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: Aktion Philosophenschiff

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Zum "Tag der Petersburger Philosophie" wurde unlängst in einer feierlichen Zeremonie der Grundstein zu einem Mahnmal gelegt, das an die Operation "Philosophenschiff" vom Sommer und Herbst 1922 erinnert.

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          Zum "Tag der Petersburger Philosophie" wurde unlängst in einer feierlichen Zeremonie der Grundstein zu einem Mahnmal gelegt, das an die Operation "Philosophenschiff" vom Sommer und Herbst 1922 erinnert. Damals wurden auf Betreiben Lenins rund zweihundert Vertreter der "bourgeoisen" russischen Intelligenz zusammen mit ihren Familien verhaftet und auf dem Seeweg - meist in Richtung Deutschland - aus dem Sowjetstaat herausgeschafft. Durch die landesweite geheimdienstliche Operation sollte Rußland, wie Lenin festhielt, "für lange Zeit gesäubert" und von "antisowjetischem" Geist "erbarmungslos" befreit werden. Daß für die Organisation, die Durchführung und die propagandistische Auswertung der kulturhistorisch beispiellosen Säuberung mehrere bolschewistische Spitzenfunktionäre, darunter Dserschinski, Stalin, Trotzki, in die Pflicht genommen wurden, macht deutlich, wie ernst es der damaligen Partei- und Staatsführung mit der Austreibung des Geistes aus dem jungen Sowjetstaat war, der einen langen, blutigen Bürgerkrieg hinter sich hatte.

          Offenbar war Lenin, der die Ausschiffung veranlaßte und persönlich überwachte, beunruhigt über die allzu liberalen Weiterungen der Neuen Ökonomischen Politik, die die Macht und ideologische Vorherrschaft der Bolschewiki hätten gefährden können. Nachdem er bereits 1921 eine größere Gruppe politischer Gegner (Anarchisten, Menschewiki) hatte ausbürgern und exilieren lassen, gab er Anfang 1922 in einem Schreiben an Kamenew und Stalin zu verstehen, es seien "zwanzig bis vierzig Professoren unbedingt zu entlassen", da sie dem neuen Regime der Volkskommissare bald lästig, wenn nicht gefährlich werden könnten: "Denken Sie darüber nach. Bereiten Sie es vor und schlagen Sie kräftig zu!"

          In Lenins amtlichen, publizistischen und privaten Verlautbarungen zu der geplanten "Repression" - die Liste der Betroffenen nahm an Umfang rasch zu - kehren die immer gleichen Invektiven wieder: die "hochgelehrten Sklavenhalter" und ihr "reaktionärer Unsinn" müßten definitiv "zerschmettert", "vertrieben", "ausgemerzt" werden. Wörtlich notierte der Revolutionsführer in einem erst vor kurzem wiederentdeckten Schreiben vom 17. Juli 1922: "Fort aus Rußland mit ihnen allen ... Einige hundert sind ohne Angabe von Gründen zu verhaften - und ab die Post, meine Herren!" Wer aus dem erzwungenen Exil zurückkehren würde, sollte gemäß einem neu eingeführten Zusatzparagraphen zum Strafgesetzbuch mit dem Tod durch Erschießen bestraft werden.

          Seitdem die ehemaligen sowjetischen Staats- und Parteiarchive sowie das Zentralarchiv des russischen Geheimdienstes (FSB) für die Forschung zugänglich geworden sind, kann die weltweit einzigartige Aktion genau rekonstruiert und dokumentiert werden. Hinweise gab es zwar schon früh in der exilrussischen Presse, und später kamen - in autobiographischen Schriften betroffener Autoren - persönliche Erinnerungen hinzu, gleichwohl aber schwanden die Ereignisse von 1922 aus dem öffentlichen Bewußtsein: Im Westen wurden sie, wie die sowjetische Kulturvernichtung überhaupt, durch den aufkommenden Nationalsozialismus allmählich überdeckt und von der wortführenden linken Intelligenz verdrängt, in der Sowjetunion wiederum bildete die Aktion ohnehin nur den vergleichsweise harmlosen Auftakt zur nachfolgenden Gleichschaltung des Kunst- und Wissenschaftsbetriebs und zu den großen Säuberungen der dreißiger Jahre. Wenn es heute in Rußland "noch immer keine originären Philosophen" gibt, so ist dies, wie unlängst im Moskauer Magazin "Ex Libris" zu lesen war, "auch darauf zurückzuführen, daß die russische Philosophie auf einem großen bolschewistischen Dampfer davonschwamm".

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