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: Brand im Sowjetparadies

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Am 18. Mai 1942 wurde in Berlin ein Brandanschlag auf die Propagandaausstellung "Das Sowjetparadies" im Berliner Lustgarten verübt. Eine jüdisch-kommunistische Widerstandsgruppe um Herbert Baum war für ...

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          Am 18. Mai 1942 wurde in Berlin ein Brandanschlag auf die Propagandaausstellung "Das Sowjetparadies" im Berliner Lustgarten verübt. Eine jüdisch-kommunistische Widerstandsgruppe um Herbert Baum war für die Tat verantwortlich, die indes nur geringen Sachschaden verursachte (Herbert Lindenberger, "Heroic or foolish? The 1942 bombing of a Nazi Anti-Soviet Exhibit", in: Telos, Heft 1935, 2006). Die Ausstellung, die auf großes Interesse der Berliner Bevölkerung gestoßen war, motivierte auch die Widerstands- und Spionagegruppe um Harro Schulze-Boysen, die "Rote Kapelle", zu einer Plakatklebeaktion. Wenige Tage nach dem Brandanschlag verhaftete die Gestapo Baum und seine Freunde. Baum wurde gefoltert und starb in der Haft womöglich durch Selbstmord.

          Lindenberger, Emeritus für Vergleichende Literaturwissenschaft der Stanford-University, bearbeitet mit seiner Recherche zur Baum-Gruppe ein Stück seiner eigenen Familiengeschichte: Seine Cousine Hanni Lindenberger Meyer gehörte der Gruppe an und wurde zum Tode verurteilt. Aber vor allem gilt Lindenbergers Interesse - es ist das eines Kenners der europäischen Dramentradition - den moralischen Implikationen des Brandanschlags: Handelte es sich um eine Aktion heldenhafter Kühnheit oder um ein undurchdachtes Abenteuer? Offenbar waren selbst unter den überlebenden Angehörigen der Hingerichteten die Meinungen geteilt. Mancher sprach vom Missverhältnis zwischen dem geringen Effekt des Anschlags, der vom Regime verschwiegen wurde und nur als Gerücht, etwa in die Tagebücher Victor Klemperers, Eingang fand, und der hohen Zahl von Opfern der Gestapo in seiner Folge. Die propagandistische Wirkung in der deutschen Bevölkerung blieb denkbar gering. Baum hatte dagegen geglaubt, es bedürfe angesichts des stockenden Russlandfeldzuges nur eines Fanals, um größere Teile der Bevölkerung endgültig vom Einfluss der Nationalsozialisten zu befreien. Auch in anderen kommunistischen Widerstandsgruppen hielt man die Aktion zum Teil für ein Abenteuer, Baum habe das Verständnis für die Erfordernisse der illegalen Arbeit gefehlt.

          Interessant ist die Nachgeschichte der Gruppe. In der DDR wurde ihr Andenken in der vielfältigsten Form gefeiert, etwa durch die Benennung einer Straße und in der Literatur, auch in Schulfeiern zum fünfundzwanzigsten Jahrestag des Anschlags 1967 - allerdings wurde die jüdische Identität Baums und seiner Mitstreiter und die Berührung der Gruppe mit zionistischen Kreisen heruntergespielt oder blieb unerwähnt.

          Lindenbergers Recherche beruht in einem Punkt auf fehlerhaften Voraussetzungen. Aus den Tagebüchern von Victor Klemperer übernimmt er die Vermutung, die Festnahme von fünfhundert Juden, von denen die Hälfte sofort erschossen wurde, sei ein Racheakt des Systems wegen des Brandanschlages gewesen. Wolfgang Benz, der Leiter des Berliner Zentrums für Antisemitismusforschung, hat von einem Gerücht gesprochen, das sich auch im Ausland verbreitet habe. Tatsache sei indes, dass die Ermordung der 250 Juden "eine Repressalie auf das etwa zeitgleiche Attentat gegen Reinhard Heydrich, den Stellvertreter des ,Reichsprotektors' in Prag" gewesen war. L.J.

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