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Gefährliche Erregung : Ist Pädophilie wirklich therapierbar?

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Wir müssen eine allgemeine Empathie von der für ein Opfer unterscheiden. Frauen in Pornofilmen sind im Allgemeinen keine Opfer. Es handelt sich hier um den Sex zweier gleichberechtigter Erwachsener im Unterschied zu Kindern. Eine erwachsene Frau willigt in eine sexuelle Handlung ein und besitzt auch die grundsätzliche geistige Reife, die Konsequenzen zu ermessen - Kinder besitzen diese Reife nicht und können daher auch nicht einwilligen. Sie sind Opfer.

Lässt sich zwischen der erlaubten und harmlosen Zärtlichkeit und der verbotenen Sexualität eine klare Grenze ziehen?

Ja, die Grenze ist überschritten, wo der Erwachsene seine sexuelle Erregung oder den Wunsch danach in die Begegnung hineinträgt. Immer wieder wird behauptet, dass es Kinder gibt, die das von sich aus wollen. Diese Ansicht wird von manchen Männern sogar sehr offensiv vertreten. Die sagen uns: Was wollt ihr denn, manche Kinder mögen das und machen freiwillig mit. Das ist aber nicht der Punkt. Denn selbst wenn es so sein sollte, widersprechen die leidvollen Erfahrungen von Kindern, die Opfer sexueller Übergriffe geworden sind, dieser Ansicht heftig. Wenn wir Kinder schützen wollen, müssen wir uns an der Möglichkeit orientieren, dass Kinder Schaden nehmen und niemand dies sicher ausschließen kann. Wer Kinder wirklich liebt, geht von diesem grundsätzlichen Risiko aus und tut alles, um lebenslang sexuelle Handlungen mit Kindern zu vermeiden - notfalls auch durch Nutzung von Medikamenten. Die Unversehrtheit des Kindes ist immer das höhere Rechtsgut.

Woher kommt die pädophile Neigung? Ist sie angeboren, ist sie erworben?

Alle sexuellen Präferenzen entstehen aus dem Zusammenspiel von biologischen mit psychosozialen Einflussfaktoren und manifestieren sich dann im Jugendalter endgültig, auch die Pädophilie. Eines Tages merkt ein junger Mann, dass er diese Neigung hat. Er kann nichts dafür, so wenig wie Männer etwas für ihre Vorliebe für erwachsene Frauen oder etwas für ihre Vorliebe für erwachsene Männer können. Aber der Pädophile kann etwas dafür, was daraus wird, und er muss alles dafür tun, dass aus den Phantasien keine Taten werden.

Gibt es auch Männer, die mit Frauen zusammenleben und diese Neigung haben?

Ja.

Was soll einer tun, der die Neigung für Kinderkörper bei sich festgestellt hat?

Er sollte in eine Therapie gehen, damit er lernt, seine sexuellen Impulse so zu kontrollieren, dass kein Kind durch ihn zu Schaden kommt. Der Wunsch, sexuellen Kontakt mit einem Kind zu haben, wird in einem Mann mit pädophiler Neigung aber sein Leben lang lebendig bleiben. Man kann diesen Wunsch nicht wegwünschen. Er wird diesen Wunsch in seinen Phantasien auszuleben versuchen, dagegen ist nichts zu sagen. Auf keinen Fall aber darf dieser Wunsch Wirklichkeit werden.

Es gibt für ihn keine Erfüllung, keine Erlösung?

Sein Leben lang wird ein Mann mit pädophiler Neigung mit dem Gefühl leben müssen, für seine Sehnsüchte keine Entsprechung zu finden und nicht akzeptiert zu werden. Er wird diese Akzeptanz seiner selbst durch eine körperlich intime Erfahrung, in diesem Fall mit einem Kind, nicht erfahren. Das macht sein Leiden aus. Dennoch hat der Schutz der Kinder nun einmal absolute Priorität.

Sexuelle Phantasien haben eine Richtung?

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