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Garten in der Hitze : Kühler Kopf beim Blumengießen

  • -Aktualisiert am

Je stärker die Hitze, desto mehr wird gegossen – doch das ist nicht immer das Beste für die Pflanzen. Bild: dpa

Die aktuelle Hitzewelle stellt eine immense Herausforderung für den Gartenbau dar. Viele Menschen greifen daher immer öfter zum Gartenschlauch – aber es gibt auch andere Mittel gegen den Dürretod.

          Der Head Gardener meines Colleges war verzweifelt. Das Vorjahr hatte schon einen heißen Sommer gebracht. Und jetzt, 1990, war es noch schlimmer. Der prächtige Rasen braun, die stolzen Rosen kahl, die herrlichen Rabatten vertrocknet. Von den mächtigen Bäumen wehte ein warmer Wind welke Blätter. Es war zum Heulen. Schuld, da war sich der englische Gärtner sicher, hatte Margaret Thatcher. Sie hatte die öffentliche Wasserversorgung ruiniert, als sie 1989 die gesamte britische Wasserwirtschaft privatisierte und an Aktiengesellschaften verschleuderte. Das kostbare Nass wurde zum Spekulationsobjekt, und in Oxford stöhnten selbst die Colleges unter den drastisch steigenden Wasserpreisen.

          Einen verantwortungsvolleren Umgang mit dem wertvollen Gut hat diese Maßnahme auf der Insel nicht bewirkt. Heute kontrollieren ausländische Fonds den Wassersektor; kurzfristige Gewinnmaximierung heißt die Devise, in die Infrastruktur wird nichts investiert. Das Leitungsnetz ist verrottet, und in manchen Gegenden versickern 40 Prozent des eingespeisten Frischwassers. Die Hitzeperioden, die nach der Millenniumswende immer häufiger wurden, fordern eine Wende, aber die tiefzerstrittene classe politique findet in Großbritannien einmal mehr keine Antwort auf diesen Umweltskandal.

          Der Klimawandel verschärft eine wirtschaftspolitische Fehlentscheidung, die auch für den Gärtner weitreichende Folgen hat. Doch nicht nur im Vereinigten Königreich stellt der heiße Sommer den Gartenbau vor immense Herausforderungen. Hitze und Wassermangel setzen vielen Pflanzen zu, die unter diesem Stress eine leichte Beute alter und neuer Schädlinge werden. Wenn hohe Temperaturen längere Zeit anhalten und man mit dem Wässern nicht mehr nachkommt, dürfte nicht wenige Gärtner die Furcht beschleichen, dass die Ressourcen auch in einstmals gemäßigten Breiten nicht unbegrenzt sind.

          Über Pflanzenvielfalt freuen sich die Bienen

          Die Dynamik des Klimawandels ist in keiner Jahreszeit im Garten besser nachzuvollziehen als im Sommer. Dennoch heißt es, gerade in der Hitze kühlen Kopf zu bewahren und die gewachsene Struktur nicht radikal zu verändern. Vor allem sollten Sie keine Steinwüste im Vorgarten als Lösung aller Probleme favorisieren. Vertrauen Sie weiter auf Vielfalt und Abwechslung. Bienen, Hummeln und Schmetterlinge werden es Ihnen danken. Allerdings sollten vermehrt trockenheitsresistente Pflanzen wie Thymian, Oregano, Salbei und Rosmarin gesetzt werden, die früher im Mittelmeerraum beheimatet waren, inzwischen aber aus unseren Gärten nicht mehr wegzudenken sind.

          An diesem blühenden Rosmarinzweig tut sich eine Hummel gütlich. Bilderstrecke

          Experimentieren Sie mit Alpen-Mannstreu (Eryngium alpinum), Brandkraut (Phlomis), Katzenminze (Nepeta), Lavendel (Lavendula), Nachtkerze (Oenothera), Prachtscharte (Liatris spicata), Schafgarbe (Achillea), Schwertlilie (Iris), Sonnenröschen (Helianthemum), Wollziest (Stachys byzantina) und Zistrose (Cistus), aber auch mit Astern, Fetthenne (Sedum), Sonnenhut (Rudbeckia), Verbene und robusten Gräsern. Zu meinen Entdeckungen unter den Trockenkünstlern zählen die sukkulenten Mittagsblumen (Delosperma), die ebenfalls aus dem Süden stammen und ursprünglich sehr frostempfindlich waren; inzwischen gibt es zahlreiche winterharte Sorten zu kaufen, die über Jahre hinweg kunterbunte Blütenteppiche in jeden Garten zaubern.

          Wachsen lassen und Wasser sparen

          Darüber hinaus können Gehölze und Bäume schattige Areale markieren, die willkommene Rückzugsorte in der Sommerhitze bieten. Wenn der Platz reicht, kann man über die Anlage eines Teiches nachdenken, denn fließendes oder stehendes Wasser ist ein Lebenselixier für alle Lebewesen. Schon eine Regentonne ist ein Gewinn für die Umwelt. Das – einmalig intensive, statt häufig sparsame – Gießen sollte in jedem Fall nur am frühen Morgen oder am späteren Abend geschehen.

          Aber was macht man mit dem wasserverschlingenden Rasen, den ja nicht nur die Engländer lieben? Hektische Betriebsamkeit bringt auch hier nichts. Graben Sie Ihr Wimbledongrün nicht gleich um. Lassen Sie das Gras länger wachsen; das bremst das Wachstum und reduziert den Wasserverbrauch. Den Schnitt sollte man auf dem Rasen liegen lassen: Das ist zwar der Optik abträglich, verringert aber die Verdunstung. Vor allem aber: Ertragen Sie es, wenn der Rasen braun wird. Er wird sich wieder erholen, auch wenn die Sprinkleranlage im Hochsommer nicht regelmäßig läuft.

          Mein Collegegärtner hat mir damals empfohlen, bei Sonne und Hitze eine gute Handbreit Kompost um die Pflanze auszubringen. Das verbessert nicht nur die Struktur des Bodens, sondern ist ein natürliches Mittel gegen den Verlust von Feuchtigkeit. Damit begegnen Sie erfolgreich den trockenen Zeiten des 21. Jahrhunderts.

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