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Gegen das Griechenland-Bashing : Die griechische Utopie

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Kefalogiannis: Der letzte, aber ebenfalls äußerst wichtige Punkt betrifft die Innovation. Eigentlich dürfte kaum jemand denken, dass Innovation in unserer Branche Bedeutung besitzt. Aber wir haben in Zusammenarbeit mit der Technischen Universität in Athen ein großes Forschungsprojekt begonnen. Und wir bringen ein neues Produkt auf den Markt, das eine weltweite Innovation darstellt – dank der starken Forschungsabteilung und der Professoren dort. Es gibt also ein paar gute Köpfe, die Griechenland helfen können. Wir haben gerade einen Nuss- und Fruchtriegel auf den Markt gebracht, der auf die alten Griechen zurückgeht, eine Kombination aus Feigen, Walnüssen und Sesam. Das ist ein modernes Produkt.

Ein antiker griechischer Energieriegel, legales olympisches Doping gewissermaßen.

Yiannis Olympios: Ich bin CEO und Mitbesitzer von V+O Communications. Wir sind eine Firmengruppe, die im Bereich Marketingkommunikation arbeitet. In unserer Firmenzentrale in Athen sind wir 140 Leute aus acht Nationen, und wir arbeiten für etwa 150 Kunden in sechs Ländern. Vor drei Jahren haben wir in Athen begonnen, und jetzt besitzen wir Niederlassungen in Tirana, Sofia, Belgrad, Bukarest und Nikosia. Ich habe noch nie eine Zeit derart beschleunigten Wandels erlebt wie jetzt. Während der Staat sich zurückzieht, verlangt ein aktiverer und selbstbewussterer Verbraucher mehr von der Privatwirtschaft und der Zivilgesellschaft und dafür weniger vom Staat. Politiker und Regulierer werden nun von außen kontrolliert und gedrängt, die letzten Zugangsbarrieren zu beseitigen, die den Oligopolen die Macht erhalten und den Konsumenten Wahlmöglichkeiten und Wettbewerb vorenthalten haben.

Die Unternehmen müssen sich nun selbst regulieren und reif werden für einen positiven Kreislauf aus kleineren Margen, transparenteren Produktionsprozessen und ehrlicheren Angeboten. Die Medien entwickeln sich von Agenten des Stillstands zu Katalysatoren des Wandels. Während die überkommenen und oft korrupten Filter der Medien und des Staates an Größe und Einfluss verlieren, beginnt der griechische Bürger auf andere Geschichten zu hoffen.

In der griechischen und weltweiten Presse wird viel geschrieben über den „riesigen korrupten und teuren öffentlichen Sektor“, aber wenig über die Korruption im privaten Sektor, die dafür die Anreize schuf oder die staatliche Korruption erst hervorgebracht hat. In vielen Branchen erzielte man jahrzehntelang Gewinnmargen, wie man sie in keiner anderen europäischen Volkswirtschaft erzielte. Die Wirtschaft besaß kartellartige Strukturen, in denen viele internationale und griechische Unternehmen frei von jeder Regulierung waren. Es ist schon aufregend, dass mit dem Schrumpfen des Zentralstaats Griechenland kreativer wird; und das Kapital folgt der Kreativität, das tut es immer. So wird ein neues, mutigeres Land entstehen.

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