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Gegen das Griechenland-Bashing : Die griechische Utopie

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Wenn die Türkei oder Zypern ein ähnliches „Sonne-und-Meer-Produkt“ billiger anboten, gingen die Touristen lieber dorthin. Wir wissen aber, dass wir eine Vielzahl von Produkten anbieten könnten: Sport, Abenteuertourismus, religiösen Tourismus, Kreuzfahrten, Kongresse usw. Unser Ziel als Branche ist es, diese Produkte zu identifizieren, ihnen ihre Identität zu geben und sie dann im Ausland anzubieten. Dazu müssen wir mit unserem öffentlichen Sektor zusammenarbeiten, vertreten durch das Ministerium für Tourismus und die nationale Tourismusorganisation.

Der öffentliche Sektor liebt die Tourismusverwaltung. Wird sie derzeit restrukturiert oder wirklich verbessert?

Retsos: Naja. (Gelächter) Es ist sehr leicht, etwas gegen den öffentlichen Sektor zu sagen. Sie können jeden Griechen fragen, alle reden schlecht über den öffentlichen Sektor. Wir wissen, dass es sehr schwierig ist, etwas zu verändern, das über viele Jahre sehr solide aufgebaut worden ist, wenn auch leider auf die falsche Weise. Wir sehen in manchen Bereichen, dass der öffentliche Sektor sich zu ändern versucht, aber das wird viele Jahre dauern und große Anstrengungen erfordern. Aber auch viel Bereitschaft seitens der Regierung.

Und es wird nicht schlimmer?

Retsos: Es kann gar nicht noch schlimmer werden. Es hat einen Punkt erreicht, an dem es nicht noch schlimmer werden kann. Aber die Veränderungen werden sehr schmerzhaft sein und viel Zeit in Anspruch nehmen.

Wir im privaten Sektor versuchen, diesen Prozess zu unterstützen, indem wir Verantwortung und Pflichten übernehmen. So haben wir kürzlich ein zu 100 Prozent privates Unternehmen geschaffen, das seit März unter dem Namen „Marketing Greece“ arbeitet. Es ist das erste Unternehmen dieser Art in der Welt. Wir haben eine Absichtserklärung und eine Übereinkunft mit dem Ministerium geschlossen, aber wir werden nicht vom Ministerium finanziert und haben keine Verpflichtungen ihm gegenüber. Dieses Unternehmen versucht nun, das neue Markenimage des Landes und entsprechende Teilmarken zu schaffen und eine Marketingstrategie zu entwickeln, um diese Produkte im Ausland bekannt zu machen und für sie zu werben.

Wenn das geschehen ist, wird das Ministerium es übernehmen, für diese Marke zu werben und sie zu verkaufen. Wir selbst wollen mit dieser Werbung nichts zu tun haben. Ich bin in dieser Sache sehr zuversichtlich. Ich habe in den letzten vier Monaten gesehen, wie die Sache vorankommt und wie viel Arbeit bereits geschafft ist. Es ist gewaltig. Seit Jahrzehnten haben wir so etwas nicht mehr gesehen, und nun scheint innerhalb von vier Monaten eine ganz neue Welt vor uns auf.

Wäre das ohne die Krise möglich gewesen?

Retsos: Auf keinen Fall. Seit 1990 oder sogar schon länger gab es diesen Wunsch, diesen Traum. Vor 25 Jahren diskutierte der private Sektor erstmals über die Möglichkeit, solch ein Unternehmen zu schaffen. Aber letztlich hat nur die Krise dies möglich gemacht. Die Menschen in Griechenland warten verzweifelt darauf, dass sich etwas ändert, dass etwas Neues kommt, an das sie glauben können. Das erleichterte uns die Arbeit, und nun können wir unser neues Projekt vorstellen, damit die Leute sagen: Okay, das gefällt uns, und wir vertrauen euch. Wir sind bereit, in „Marketing Greece“ zu investieren.

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