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Britische Universitäten : Es sollte auch dem Tourismus nützen

  • -Aktualisiert am

Blick auf Oxfords universitäre Architektur Bild: ASSOCIATED PRESS

Was sich nicht auszahlt, hat kein Existenzrecht: Die englische Wissenschaftspolitik bringt die Universitäten auf Rentabilitätskurs und treibt die Geisteswissenschaften an die Kioske.

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          Ekelhaft und schmachvoll sei das Vorgehen der englischen Koalitionsregierung, so zürnt die Royal Historical Society (RHS) ob der politisch herbeigeführten Schwindsucht der akademischen Autonomie. Die britischen Geisteswissenschaftler werden gerade Zeugen davon, wie die Parolen der Konservativen und Liberaldemokraten ihrer Forschungsagenda oktroyiert werden: So soll der Arts and Humanities Research Council (AHRC) - die Regierungsbehörde, die geisteswissenschaftliche Forschung unterstützt - fortan einen Großteil der von ihr jährlich verteilten rund 100 Millionen Pfund jenen Institutionen zukommen lassen, die an Regierungsslogans wie der „Big Society“ oder einem anderen der insgesamt sechs Schwerpunkte forschen.

          Auch die British Academy muss die Statute ihrer Stipendienvergabe den politischen Präferenzen unterordnen. Ferner darf sie keine Finanzspritzen mehr für die Beendigung individueller Projekte verteilen, obgleich sich diese Art der finanziellen Unterstützung als eine der preiswertesten und erfolgreichsten Mittel etabliert hat, um geisteswissenschaftliche Forschung voranzutreiben.

          Und doch stellen die unverhohlenen Eingriffe der Koalitionsregierung weder eine Überraschung noch eine Novität dar: Seit nunmehr dreißig Jahren rücken britische Regierungen zunehmend von dem Leitbild ab, Universitäten seien autonome Forschungs- und Lehrstätten. Den Anfang machte die finanzstrenge Margaret Thatcher zu Beginn der achtziger Jahre. Sie verlangte von den Universitäten, quid pro quo, Effizienz und Rechenschaft für staatliche Gelder. Zu diesem Zweck rief sie die regelmäßige Begutachtung des akademischen Betriebs ins Leben, die bis heute die Grundlage der pekuniären Verteilung bildet. Die eiserne Lady setzte damit einen Prozess in Gang, der unter der gegenwärtigen Koalitionsregierung die britischen Geisteswissenschaften erodieren lässt.

          Seichtere Gewässer

          Die Auswertung der akademischen „Outputs“ sowie die Verteilung der staatlichen Mittel für alle Disziplinen obliegt heute dem Higher Education Funding Council for England, kurz HEFCE. Für ihre Evaluationen bedient sich diese Behörde mehrerer Managementkonzepte wie der „balanced scorecard“ (BSC), die in den neunziger Jahren als brandneues Geisteskind der Harvard Business School dank Consulting-Firmen in England Einzug hielt. So begegnet HEFCE gegenwärtig der Mediävistik mit denselben Leistungskennzahlen-Metriken wie dem Maschinenbau und prägt die Strukturen der geisteswissenschaftlichen Forschung: Der anhaltende Druck, infolge eines missratenen Gutachtens finanzielle Mittel einbüßen zu können, begünstigt eine risikoaverse, innovationsarme Auseinandersetzung mit geisteswissenschaftlichen Fragestellungen. Zum Beispiel entscheiden sich die Akademiker verstärkt für das Format der Journalbeiträge anstatt der Monographien, wohl wissend, dass die Gutachter generell einer hohen Anzahl von Veröffentlichungen einen positiven Stellenwert einräumen.

          Um publiziert zu werden, fühlen sich britische Geisteswissenschaftler dabei nicht selten gezwungen, den Ansichten und Forschungsschwerpunkten jener angesehenen Publikationen zuzuarbeiten, die Pluspunkte des HEFCE garantieren. „Der exzessive Fokus auf Journalbeiträge bedeutet, dass wir es anderen überlassen, herausragende Monographien zu schreiben, die das Forschungsfeld vorantreiben“, sagt Richard Baggaley, Direktor der Abteilung für Europäische Bücher der Princeton University Press. So fördern die Gutachterkriterien der staatlichen Behörde kurzatmige, durchaus seichtere Geisteswissenschaften.

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