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Der Papst als Kronzeuge : Nun feiert mal schön

  • -Aktualisiert am

Papst Benedikt über die Kunst des Zelebrierens Bild: dpa

Papst Benedikt möchte in der Feier der Eucharistie eine größere „Bewusstheit“ der Zelebranten geweckt sehen: für Musik, Gesten, Architektur und Text. Eine Neudefinition des Verhältnisses von Schönheit und Liturgie.

          Wenn Papst Benedikt sich zur Liturgie äußert, ist ihm stets größte Aufmerksamkeit gewiss. Gegnern wie Befürwortern der sogenannten erneuerten Liturgie nach dem Messbuch Papst Pauls VI. gilt er als Gewährsmann. Ihm scheint in dieser Hinsicht etwas Schillerndes eigen zu sein. Von den Anhängern der vorkonziliaren Messe wird Benedikt immer wieder als Kronzeuge angeführt, weil er vor Jahren die Reform mit den Worten kritisiert hatte: „An die Stelle der gewordenen Liturgie hat man die gemachte Liturgie gesetzt.“ Damit schien das schärfstmögliche Urteil über die Veränderung gesprochen: Man habe mit Willkür etwas durch die Jahrhunderte Gewachsenes zerstört. Freilich feiert auch der Papst die Messe nach der neuen Ordnung.

          Im jüngst veröffentlichten Apostolischen Schreiben „Sacramentum Caritatis“ befasst sich Benedikt wiederum eingehend mit der Feier der Eucharistie. Den liturgisch Neugierigen liefert der Papst gleich zu Beginn ein Meisterstück schillernder Formulierungskunst. Im Abschnitt über „die Entwicklung des eucharistischen Ritus“ zählt er zunächst die Liturgiereform, seiner früheren Äußerung scheinbar widersprechend, zum Bestandteil jener „über die Zeit hin geordneten Entwicklung der rituellen Formen, in denen wir des Ereignisses unseres Heils gedenken“.

          „Eucharistiefeier als Quelle des Lebens“

          Ist also auch die erneuerte Liturgie geworden, nicht gemacht? In der Tat fährt Benedikt mit einer Aufzählung fort: „Von den vielfältigen Formen der ersten Jahrhunderte, die noch in den Riten der Alten Ostkirchen aufleuchten, bis zur Verbreitung des römischen Ritus; von den klaren Anweisungen des Konzils von Trient und des Missale des hl. Pius V. bis zur vom Zweiten Vatikanischen Konzil angeregten Liturgiereform: in jeder Epoche der Kirchengeschichte erstrahlt die Eucharistiefeier als Quelle und Höhepunkt ihres Lebens und ihrer Sendung im liturgischen Ritus in all ihrem vielfältigen Reichtum.“

          Wenn Benedikt sich zur Liturgie äußert, ist ihm größte Aufmerksamkeit gewiss

          Wie auch die Kritiker der Liturgiereform scheint Benedikt hier zwischen den Intentionen des Konzils, die in der Liturgiekonstitution „Sacrosanctum Concilium“ niedergelegt wurden, und deren praktischer Umsetzung durch das neue Missale zu unterscheiden. Und deutet das Lob des vielfältigen Reichtums des liturgischen Ritus, wie er sich in der Kirchengeschichte präsentiere, womöglich darauf hin, dass der Papst neben der erneuerten demnächst auch die alte Messe wieder zulassen wird?

          Alles in bester Ordnung?

          Doch dann folgt auf dem Fuß ein Lob der Liturgiereform: „Im Besonderen haben die Synodenväter den segensreichen Einfluss festgestellt und bestätigt, den die seit dem Zweiten Vatikanischen Konzil verwirklichte Liturgiereform auf das Leben der Kirche ausgeübt hat. Die Bischofssynode hatte die Möglichkeit, ihre Rezeption nach der Konzilsversammlung zu beurteilen. Es gab außerordentlich viele Würdigungen.“ Also alles in bester Ordnung? Doch Benedikt referiert nur und fährt in leicht verändertem Tonfall fort: „Wie bekräftigt wurde, können die Schwierigkeiten und auch einige erwähnte Missbräuche den Wert und die Wirksamkeit der Liturgiereform, die noch bisher nicht völlig erkundete Schätze in sich birgt, nicht verdunkeln.“

          Es scheint also einiges schiefgelaufen zu sein bei der Umsetzung der Reform. Abschließend folgt ein Satz, in dem jedes Wort mit größter Genauigkeit an seinem Platze sitzt: „Konkret geht es darum, die vom Konzil beabsichtigten Änderungen innerhalb der Einheit zu verstehen, die die geschichtliche Entwicklung des Ritus selbst kennzeichnet, ohne unnatürliche Brüche einzuführen.“ Hier wird noch einmal unterschieden zwischen den Absichten des Konzils und deren Umsetzung.

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