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Gegen das Griechenland-Bashing : Die griechische Utopie

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Es wird viel Geld bewegt, und der teure Privatisierungsplan Griechenlands hat das Land ins Schaufenster des globalen Investmentshops gestellt. Vor zwei Jahren haftete den Interessen der Investoren etwas leicht Raubtierhaftes an. Anonymes, ungeduldiges, von der Aussicht auf schelle Gewinne angezogenes Geld kreiste über Griechenland. Diese Regierung hat viel Zeit und Energie darauf verwendet, ernsthafte, langfristig orientierte Investoren mit geduldigem Kapital zu Investitionen zu bewegen. Erste Anzeichen sind zu erkennen, und ich bin sicher, es wird weitergehen.

Aber wie nehmen Sie das wahr? Die übliche Sicht entspricht zum Beispiel einer Schlagzeile, die vor zwei Wochen zu lesen war: Die Menschen können nicht einmal mehr ihre Medikamente bezahlen. Wie sehen Sie das. Ist das die Regel? Oder übertreiben wir?

Olympios: Sie sprechen da zwei Fragen an. Die erste betrifft die Tatsache, dass Griechenland sich am Rande einer, nach europäischen Vorstellungen, humanitären Krise befindet. Das gefühllose und ganz aufs Fiskalische fokussierte Troika-Programm hat das soziale Netz zerrissen und Zehntausende von Griechen in eine Abwärtsspirale ohne Boden gezwungen. Wir reden hier von ganz normalen Menschen, die nichts mit dem Griechenland von gestern zu tun hatten, die nicht von der kapitalistischen Vetternwirtschaft profitiert und nicht im öffentlichen Dienst gearbeitet haben. Das ist uneuropäisch und nicht zu rechtfertigen. Es ist einfach falsch.

Der zweite Punkt betrifft die Tatsache, dass die soziale oder humanitäre Frage eine Seite der Krise darstellt. Sie wird von einer blutdürstigen internationalen Presse überzeichnet, die nur nach stereotypen Bildern sucht. Ich war noch nie so stolz, ein Grieche zu sein. Es gibt eine neue, lebendige Kultur des Gebens, ehrenamtliche Betätigung, Graswurzelbündnisse und patriotische Empfindungen. Der innovative Charakter und die Qualität griechischer Lebensmittel mit neuen Produzenten in ländlichen Teilen Griechenlands treten immer deutlicher zutage; Griechenland 2.0 wird langsam sichtbar. Wenn man den guten Willen und das Interesse hat, die Medienblase zu durchstoßen, sind die frischen Triebe gut zu erkennen.

Hat sich die Transparenz verbessert?

Olympios: Auf jeden Fall. Die Party ist vorüber, jemand hat das Licht angemacht, und nun sehen wir, dass die Person, das Unternehmen, der Politiker oder das Produkt vor uns nicht so „hübsch“ oder „attraktiv“ ist, wie wir geglaubt hatten. Die Kluft zwischen ihnen und uns hat sich geschlossen.

Was ist mit der strategischen Lage Griechenlands? Wenn Sie sich die Europakarte anschauen, all diese Balkanländer, die erst kürzlich nach Europa gekommen sind, wie Bulgarien, oder noch nicht dazugehören, wie Albanien und der Kosovo – alle liegen in unmittelbarer Nachbarschaft zu Griechenland, das seit langem schon Mitglied der EU ist. Könnte es nicht ein großer Vorteil für die griechische Wirtschaft sein, hier zu sein, gewissermaßen wie ein Schiff auf einem Ozean?

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