https://www.faz.net/-gqz-3en5

Gedenken : Häftling Nr. 87900 setzt in Buchenwald ein Denkmal

  • Aktualisiert am

Einweihung eines Denkmals im Kleinen Lager des ehemaligen KZ Buchenwald Bild: AP

Von einem New Yorker Architekten, der als jüdischer Häftling das KZ-Buchenwald überlebte, stammt ein neues Denkmal im „Kleinen Lager“.

          2 Min.

          Mit einem bewegenden Festakt ist am Sonntag in der KZ-Gedenkstätte Buchenwald bei Weimar ein Denkmal für die Häftlinge des so genannten Kleinen Lagers eingeweiht worden.

          Der Entwurf stammt von dem New Yorker Architekten Stephen B. Jacobs, der 1945 als Kind in das Lager gekommen war. In dessen Pferdestall-Baracken waren zeitweise bis zu 20.000 Menschen, überwiegend Juden, unter furchtbarsten Bedingungen zusammengepfercht.

          Keine Maschinerie des Bösen mehr

          Thüringens Ministerpräsident Bernhard Vogel sagte, aus Buchenwald erwachse die Pflicht, deutlich zu machen, „dass niemand das Existenzrecht Israels in Frage stellen darf“. Die Errichtung des Denkmals mahne, nie wieder zuzulassen, dass eine solche Maschinerie des Bösen in Gang kommen könne. Der stellvertretende Direktor der Gedenkstätte, Rikola-Gunnar Lüttgenau, nannte das Kleine Lager den „furchtbarsten Ort unter den furchtbaren Orten von Buchenwald, den Inbegriff allen menschlichen Elends“. Bis 1990 sei es willkürlich durch einen Zaun abgetrennt worden, nichts habe an den Tiefpunkt der Geschichte des KZ Buchenwald erinnert.

          Jugendliche aus vielen Nationen hätten sich auf die Spurensuche begeben; besonders hartnäckig habe sich der Vorsitzende der Kommission für die Erhaltung des amerikanischen Erbes im Ausland, Warren L. Miller, für das Denkmal eingesetzt und die Verbindung zu dem Architekten Stephen Jacobs geknüpft. Jacobs hat als fünfjähriger Junge - Häftling Nr. 87900 - das KZ Buchenwald überlebt. „Wohl noch nie zuvor hat ein Überlebender ein Denkmal von dieser Dimension und Bedeutung entwerfen können“, sagte Lüttgenau.

          Verantwortung statt Schuld

          Miller erinnerte an die Gedenkveranstaltung für das Kleine-Lager-Denkmal im US-Holocaust Memorial Museum in Washington, das von 400 Menschen, darunter den Botschaftern der meisten Länder Europas besucht wurde. „Heute, 57 Jahre nachdem das Unvorstellbare geschah, ist es für die Deutschen keine Frage der kollektiven Schuld, sondern der kollektiven Verantwortung, der Wahrheit ins Gesicht zu schauen und sie zu verbreiten“, sagte Miller.

          Der ehemalige französische Buchenwaldhäftling Bertrand Herz schilderte, wie einige Häftlinge in einem Umfeld des Elends und des Todes noch die Kraft hatten, Widerstand zu leisten und ihre Menschenwürde zu erhalten. Das illegale Internationale Komitee habe im Kleinen Lager seine geheimen Sitzungen abgehalten. Man habe sich bei den Latrinen getroffen, „die derart stanken, dass kein SS-Mann dorthin kam“. Unter anderem sei es dem Widerstand im Kleinen und im Großen Lager gelungen, rund 1.000 jüdische Kinder zu retten. Das Kleine Lager war im Jahr 1942 als Quarantänelager eingerichtet und durch einen Stacheldrahtzaun vom Hauptlager des KZ Buchenwald getrennt worden.

          Privat finanziertes Denkmal

          Nach den Massenevakuierungen aus Auschwitz und Groß-Rosen Ende 1944 bis Anfang 1945 herrschten dort derart katastrophale Zustände, dass in weniger als 100 Tagen mehr als 5.000 Menschen elend zu Grunde gingen. Nach der Befreiung und dem Abriss der Baracken war das Gelände zugewachsen und lange vernachlässigt worden. Erst seit 1991 hatte die systematische Freilegung begonnen. Die Errichtung des Denkmals ist ein gemeinsames Projekt der „United States Commission for the Preservation of America's Heritage Abroad“ und der Gedenkstätte Buchenwald.

          Realisiert wurde es mit rund 100.000 Dollar Privatspenden aus den Vereinighten Staaten und noch einmal der gleichen Summe von der Bundesrepublik sowie dem Freistaat Thüringen.

          Weitere Themen

          Angst kannte sie nicht

          Lee Krasner in Frankfurt : Angst kannte sie nicht

          Sie ist die Königin des abstrakten Expressionismus: Die Schirn Kunsthalle in Frankfurt zeigt Hauptwerke der amerikanischen Künstlerin Lee Krasner.

          Topmeldungen

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.