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Gegen Google & Co. : Aufstand im Silicon Valley

Am 20. Dezember haben Demonstranten einen Bus blockiert, der Apple-Angestellte an ihren Arbeitsplatz bringen sollte. Bild: REUTERS

In San Francisco werden Busse attackiert, die Angestellte der Google-Welt zur Arbeit bringen. Zugleich strebt der Risikokapitalist Tim Draper einen Volksentscheid an: Er will den Staat Kalifornien auflösen und das Silicon Valley zur freien Republik Technikland machen.

          Als ein Blog der Wirtschaftszeitschrift „Fortune“ im November bekanntmachte, dass Tim Draper sich aus der von ihm gegründeten Risikokapitalgeberfirma Draper Fisher Jurvetson zurückzieht, war die Nachricht mit einem alten Titelbild der Zeitschrift „Venture Capital Journal“ illustriert. Darunter stand: „Etwas, das Tim Draper wahrscheinlich bedauert.“ Die Schlagzeile der Titelgeschichte aus dem Februar 2006 lautet: „Warum Tim Draper sich wie Captain America fühlt.“ Draper, dessen buschige Augenbrauen das Emblem einer urwüchsigen Vitalität sind, die sich gegen jede Regulierung sträubt, präsentiert sich den Branchenkollegen mit breiter Brust und breitem Lächeln. Seine blitzweißen Zähne strahlen um die Wette mit dem Stern auf der Uniform des von Jack Kirby und Joe Simon erfundenen Superhelden, in die Draper auf Bitten der Redaktion geschlüpft ist. Beide Hände hat er in die Hüften gestemmt. Warum sollte, wie „Fortune“ annimmt, das blau-weiß-rote Kostüm mit Schaumstoffmuskelpolstern Draper sieben Jahre später peinlich geworden sein?

          Patrick Bahners

          Feuilletonkorrespondent in Köln und zuständig für „Geisteswissenschaften“.

          Er ist nicht etwa zu der Einsicht gekommen, dass die hautenge Berufskleidung eines Alleszertrümmerers aus den Comicheften kein standesgemäßer Geschäftsanzug für den wählerischen Anbieter von Finanzspritzen sein kann. Im Gegenteil hat Draper die klassische Kluft der Superhelden zum Markenzeichen seines neuesten Unternehmens gemacht, einer Firma des boomenden Weiterbildungssektors. Der Starthelfer von Projekten wie Hotmail, dem kostenlosen E-Mail-Dienst, und Skype, dem kostenlosen Telefonnetz, ist unter die Universitätsgründer gegangen. Draper hat seine eigenen Abschlüsse als Elektroingenieur und Master of Business Administration in Stanford und in Harvard erworben; seine postdisziplinäre Universität braucht keinen Lehrkörper von Festangestellten, sondern setzt auf inspirierende Gastvorträge, die Lerneffekte der Gruppendynamik und das Beispiel des allgegenwärtigen Gründers.

          Semester sind viel zu lang. Viermal jährlich findet ein Intensivkurs für Jungunternehmerpersönlichkeiten statt; die Kursgebühr liegt bei günstigen 9500 Dollar. (Zum Vergleich: Für ein Studienjahr in Stanford sind 60.749 Dollar aufzuwenden.) Angesiedelt ist die Universität in der Stadt San Mateo im Silicon Valley, dem Heimatort von Unternehmen wie Bills.com, DemandTec und Vendio. Hörsäle gibt es auf dem Campus nicht, knallbunte knautschige Sitzsäcke ersetzen die harte Schulbank. Die hohe Schule der Selbstvermarktung durch Selbstvertrauen bürgt schon mit dem Hochschulnamen für fassliche Lektionen: Draper University of Heroes.

          Vom Staatsbürger zum Superhelden

          Wo in allegorischen Selbstdarstellungen humanistischer Lehranstalten die Musen den Kultdienst im Tempel der Wahrheit verrichten, da springt den Besucher der Internetseite der Draper-Universität ein Superheld mit einem großen D auf der Brust an. Auf der Abschlussfeier tragen die Absolventen nicht Talar und Barett, sondern Umhang und Maske. Die diplomierten Helden hüpfen über drei Trampoline zurück ins wirkliche Leben und rufen dabei: „Up, up, and away!“ Nicht Captain America, sondern Batman scheint die Schnittmuster für die akademische Tracht geliefert zu haben – deshalb kam es nicht in Betracht, in der Ehrenhalle der Helden-Universität zwischen den Porträts von Thomas Alva Edison und Bill Gates das berühmte Titelbild des „Venture Capital Journal“ aufzuhängen.

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