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Gastbeitrag: Museumspläne für Berlin : Die Kunst des Machbaren

  • -Aktualisiert am

In Nachbarschaft zur Neuen Nationalgalerie: Auf diesem unscheinbaren Grundstück -  bebaut mit einem ehemaligen Verwaltungs-Gebäude der Staatlichen Museen - könnte der Neubau eines Museums der Moderne entstehen Bild: dpa

Ein neuer Museumsbau könnte am Berliner Kulturforum den Wandel vom Torso zum Gesamtkunstwerk einleiten. So kämen die stadtplanerischen Irrungen und Wirrungen zu einem Ende.

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          Der Vorschlag der Stiftung Preußischer Kulturbesitz und ihrer Staatlichen Museen zu Berlin, am Kulturforum einen Neubau für die Kunst des 20. Jahrhunderts zu errichten, hat eine erfreuliche städtebauliche Diskussion initiiert: Die Bewertung der Variantenuntersuchung zur Zukunft der Berliner Museumslandschaft durch die SPK ergab, dass ein Neubau die beste Lösung für die angemessene Präsentation der Kunst des zwanzigsten Jahrhunderts ist, da ein Umzug der Gemäldegalerie an die Museumsinsel angesichts der vielen anderen großen Bauprojekte der Stiftung derzeit nicht finanzierbar ist.

          Die dadurch bestehen bleibende Trennung von Gemäldegalerie und Skulpturensammlung ist misslich, da sie eine moderne Präsentation im Sinne eines stärkeren Dialogs der Kunstgattungen nur in Ansätzen ermöglicht. Zudem ist die Museumsinsel als Ort der Kunst- und Kulturentwicklung von der Antike bis ins neunzehnte Jahrhundert unvollendet, solange diese Trennung fortbesteht. Aber Kulturpolitik ist immer auch die Kunst des Machbaren.

          Ein Neubau als Hoffnungsträger

          Festzuhalten ist: Malerei und Bildhauerkunst sind für sich jeweils angemessen präsentiert. Dringender Handlungsbedarf besteht hingegen für die Kunst des zwanzigsten Jahrhunderts. Schon für die eigenen Bestände der Nationalgalerie - die Sammlung Pietzsch noch gar nicht einbezogen - reichen die Flächen in Mies van der Rohes Neuer Nationalgalerie nicht mehr aus. Stets sind nur Segmente der bedeutenden Sammlung zu sehen, und diese unerträgliche Situation ist seit Jahrzehnten bekannt. Nur ein Gebäude am Kulturforum mit den nötigen zusätzlichen Ausstellungsflächen kann hier Abhilfe schaffen. Der nun von der Stiftung und ihren Staatlichen Museen angestrebte Neubau bietet die Chance, dies in absehbarer Zeit zu verwirklichen.

          Während die Notwendigkeit eines Hauses für das zwanzigste Jahrhundert unbestritten ist, wird dessen Standort intensiv diskutiert. Das hat viel damit zu tun, dass jede neue Baumaßnahme am Kulturforum unweigerlich und schicksalhaft an die Lösung der städtebaulichen Probleme dieses Ortes gekoppelt wird. Die Geschichte des Kulturforums ist eine Erzählung von großen architektonischen Würfen, unvollendeten Visionen, verworfenen Planungen und misslungenen Lösungen. Geniales Bauen und städtebauliches Scheitern sind sich selten an einem Ort so nahe wie hier. Verständlich deshalb die Hoffnung, ein neues Museum mitten im reichlich trostlosen Zentrum des Kulturforums an der Potsdamer Straße würde auf einen Schlag die Lösung aller städtebaulichen Probleme und früheren Planungsfehler liefern.

          Ein Quartier für alte und neue Meister

          Für einen Neubau mit zirka 10.000 Quadratmeter Nutzfläche, der die zusätzlichen Ausstellungsflächen für die Moderne schaffen würde, kommen am Kulturforum drei Areale in Frage: an der Sigismundstraße, an der Potsdamer Straße und an der Tiergartenstraße. Doch sinnvoll kann nur ein Neubau sein, der die Kunst des zwanzigsten Jahrhunderts im Zusammenspiel mit dem Mies-Bau präsentiert und damit in angemessener Nähe zu diesem errichtet werden muss. Der Standort Tiergartenstraße scheidet deswegen aus. Ganz anders verhält es sich an der Sigismundstraße, wo der Standort zwischen Neuer Nationalgalerie, IBA-Wohnbauten und Wissenschaftszentrum Berlin vergleichsweise ideal ist: Ein dortiger Neubau würde zusammen mit dem Mies-Bau als Einheit wahrgenommen, als ein Museum, in dem die Kunst der Moderne in Berlin erstmals seit den zwanziger Jahren wieder auf Weltniveau präsentiert werden könnte. Eine solche Lösung würde der herausragenden nationalen wie internationalen Rolle der Nationalgalerie gerecht.

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