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Auf den Spuren von Gabriel Grüner : Ein Menschenleben

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Auch Reinhardt und Rienhardt waren viel zusammen unterwegs. Beim Einchecken in Pensionen und Hotels wurden sie für Brüder gehalten, auch wenn ein Buchstabendreher und ihre Statur sie unterscheiden. Uli Reinhardt ist groß und behäbig, Joachim Rienhardt klein und drahtig. Er hat lockiges Haar, einen Mehrtagebart und eine Hautfarbe, die einer vom vielen Joggen, Radeln und Skifahren bekommt.

Auf ihrem letzten Weg

„Stern“-Reporter Rienhardt wird seit langer Zeit zum ersten Mal wieder den Duljepass besuchen. In den Jahren nach dem Mord war er oft hier unten - zusammen haben die beiden nach dem Mann gefahndet, der ihre Kollegen erschossen hat. Allein ein Jahr dauerte es, bis sie in etwa wussten, was sich auf dem Pass zugetragen hat.

Auch wenn Joachim Rienhardt das Kosovo von heute zuerst kaum wiedererkennt: Als er am nächsten Morgen mit Reinhardt und den Freunden aus Schwaben zum Pass fährt, kommt ihm mit einer Gänsehaut auf dem Rücken die Erinnerung. „Jetzt sind wir schon auf ihrem letzten Weg“, sagt er. Die Fahrt geht Serpentinen hoch, vorbei an verbeulten Leitplanken und dichtem Gestrüpp. „Sie müssen ganz relaxt gewesen sein“, meint er. Sie hatten die Geschichte fertig recherchiert und fotografiert. Auf derselben Strecke, auf der sie am Tag zuvor mit der Bundeswehr gekommen waren, entfernten sie sich aus der Gefahr. „Die Vögel zwitschern heute friedlich, freundlich“, murmelt er, mehr zu sich selbst als zu den anderen.

Keine Spur mehr vom Krieg

Kurz danach erreichen sie den Pass. Ein flacher Hügel mit neu gebautem Restaurant neben der Straße. Lavendel auf den unscheinbaren Hängen. „Hier, auf der Kuppe nach der scharfen Linkskurve, war der Unfall“, sagt Rienhardt. Er meint die Stelle, wo der Mörder in einem gestohlenen Toyota Celica in das Ende eines stehenden Konvois gerast war. Das fahruntüchtige Auto, das in einem Gebüsch abseits der Straße zurückblieb, gab den ersten Hinweis: Sein Besitzer konnte beschreiben, wie ihm der Wagen von Männern in serbischer Uniform geraubt worden war.

Gabriel Grüner 1995 mit den bosnischen Generälen Atif Dudaković (links) und Mehmed Alagić in der gerade befreiten Stadt Sanski Most
Gabriel Grüner 1995 mit den bosnischen Generälen Atif Dudaković (links) und Mehmed Alagić in der gerade befreiten Stadt Sanski Most : Bild: Uli Reinhardt / Zeitenspiegel

Durch weitere Beweise, die Reinhardt und Rienhardt akribisch sammelten, und Zeugen, die sie in Montenegro, Serbien, dem Kosovo und Mazedonien aufsuchten, ist heute klar, dass der Mörder ein russischer Freischärler in serbischen Diensten war: der 28 Jahre alte Alexandre T. Aufgewachsen in ärmlichen Verhältnissen in Saratow an der Wolga, später Gelegenheitsarbeiter in Moskau. Es gibt Quellen, wonach er sich 1998 als Freiwilliger bei der jugoslawischen Armee meldete. Andere Indizien lassen vermuten, dass er Mitglied des militärischen Geheimdienstes der Russen war.

Der Albanerhasser

Während der serbischen Herrschaft im Kosovo war der panslawistische Extremist als Mann für das Dreckige bekannt und gefürchtet. „Ein Albanerhasser vor dem Herrn“, sagt Uli Reinhardt. Alexandre T. hatte guten Grund jetzt, wo die Bundeswehr und die Albaner die Herrschaft übernahmen, das Weite zu suchen. Dass er dabei sein Fluchtauto zu Schrott fuhr, ist einer der Zufälle, die Grüner, Krämer und Alit zum Verhängnis wurden.

Ein anderer war der Akzent von Senol Alit, dem türkischstämmigen Mazedonier. Als sie mit Alits weinrotem Mercedes vier bis fünf Minuten nach dem Unfall hinter dem gerammten Konvoi zum Stehen kommen, fragt Alit einen alten Serben mit einer Kalaschnikow, wieso es hier nicht weitergehe. Der Mann antwortet, sie seien wegen Straßensperren der Albaner umgekehrt, nun aber von serbischen Soldaten aufgefordert worden, eine andere Route zu nehmen.

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