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Deutung eines Rätselbildes : Nie wieder Hütchenspiel!

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Der Maler greift in die platonische Trickkiste: Wie Hieronymus Bosch dem Publikum etwas vorgaukelt, um die Arbeitsweise des Künstlers zu enthüllen.

          Platon hat im Dialog „Der Staat“ die Malerei als bloße Scheinproduzentin denunziert. Diese Kritik findet sogar noch eine Steigerung, wenn die Künstler als „Gaukler“ verunglimpft werden, denen es gelinge, „Kinder und Toren“ zu täuschen. Schließlich wird die Malerei vollends vernichtet, wenn es heißt, sie selbst sei unedel, verkehre mit Unedlem und erzeuge bloß Unedles. Welcher Maler von Rang würde das auf sich sitzenlassen?

          Schaut man auf Hieronymus Boschs Tafel „Der Gaukler“ aus dem Museé Municipal zu Saint Germain-en-Laye, so kann dieses Werk vor dem Hintergrund platonischer Skepsis als eine ironische Allegorie der Malerei betrachtet werden. Der Inhalt der Bilderzählung ist schnell wiedergegeben. Ein Gaukler fasziniert sein Publikum durch ein Hütchenspiel. Es ist der Moment unmittelbar vor dessen Beginn dargestellt. Der Betrüger hebt die Kugel empor, deren Ort im nächsten Moment durch seine schnellen Bewegungen nicht mehr sicher zu bestimmen ist.

          Herr und Hund

          Im Zentrum der Tafel befindet sich der Tisch, auf dem Becher und Utensilien stehen, die als Instrumente der Täuschung dienen. So erkennt man einen Zauberstab und zwei Kugeln. In Bezug auf das Publikum ist der Künstler offensichtlich darum bemüht, einen repräsentativen Querschnitt zu erstellen. Laien sind hier ebenso dargestellt wie Kleriker, Frauen finden sich neben Männern, und sogar ein Kind erkennt man auf der Tafel, dessen Windrädchen auf Fortuna verweist. Auf den ersten Blick ist dem Gaukler lediglich das kleine, vor ihm sitzende Hündchen zugeordnet. Mit seiner Verkleidung ist es lustig anzusehen, und seine Aufgabe besteht vermutlich darin, die Aufführung durch Kunststücke aufzulockern, wobei Kappe und Schellen an die Ikonographie des Narren erinnern.

          Dem Hütchenspieler gegenüber steht ein vornübergebeugter Mann, dessen Augen sich auf Höhe der Kugel befinden, während aus seinem Mund der Kopf einer Kröte hervorlugt und eine zweite auf dem Tisch sitzt. Der hinter ihm stehende Dominikanermönch ist im Begriff, dem Mann dessen Geldbeutel zu stehlen. Scheinheilig blickt der Kleriker nach oben. Nahezu alle Personen wenden sich dem Hütchenspieler zu. Es ist der Augenblick allergrößter Spannung.

          Die Kunst siegt über die Liebe

          Unter den Schaulustigen befindet sich ein Liebespaar. Dabei ist die junge Frau von dem Geschehen so gebannt, dass sie die zärtliche Geste ihres Partners gar nicht zu bemerken scheint. In Bezug auf Boschs Vorbilder wurde auf die Tradition der Planetenkinder verwiesen und eine Zeichnung des Hausbuchmeisters als mögliches Vorbild benannt. Schon hier ist ein Hütchenspieler dargestellt, der im Begriff ist, sein Publikum zu verblüffen. Er repräsentiert das Wechselhafte und Unvorhersehbare der sublunaren Welt.

          Die Tafel hat zahlreiche Deutungen erfahren. Sie wurde als Warnung an das einfache Volk erachtet, sich nicht von Trickbetrügern ausnehmen zu lassen. Auch wollte man das Bild als ein Frühwerk des Meisters identifizieren. Naturwissenschaftliche Untersuchungen hingegen sprechen für eine Entstehungszeit nach 1496. Heute wird es in der Regel in die Zeit um 1510 datiert und als eine frühe Kopie nach einem verlorengegangenen Original erachtet. Schon im sechzehnten Jahrhundert war die Eichentafel so berühmt, dass sie druckgraphische Reproduktionen und zahlreiche Kopien hervorgebracht hat. In der aktuellsten Deutung wird das Bild als Parodie einer Dämonenheilung verstanden.

          Der Bettelmönch greift zu

          Im Unterschied zu den bisherigen Deutungen sei im Folgenden stärker der kunsttheoretische Sachverhalt betont. Im selben Moment, in dem der Gaukler sein Publikum um Ruhe und Aufmerksamkeit bittet, hat der Dominikanermönch die Börse des vor ihm stehenden Mannes ergriffen. Deshalb wird man sich fragen müssen, ob nicht der Dominikanermönch mit seiner merkwürdigen Kopfbedeckung Teil eines abgekarteten Spiels ist, was übrigens auch für die in der Gruppe sichtbare Nonne zutrifft. Beide Personen beanspruchen durch ihre Kleidung eine geistliche Autorität, die durch die Handlung des Mönchs konterkariert wird. Sie stehen vermutlich im Bunde mit dem Hütchenspieler, der durch seine Tricks die Leute ablenkt, damit sie bestohlen werden können.

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