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Gegen das Griechenland-Bashing : Die griechische Utopie

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Kefalogiannis: Im Augenblick sind es 54. Wir sind ein kleines oder mittleres Unternehmen. Aber wir haben Hunderte von Partnern für unsere Produkte in der Landwirtschaft. Wir sehen uns in der ganzen Welt um, wo griechische Qualitätserzeugnisse in den Supermärkten nicht präsent sind. So gehen wir vor.

Ich sehe Ihre Produkte in Deutschland jetzt überall.

Kefalogiannis: Auf Deutschland entfallen 22 Prozent unseres Absatzes. Es ist unser wichtigster Markt. Und das kam so. Die Stiftung Warentest hat zweimal innerhalb von fünf Jahren in deutschen Supermärkten angebotenes Olivenöl getestet, und beide Male waren wir das beste abgefüllte Olivenöl auf dem deutschen Markt.

Es war derselbe Test, in dem auch herauskam, dass uns ein anderes Land mit seinem Olivenöl betrügt.

Kefalogiannis: Der erste Test war tatsächlich entscheidend für uns. Das veränderte unser Schicksal in Deutschland, obwohl wir auch vorher schon recht erfolgreich waren. Deutschland ist ein Markt, auf dem man langfristig Erfolg haben kann, wenn man den Verbrauchern etwas wirklich Wertvolles für ihr Geld bietet. Aber ganz allgemein beruht unser Erfolg auf dem Export. Unsere Erzeugnisse gehen zu 82 Prozent in den Export und zu 18 Prozent auf den griechischen Markt. Als Unternehmen waren wir deshalb nicht direkt von der Krise betroffen.

Sie haben gesagt, dass es Ihnen gutgeht. Aber als Bürger dieses Landes – geschah oder geschieht es Ihnen da, dass Sie morgens aufwachen und Sie haben das Gefühl, die ganze Gesellschaft könnte zusammenbrechen?

Kefalogiannis: Auf jeden Fall. Wir haben dieses Gefühl. Zumindest habe ich persönlich dieses Gefühl. Ich mache mir große Sorgen. Wie gut es einem Unternehmen auch gehen mag, es kann nicht in einer Gesellschaft überleben, die zugrunde geht. Trotzdem bin ich optimistisch, weil ich diesen Mentalitätswandel sehe, der das Wichtigste von allem ist, was im Augenblick geschieht; er kommt zwar nur langsam voran, aber er kommt voran. Neulich habe ich die Ergebnisse einer großen Studie über das Vertrauen der Griechen in Institutionen gelesen. Vor ein paar Jahren, vor der Krise, standen an letzter Stelle auf dieser Liste die Unternehmen. Jetzt stehen sie an zweiter Stelle. Das ist ein erstaunlicher Wandel.

Pragmatismus statt Resignation: die Unternehmer beim Gespräch in Athen.

Ich glaube, auch die Wahrnehmung der Werte ist in einem Wandel begriffen. Die griechische Wirtschaftskrise ist das Ergebnis einer Gesellschaft, die den Sinn für Werte verloren hat, eine Vision, die sich an Werten orientiert. Wir brauchen eine neue Vision, und wir müssen den Werten in unserer Gesellschaft wieder einen Platz geben, damit eine wirkliche Erholung beginnen kann. Aber ich glaube, das geschieht gerade, und wenn dieser Prozess beginnt, wird er sich beschleunigen. Weil ich Marketing mag, glaube ich, dass diese ganze schlechte Reklame für unser Land in den letzten Jahren ein Bewusstsein geschaffen hat. Und ich glaube, wenn wir jetzt, wo wir nicht mehr in aller Welt für die größten negativen Schlagzeilen sorgen, die Reformen etwas beschleunigen und wieder Wachstum erzielen, lässt sich dieses Bewusstsein in etwas Positives verwandeln.

Niemand würde uns glauben, dass ein griechischer Unternehmer das sagt.

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