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G-8-Gipfel : Seltsam war das schon

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Aufräumen: Der G-8-Gipfel ist vorbei Bild:

Der Ablauf des Gipfels war unfassbar großes militärisch-protokollarisches Staatstheater. Aber die Ideen und intellektuellen Vorgaben kamen von Bono, Sir Bob und den unübersehbaren, unüberhörbaren, hochmobilen, nie berechenbaren Protestlern. Von Nils Minkmar.

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          „Ist das ein Sherpa?“ Sherpas, Gipfelführer im Himalaja, sind in Mecklenburg-Vorpommern an sich selten, aber wir sind ja in einem neuen Land namens GeeAcht, und da ist alles anders, es wimmelt von Sherpas, so nennt man hier, in diesem neuen Land, Spitzenbeamte, die die Regierungschefs auf solche Gipfel vorbereiten. Der gewöhnlich sehr gut informierte Kollege neben mir rätselt weiter, denn ich weiß es auch nicht. Wir sitzen, es ist Freitag Vormittag, im sogenannten Briefing Room Nummer 5 und haben kurz den Durchblick verloren. Doch bald kapieren wir: Der ältere Herr, der zu uns spricht, ist Abdoulaye Wade, der Staatspräsident Senegals. Eine vollbesetzte erste Reihe senegalesischer Journalisten, dahinter leere Stühle, ein paar Mexikaner, kaum Weiße.

          Präsident Wade hat keine gute Laune. Trotz des Wetters. Obwohl man ihn eingeladen hat zu den Großen Acht. Obwohl so viel von Afrika die Rede ist auf diesem Gipfel. Aber wovon da genau die Rede ist, das passt ihm nicht: „Afrika ist nicht krank. Ich bin nicht krank. Wir sind nicht bloß ein Kontinent von Aids und Malariakranken, ich bitte Sie!“ Präsident Wade möchte über andere, ihm wichtigere Dinge reden, und er hat gut reden, denn in seinem Land sind weniger als ein Prozent HIV-positiv, sagt er. Aber es ist mehr, ihm behagt die ganze Vorgehensweise nicht, eingeflogen zu werden und festzustellen, dass alle Themen schon längst da sind, dass alle wissen, was Afrika braucht. Lieber schildert er einen Einfall, den er mal hatte und an dem ihm viel liegt: den Regen der afrikanischen Regenzeit in Staubecken zu sammeln und darin Fische zu züchten, Fische für die Frauen zum Verkaufen.

          Ein Land der guten Menschen

          Raum 5 ist begeistert, denn es klingt so schön und elementar, fast biblisch. Sein zweites Projekt ist schon ambitionierter, er will einen grünen Streifen quer durch Afrika, von Dakar bis Djibouti ziehen, also die Sahelzone im Süden begrenzen, um die fortschreitende Verwüstung aufzuhalten. „Das nenne ich die große grüne Mauer.“ „Also“, fügt er fast beschämt an, „die Idee ist von Obasanjo (dem ehemaligen Präsidenten Nigerias), aber der Name, der ist von mir.“ Er resümiert die Lage: „Wir sind ein kleines Land ohne Bodenschätze, wir brauchen Hilfe, Straßen zum Beispiel und Flughäfen. Unsere Leute sind gesund, wollen was arbeiten, was unternehmen, da kann man doch nicht nur über Seuchen reden.“

          Der Zaun hat seine Schuldigkeit getan, der Zaun kann gehn
          Der Zaun hat seine Schuldigkeit getan, der Zaun kann gehn : Bild: ddp

          Und ob. Und über Geld gegen Seuchen, Medikamente gegen Seuchen, dann über Entschuldung und das Klima, über Abrüstung. GeeAcht ist das Land der guten Menschen gewesen, bloß dieser afrikanische Präsident scheint es noch nicht richtig zu begreifen.

          „Ich brauch was mit Afrikanern, egal was“

          Wesentlich schärfer sah es ein deutscher Kameramann, der am Stand des Bundespresseamtes einen besseren Standplatz für sein Team erflehte: „Darf ich mal offen sein? Es ist so: Ich brauche was mit Afrikanern, egal was.“ Die Großen Acht, das war der Subtext jeder einzelnen offiziel-len und inoffiziellen Mitteilung, sind gut. Sie werden sich in Kürze in die Guten Acht umbenennen. Und wer gut ist, der kümmert sich um Afrika.

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