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Gegen das Griechenland-Bashing : Die griechische Utopie

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So gingen wir in den Gesundheitssektor, wo wir klinische Forschung und Entwicklung betreiben. Wir arbeiten für Pharmaunternehmen wie Janssen, CILAG, Amgen und anderes sowie für mittelgroße Unternehmen. Wenn sie ein Produkt auf den Markt bringen wollen und klinische Tests durchgeführt werden sollen, müssen die Produkte an Menschen getestet werden. Wir besetzen genau diese Marktnische in Griechenland und sind die einzige auf diesem Gebiet tätige Spezialfirma. Wir bieten Patienten bei schweren Erkrankungen den Zugang zu innovativen und einzigartigen Behandlungsmöglichkeiten, zu denen sie sonst keinen Zugang hätten – und alles nach den strengen EU-Richtlinien.

So werden neue Medikamente zahlreichen Patienten zugänglich, die dringend darauf angewiesen sind. Sind wir bislang erfolgreich gewesen? Ja. Wir haben Innovation und Unternehmergeist des angeblich „undisziplinierten Griechen“ mit harter Arbeit und Effizienz kombiniert. Das Ergebnis sind solide Produkte und hohe Gewinnaussichten. Unser Managementteam besteht aus Griechen, Deutschen, Schweizern, Kanadiern und Amerikanern. Wir verfolgen diesen offenen, freigeistigen Ansatz, um das Unternehmen voranzubringen. Wir haben aus geschäftlichen Gründen auch bereits ein Standbein in der Schweiz. Offensichtlich suchen nicht alle griechischen Unternehmen mit Niederlassungen in der Schweiz nach einer Steueroase. Die Schweiz ist das Mekka der Pharmabranche. Schlecht daran war, dass wir als Griechen ein negatives Stigma trugen, das wir nur unter Schwierigkeiten überwinden konnten. Oft lautete die erste Frage, ob wir „griechische Statistik“ betrieben. Aber lassen Sie mich eines sagen: Das haben damals Politiker gemacht. Es spiegelt nicht die Mentalität griechischer Unternehmen.

Angelos M. Stergiou, Jahrgang 1976, ist Mediziner und Vorstandsvorsitzender der Sellas Life Science Group, die sich auf klinische Forschung und Entwicklung spezialisiert hat. Er hat am Kentucky Wesleyan College studiert und viele Jahre lang in führenden Positionen bei Pharma- und Biotechnologieunternehmen in Europa und den Vereinigten Staaten gearbeitet.

Auch Goldman Sachs war an der griechischen Statistik beteiligt.

Stergiou: Genau. Die Griechen haben das nicht allein gemacht. Und die Sache hat inzwischen ein abruptes Ende gefunden. Eine weitere gute Entwicklung: Deutsche möchten mit Griechen zusammenarbeiten. Nach meiner persönlichen Meinung sind viele Deutsche philhellenisch eingestellt. Sie möchten mit uns zusammenarbeiten. Ich bin erst ein paar Jahre hier, aber ich kann sagen, es gab eine Menge Schmutz in Griechenland. Jetzt hat sich nach großen Schmerzen und Opfern der Staub gewissermaßen gelegt. Deshalb können wir heute die wahren, hell strahlenden Diamanten erkennen.

In Griechenland erwartet man nicht unbedingt Firmen aus dem IT-Bereich oder der Medizinbranche...

Stergiou: In Griechenland dreht sich nicht alles nur um Tourismus und Reedereien. Ich bin sehr stolz, dass wir beträchtlich gewachsen sind. Großunternehmen aus den USA, aus China, die führenden pharmazeutischen Unternehmen – wir treten jetzt in Geschäftsbeziehungen zu ihnen. Griechenland kann sich als spezieller Markt für Medizin- und Forschungsexpertise positionieren. Wir besitzen ein beträchtliches intellektuelles Kapital. Die Bevölkerung hat einen hohen Bildungsstand, mit einem Schwerpunkt auf Mathematik und Naturwissenschaften. Im Medizinbereich sind Griechen aus der Diaspora hierher zurückgekehrt, weil man ihnen Stellungen angeboten hat: Was sie bisher außerhalb Griechenlands taten, tun wir nun in Griechenland.

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