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Gehirnforschung : Das Gehirn bricht sich unaufhaltsam Bahn

  • -Aktualisiert am

Mensch und Maschine: Zusammenarbeit, um das Gehirn zu erforschen Bild:

Es ist schon so, wie der Professor sagt: Im Londoner Ideeninstitut erklären die Neurologen den Künstlern die Kreativität.

          4 Min.

          Neurowissenschaftler erforschen das Nervensystem, Künstler schaffen Kunstwerke. Doch Neurowissenschaftler versuchen auch zu enträtseln, welche Rolle dem Gehirn bei der Entstehung von Kunst zukommt. Im künstlerischen Schaffensprozeß liegt also die Schnittstelle der verschiedenen Disziplinen.

          Daß manche Künstler dieser Idee nicht unbedingt positiv gegenüberstehen, ist kaum verwunderlich, versuchen doch die Wissenschaftler ein Phänomen wie Kreativität zu sezieren, es mit elektrischen Signalen und der Aktivierung bestimmter Bereiche im Gehirn zu erklären.

          Kreativität bei Mensch und Maschine

          Um beide Seiten zu einem Gespräch zusammenzubringen, hat das Londoner "Institute of Ideas" nun Künstler und Wissenschaftler zu einer Abendveranstaltung über "Kunst und Bewußtsein" zusammengebracht. Veranstaltungsort war das "Dana Centre", ein von mehreren Stiftungen und dem Science Museum geschaffenes Veranstaltungszentrum für eine eher lockere Begegnung von Öffentlichkeit und Wissenschaft. Ein von der "Laban Dance Company" und der Neurowissenschaftlerin Sarah-Jayne Blakemore gestalteter Workshop befaßte sich mit der Frage, auf welche Weise Tanz Emotionen beeinflußt und wie Bewegungen die Gehirnaktivität stimulieren.

          Musiker des New London Orchestra erklärten und demonstrierten ihre kollektiven Lernprozesse - wie sie ein Musikstück einstudieren und es interpretieren. Margaret Boden von der Universität Sussex leitete eine Diskussion über Kreativität bei Mensch und Maschine. Bei einer Podiumsdiskussion nahmen Künstler und Wissenschaftler zu den zentralen Fragen Stellung: "Was ist eigentlich Kreativität, und woher kommt sie?" "Welchen Einfluß haben historische Ereignisse, die Gesellschaft und soziale Faktoren auf Kreativität?"

          Evolutionäre Mechanismen

          In einigen Punkten waren sich beide Seiten überraschend einig. Kreativität ist demnach das Produkt eines langen evolutionären Prozesses. In ihrer primitivsten Form ist sie die Fähigkeit, aus Chaos Ordnung zu schaffen, vorhandene Informationen zu verarbeiten, einzuschätzen und daraus ein Verhaltensmuster zu entwickeln, um eine noch nie erfahrene Situation zu meistern. Hängt das Überleben des Individuums von der Beherrschung der unbekannten Situation ab, so ist diese ursprüngliche Kreativität ein erheblicher Selektionsvorteil. Die sich auf den Erfolg einstellende Befriedigung führt dann dazu, daß man immer öfter Situationen sucht, in denen sich Kreativität entfalten kann.

          Auch wie Zuschauer Kunst erleben, ist teilweise auf evolutionär adaptierte Mechanismen zurückzuführen. So sind beispielsweise beim Tanz im Gehirn des Zuschauers genau die gleichen Areale aktiviert wie im Gehirn des Tänzers. Der Zuschauer lebt den Tanz mit, sein Gehirn spiegelt die Emotionen wider, die auf der Bühne dargestellt werden. Auf diese Weise versucht das Gehirn Bewegungen vorherzusehen, um Gefahren frühzeitig zu erkennen und im Notfall schnell reagieren zu können.

          Unterschiedliche Meinungen

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