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Gefährliches Klima : Macht Politik uns krank?

  • -Aktualisiert am

Boris Johnson rauft sich in Biarritz die Haare. Belastet auch ihn manchmal das politische Klima? Bild: AP

Populisten und Spalter verschärfen derzeit den politischen Diskurs. Eine neue Studie zeigt, dass das auch auf unsere Gesundheit schlägt.

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          Dass die Beschäftigung mit Politik gefährlich sein kann, liegt eigentlich auf der Hand. Nicht umsonst rät der Knigge dringend dazu, alle politischen Themen im Smalltalk zu meiden – sie könnten zu schweren Zerwürfnissen führen. Erkenntnisse dreier Politikwissenschaftler der University of Nebraska-Lincoln legen nun nahe, dass Politik nicht nur das oberflächliche Gespräch stören, sondern Menschen sogar an den Rand des Abgrunds treiben kann.

          Im Fachjournal „Plos One“ berichten Kevin Smith und seine Kollegen, wie sich Politik auf die physische und psychische Gesundheit der Menschen auswirkt. In der Befragung bewerteten achthundert für die amerikanische Gesellschaft repräsentative Teilnehmer ihr subjektives Befinden in 32 Fragen. Der Fragebogen orientierte sich an früheren Studien mit Anonymen Alkoholikern. Anstelle von „Hatte Ihre Alkoholsucht schon einmal Auswirkungen auf Ihren Schlaf?“ wurde beispielsweise gefragt: „Hatten Sie schon einmal Schlafstörungen wegen der Politik?“ Die Ergebnisse sind alarmierend: Vierzig Prozent der Teilnehmer sind gestresst, wenn sie an Politik denken, jeder Fünfte fühlt sich matt, depressiv und liegt in manchen Nächten wach, weil ihn Sorgen um die Politik beschäftigen. Bei bis zu dreißig Prozent löst sie Frustration, Wut, Hass und Schuldgefühle aus. Vier Prozent geben sogar an, deshalb schon einmal an Suizid gedacht zu haben.

          Besonders hart trifft es in der zwei Monate nach Donald Trumps Amtseinführung erhobenen Studie eine ganz bestimmte Gruppe, die den einen oder anderen an die eigene Studienzeit erinnern mag: Vor allem junge, arbeitslose Menschen, die sich gern an politischen Diskussionen beteiligen, sich als liberal bezeichnen, selbst aber dogmatisch und idealistisch sind und eine geringe Meinung von der Gegenpartei haben, leiden derzeit besonders unter dem politischen Klima. Für Smith sind das die Folgen der fortschreitenden Spaltung der amerikanischen Gesellschaft. So gibt jeder Fünfte an, Freundschaften wegen politischer Ansichten verloren zu haben.

          Dass im populistischen Amerika mittlerweile verstörende Zustände herrschen, ist leicht vorstellbar. Aber auch in Europa leiden die Menschen mitunter unter dem Risikofaktor Politik: Im „British Medical Journal“ berichtet ein Arzt von einem Patienten, der kurz nach dem Brexit-Referendum eine Psychose entwickelte. Bei seiner Einlieferung in ein Krankenhaus berichtete der verwirrte und aufgewühlte Mann von Spionen, die ihn umbringen wollten. In der anschließenden Behandlung erzählte er, wie er sich fremd im eigenen Land fühle, die politischen Geschehnisse nicht verarbeiten könne und sich schäme, Brite zu sein. Ob es Populisten wie Boris Johnson und Donald Trump wohl manchmal auch so geht?

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