum bleibe abstrakt, wenn er nicht mit Anschauung, also Attacken und Handgemenge, gefüllt werde. Aus dieser „tiefen Antinomie der Historik“ führt bei Simmel die Tatsache heraus, dass auch die Geschichtsschreibung selbst „eine Form des Lebens“, mithin ebenfalls historisch ist. Ihr Stoff ist nie zu Ende gemalt. Es sei denn, niemand mehr nimmt den Pinsel zur Hand.

          Simmels Aufsatz, den der Göttinger Historiker Marian Füssel in seinem Eröffnungsvortrag zu einem Kolloquium über „Mikro- und Makroperspektiven“ auf den Siebenjährigen Krieg am Historischen Kolleg in München referierte, benennt ein Dilemma, das schon den Zeitgenossen Friedrichs des Großen bekannt war. In London erschienen schon kurz nach dem Ende des Krieges populäre Gesamtdarstellungen mit Betonung der britisch-französisch-spanischen Kolonialkonflikte.

          Hundertfach ergänztes Bild

          Zur gleichen Zeit verfasste der preußische König seine eigene, stark eurozentrische Kriegserzählung, die vor allem an die anderen Höfe in Europa adressiert war. Das erste Stück Mikrohistorie erschien 1789 mit Ulrich Bräkers Lebenserinnerungen vom „Armen Mann in Toggenburg“, die erste Monographie zwei Jahre später mit der „Geschichte des siebenjährigen Krieges in Deutschland“ von Johann Wilhelm von Archenholz.

          Heutige Historiker haben es schwerer. Das Bild, an dem sie malen, ist schon hundertfach ergänzt und restauriert. Gleichwohl finden sich immer wieder leere Flecken, zum Teil an den erstaunlichsten Stellen. So zitierte Tim Neu (Bochum) einen Brandbrief von Abraham Mortier, dem Heereszahlmeister für die britischen Truppen in Nordamerika, aus dem Jahr 1759. Seine Kasse, schrieb Mortier, sei pleite, weil aus London kein Geld mehr eintreffe. Die Rotröcke wurde dennoch weiter bezahlt, weil ihr Zahlmeister mit der Kolonie New York einen Kreditvertrag abschloss.

          Das englische Defizit

          Die Kolonie gab ihm Papiergeld, für das sie von Mortier Wechsel empfing, die der Generalzahlmeister in London einlöste. Die Heeresversorgung wurde so zum Bestandteil der öffentlichen Kreditaufnahme. Bis 1763 wuchs das englische Defizit auf 133 Millionen Pfund. Die Nachfrage nach Staatsanleihen blieb dennoch groß, da die militärischen Erfolge in Übersee den Handel belebten. Der Markt finanzierte den Krieg, während die auf private Finanziers gestützte französische Kriegswirtschaft zusammenbrach.

          Eine andere Form der Bewirtschaftung des Krieges war die Ausbeutung besetzter Gebiete. Preußen und Österreich richteten dafür eigene Verwaltungen ein, ohne die Kontributionen über das in Friedenszeiten übliche Steueraufkommen hinaus steigern zu können (Horst Carl, Gießen). Oft kamen sich, wie im preußisch okkupierten Sachsen, Zivil- und Militärverwaltung in die Quere. In der jungen preußischen Provinz Schlesien hing die Kontrolle des Landes vom Besitz einiger Schlüsselfestungen ab, die im Lauf des Krieges mehrfach den Besitzer wechselten (Daniel Hohrath, Ingolstadt)

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