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Gegenstimme : György Konrád: Warum ich für den Irak-Krieg bin

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Gegner Saddams: György Konrád Bild: dpa

Der ungarische Schriftsteller György Konrád spricht sich für einen Militärschlag gegen Saddam Hussein aus. Seine Haltung begründet er mit seinen Erfahrungen als Dissident in der kommunistischen Diktatur.

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          An diesem Mittwoch haben 19 Künstler und Intellektuelle in einer Erklärung Bundeskanzler Schröder ihre Unterstützung für seine Irak-Politik ausgedrückt. Unterzeichnet haben unter anderem Günter Grass, Martin Walser, Volker Braun, Peter Härtling, Peter Sloterdijk, Ingo Schulze, Friedrich Schorlemmer und Marius Müller-Westernhagen. „Die Gründe, aus denen dieser Krieg geführt werden soll, sind uns nicht einsichtig“, heißt es in dem Schreiben.

          Jemand, dem die Gründe sehr wohl einsichtig sind, ist György Konrád. In einem Beitrag für die Frankfurter Allgemeine Zeitung (Donnerstagsausgabe) erinnert der 1933 in Ungarn geborene Konrád, der demnächst aus dem Amt scheidende Präsident der Akademie der Künste Berlin-Brandenburg, die Kriegsgegner daran, „daß Diktaturen brüchig sind, daß es manchmal nicht schaden kann, ihnen einen Stoß zu versetzen“.

          Demonstrativ stellt sich Konrád an die Seite Amerikas. Als „einer von jenen vielen Millionen Europäern, die an der Schwelle zur Union stehen“ und ihre Erfahrung mit der Unfreiheit gemacht haben, zeigt er sich „daran interessiert, daß es weniger Diktaturen auf der Erde gibt. Deshalb ist uns die aufgefrischte antiimperialistische Propaganda, deren Wortführer wie in den Zeiten des Kalten Krieges groteskes Verständnis für todbringende Diktaturen bezeigen, nicht sympathisch.“

          Keine Ruhe im Haus

          Verdrießlich stimmen Konrád die Mißtöne zwischen Europa und Amerika. „Wir wollen keine Antiamerikaner sein, und antieuropäische Phrasen lehnen wir ab.“ Die osteuropäischen Länder hätten ein „echtes Interesse“ daran, daß der Westen nicht in zwei Teile zerfalle, so Konrád. „Ich kann meine Enttäuschung nicht verhehlen. Man hat uns in ein Haus eingeladen, von dem wir uns endlich Ruhe erhofften, und siehe da: Es tobt das Gezeter zwischen den Eheleuten.“

          Das Regime in Bagdad habe Waffen gegen die eigene kurdische und schiitische Bevölkerung in einer Weise eingesetzt, „die nur als Genozid bezeichnet werden kann“, kritisiert Konrád und fragt: „Wäre es nicht doch angebracht, die Souveränität von Staaten, von Regierungen, die für ihre eigene Bevölkerung gefährlich sind, vorübergehend zu suspendieren? Gegebenenfalls sogar mit militärischem Druck?“

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