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Gefährliche E-Roller : Rollende Köpfe

  • -Aktualisiert am

Endlich wieder Kind sein: Ein Mann fährt mit einem E-Roller durch die deutsche Verkehrslandschaft. Bild: dpa

Seit letztem Monat sind E-Roller in Deutschland als Verkehrsmittel zugelassen. So nett das Fahrgefühl sein mag, die Gefahr von blutigen Köpfen auf dem Asphalt nimmt durch sie zu.

          Gestern an einer Straßenkreuzung in der Frankfurter Innenstadt: An einer roten Ampel stehen Autos und warten auf Grün. Über den Fußgängerweg hasten Menschen in verschwitzten Hemden. Ein Hund wird zurückgerufen, ein Lieferant fährt ohne zu Blinken auf den Bürgersteig. Während eine Mutter zum Telefon greift, rollt ihr der Kinderwagen in die Hacken der Nachbarin. Als die eine Ampel auf Rot und die andere auf Gelb springt, rast ein Fahrradfahrer ohne Helm über die Kreuzung. Das erste Auto fährt an und er fliegt mit voller Wucht über den Kotflügel gegen die Fensterscheibe. Blutüberströmt liegt er im nächsten Moment auf dem Asphalt. An ihm vorbei fahren kopfschüttelnd zwei Banker auf elektrischen Rollern.

          Allgemeines Mobilitätsgewusel

          Als hätten wir nicht schon genug Verkehr in unseren Städten. Als gäbe es nicht schon genug Ungleichheit zwischen seinen Teilnehmern. Nicht schon genug Hassgesten, Unfälle und Tote auf der Straße. Seit letztem Monat sind Tretroller mit Elektromotoren auch in Deutschland zugelassen. In vielen Städten werden sie auf den Trottoirs geparkt und zum Verleih per App angeboten. Damit gibt es jetzt ein weiteres Verkehrsmittel, das im allgemeinen Mobilitätsgewusel seinen Platz behaupten muss.

          Wo genau der liegt, ist allerdings noch nicht klar definiert. Denn verkehrsrechtlich gesehen ist der E-Roller weder Fisch noch Fleisch. Zu schnell für den Bürgersteig, zu langsam für die Autospur, ist eigentlich der Radweg der geeignetste Ort für ihn. Aber der ist entweder nicht vorhanden oder überfüllt, also sieht man den Roller doch dauernd zwischen LKWs herumkurven oder vor Ladeneingängen mit Passanten zusammenstoßen. Aus den vielen europäischen Ländern, in denen der Roller inzwischen zum Straßenbild gehört, mehren sich die Berichte über teils schwere Unfälle.

          Kein Fahr- sondern ein Spielzeug

          Kein Wunder, denn der Rollerfahrer ist zwar motorisiert, aber vollkommen schutzlos. Im Grunde fährt er kein Fahr-, sondern ein Spielzeug. So klein wie der E-Roller ist, lässt er sich im Rückspiegel noch schwerer erkennen als ein Fahrradfahrer. Warum gibt es trotzdem einen solch riesigen Bedarf an so einem Zwittergefährt? Schneller als auf dem herkömmlichen Fahrrad ist man damit jedenfalls nicht, die Kosten für die Miete sind vergleichsweise hoch und besonders erwachsen sieht der Rollerfahrer auch nicht aus. Aber vielleicht ist ja genau das – und nicht der fadenscheinige Hinweis auf den besonderen Fahrspaß und die Bequemlichkeit – der eigentliche und entscheidende Beweggrund.

          Sehnsucht einer überalterten Gesellschaft

          Vielleicht steckt hinter dem jetzt überall um sich greifenden Rollerfahren in Wahrheit nur die Sehnsucht einer überalterten Gesellschaft, wenigstens für ein paar Hundert Meter wieder Kind sein zu dürfen. Wie damals, als man noch nicht Fahrradfahren konnte und auf einem Roller vorwärts tretend zum ersten Mal spürte, wie schön es ist, wenn einem der Fahrtwind ins Gesicht weht. Aber weil man jetzt eben kein Kind mehr ist, sondern ein ausgewachsener Mensch mit Hüftproblemen und eng getaktetem Terminkalender, braucht es einen Motor. Und weil es dem Klima ein wenig hilft, muss der elektrisch sein. Durch die jüngsten Explosionen einer naturgemäß billig produzierten Elektroroller-Batterie in Warschau und einem ähnlichen Vorfall in Posen wird sich dieser Trend nicht aufhalten lassen. Und somit werden wir also in Zukunft wohl oder übel noch mehr blutige Köpfe auf dem Asphalt liegen sehen.

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