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Der Papst als Kronzeuge : Nun feiert mal schön

  • -Aktualisiert am

Architektur, Musik, Sprache und Gesten

Die katholische Kirche hat in ihrer Geschichte eine beachtliche Meisterschaft darin entwickelt, ihren Dokumenten eine präzise Sprache zu geben und deren Inhalt gleichzeitig für Deutungen offenzulassen. Man konnte und kann ja nie wissen, was der Heilige Geist zukünftig bringt. Mit solcher Formulierungskunst bleibt man manövrierfähig. Oberstes Gebot der kirchlichen Sprachregelungen ist: Nie den älteren kirchlichen Dokumenten widersprechen! Man entwickelt sie fort, gewichtet sie neu. So stellt man durch den rechten Gebrauch der Worte sicher, dass man auf dem Weg durch die Zeit nicht stolpert. Benedikts neuestes Apostolisches Schreiben gibt ein Musterbeispiel dieser Kunst. Im Lichte von „Sacramentum Caritatis“ erscheint die erneuerte Liturgie als etwas im Kern Richtiges, das freilich einiger Korrekturen und sorgsamer Pflege bedarf.

Die praktischen Ermahnungen über den rechten Vollzug der Eucharistiefeier, die Benedikt seinen grundsätzlichen Überlegungen folgen lässt, stellt er unter den Begriff der „Ars celebrandi“ und erläutert ihn unter anderem im Abschnitt „Schönheit und Liturgie“. Der Papst redet damit freilich nicht einem liturgischen Ästhetizismus das Wort, sondern verweist auf die instruktive Qualität einer sorgfältig gestalteten Feier: Die beste Katechese über die Eucharistie sei die gut zelebrierte Eucharistie selbst. Zu ihrer Qualität und Verständlichkeit tragen Architektur, Musik, Sprache und Gesten bei, deren Pflege und Beachtung der Papst nachdrücklich anmahnt. Mit der Ausbildung der Priester ist er in dieser Hinsicht erkennbar unzufrieden; konkret wird eine bessere Ausbildung in Architektur- und Kunstgeschichte gefordert.

Der Choral als eigene Formen der Kommunikation

Viel Aufsehen haben Benedikts Ausführungen zum Gebrauch der lateinischen Sprache und der Verwendung des gregorianischen Chorals erregt. Doch geht er dabei nicht über die in „Sacrosanctum Concilium“ formulierten Desiderate hinaus. Lateinische Sprache wie Choral sollen als der Kirche eigene Formen der Kommunikation gepflegt werden. Das ist gewiss keine schlechte und schon gar keine antiquierte Idee, denn so paradox es klingt: Auch die Weltkirche hat mit den Folgen der Globalisierung zu kämpfen. Die liturgische Verständigung auf Versammlungen wie den Weltjugendtagen gelingt weder sprachlich noch kirchenmusikalisch auf hinreichende Weise. Da böte sich das sorgfältig in dem Schrank verstaute eigene Erbe als Kommunikationsgrundlage an.

Die vieldiskutierte tätige Teilnahme der Gläubigen am Gottesdienst wird von Benedikt, wie schon in früheren Texten aus seiner Feder deutlich wurde, als „tiefere Bewusstheit“, nicht bloß als äußerliche Aktivität verstanden. Um jene Tiefe zu erreichen, gelte es, „jede mögliche Trennung zwischen der 'Ars celebrandi', das heißt der Kunst des rechten Zelebrierens, und der vollen, aktiven und fruchtbaren Teilnahme aller Gläubigen zu überwinden“.

Das ist wieder ein Satz, der schillert: Man kann ihn als Stellungnahme gegen ein l'art pour l'art liturgischer Ästhetizisten verstehen, aber auch als Kritik an jener „Häresie der Formlosigkeit“ (Martin Mosebach), die vielerorten Platz gegriffen hat. Benedikt erinnert in seinem Apostolischen Schreiben an die Grundsätze der Liturgiekonstitution des Zweiten Vaticanums, um auch der erneuerten Liturgie einen Platz in der Tradition zu sichern. Man muss diese Liturgie bewusst und sorgfältig gestalten, um sie als eine gewordene erkennen zu können.

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