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Gefahrengut Schriftsteller : Nobelpreis für Bob Dylan?

Von der New York Times zum Favoriten gekürt: Bob Dylan Bild: AP

Der Nobelpreis für Literatur, warnte jetzt ein schwedischer Verleger, könne alle Autoren in den Wahnsinn treiben: denjenigen, der ihn erhält, und all jene, die leer ausgehen. Amerika setzt übrigens auf Bob Dylan.

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          Wieso sorgt sich plötzlich alle Welt um Schriftsteller, als handelte es sich um eine gefährdete Spezies? Der Literaturnobelpreis, so hat soeben der schwedische Verleger Svante Weyler gewarnt, könne seinen Träger in den Wahnsinn treiben. Nach dem Nobelpreis kommen für gewöhnlich Ruhm, Ehre und viel Geld, also lauter gefährliche Dinge.

          Sie sind so gefährlich, dass sie oft sogar solche Schriftsteller in den Wahnsinn treiben, die nie mit ihnen in Berührung gekommen sind. Schriftstellern ist in diesen Oktobertagen also nicht zu helfen. Ob sie den Preis bekommen oder nicht, sie sind gefährdet, so gefährdet, dass man sie am besten allesamt zum Gefahrgut zählen sollte.

          Für den Transport von Gefahrgut, ob nach Stockholm oder Wiepersdorf, gibt es zum Glück präzise Vorschriften. Sie sehen zunächst die Einteilung der Autoren in Gefahrgutklassen vor. Nobelpreisträger Günter Grass, streitbar wie eh und je, gehört in die Gefahrgutklasse 4.2: selbstentzündliche Stoffe.

          Sein Kollege V. S. Naipaul zählt wie alle Autoren, die ständig über ihre Kollegen lästern, zur Gefahrgutklasse 8: ätzende Stoffe. Für die meisten anderen tut es schon das amtliche Warnschild: rotes Thermometer in rotem Dreieck auf weißem Grund. Achtung, Gefahrgut in erwärmtem Zustand.

          Nur einer macht uns jetzt noch Sorgen: Bob Dylan, der Schriftsteller, der gar kein Schriftsteller ist. Auch in diesem Jahr zählt er wieder zum Kreis der Favoriten, und soeben hat die „New York Times“ unter der Überschrift „Knock, Knock, Knockin’ on Nobel’s Door“ den Preis für den großen Barden gefordert. Für die Stockholmer Akademie, die seit langem der verbohrtesten Amerikafeindlichkeit verdächtigt wird, wäre das eine gute Gelegenheit, diesen Vorwurf zu widerlegen, einen einzigartigen Heros der Popkultur zu würdigen, mit Nietzsche an die Geburt der Literatur aus dem Geiste der Musik zu erinnern und dabei sämtliche Schriftsteller der Welt so zu düpieren, dass es sie zuverlässig in den Wahnsinn treibt.

          Was Bob Dylan von der ganzen Sache hält, hat er uns schon 1964 wissen lassen: It Ain’t me, Babe.

          Hubert Spiegel

          Redakteur im Feuilleton.

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