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Rote Karten für neues Vergehen : Fouler Husten

Demnächst könnte es im Fußball noch mehr Rote Karten geben, wie hier im französischen Pokalfinale am 24. Juli für Perrin von Saint-Etienne. Bild: dpa

Die Regelhüter des internationalen Fußballs wollen gegen Corona-Rüpel unter den Spielern vorgehen. Für die Schiedsrichter bedeutet das zusätzlichen Stress.

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          Ist das gerecht? Von all den Stürmen, die über Institutionen hinweggegangen sind, weil sie jüngsten Vorstellungen von Identität und Repräsentation nicht entsprechen, ist das International Football Association Board völlig unberührt geblieben. Dabei gäbe das Ifab in mehr als einer Hinsicht ein lohnendes Ziel ab: Ihm gehören nur Männer an, die weiß sind. Überwiegend sind sie ziemlich alt und stammen gewissermaßen qua Geburt aus England, Wales, Nordirland und Schottland. Es sind nämlich die Chefs der vier britischen Fußballverbände, welche die Regeln des Fußballs festlegen, die für alle Fußballer aller Ligen in aller Welt gelten.

          Allerdings ist auch die Fifa Mitglied dieses Boards, in Person von deren Präsident. Und so bringt der Schweizer Gianni Infantino ein schönes Stück Diversität in diesen exklusiven Kreis. Mit seinen fünfzig Jahren ist er geradezu ein junger Hüpfer. Und an seinem Ruf als lupenreiner Demokrat hat Infantino so beharrlich gearbeitet, dass es nur natürlich ist, wenn er für die Fifa gleich vier Stimmen abgeben darf, während die Herren aus Großbritannien jeweils nur eine Stimme haben.

          Das Ifab galt lange als sehr konservativ und unbeweglich, aber in den vergangenen Jahren hat es einen gewissen Reformeifer entwickelt, auch das darf man wohl dem Einfluss des umtriebigen Fußballweltherrschers zurechnen. Ganz kurzfristig hat das Board jetzt eine zusätzliche Regel eingeführt, aus gegebenem Corona-Anlass. Demnach können Spieler des Feldes verwiesen werden, wenn sie absichtlich in Richtung von Schiedsrichtern oder gegnerischen Spielern husten oder niesen.

          Die Betonung liegt auf „absichtlich“, die Schiedsrichter sollen mit Fingerspitzengefühl vorgehen und bewerten, ob es sich um Vorsatz handelt. Auch der Abstand auf dem Spielfeld zum potentiellen Opfer sei bei der Urteilsfindung zu berücksichtigen, sagen die hohen Herren vom Ifab. Viel zu tun also für die Referees und deren Helfer an den Videogeräten. Sie werden nach Ausführungsbestimmungen verlangen: Sind anderthalb Meter genug Abstand, oder sollten es zwei sein? Sie werden Psychologen in den Kölner Keller setzen, die mittels Superzeitlupe die Mimik der Spieler analysieren und an ihr ablesen, ob es sich um Vorsatz gehandelt hat oder um eine natürliche Kopfbewegung.

          Zu klären wäre noch: Wie wird Revanche-Husten bewertet? Und was ist, wenn ein Spieler sagt, ihm sei der Ball nur deshalb an die Hand gesprungen, weil er sie zum Mund habe führen wollen, um ein Anhusten des heranstürmenden Gegenspielers zu verhindern? Meine Herren vom Ifab, wir fürchten, die Schiedsrichter würden Ihnen gern etwas husten.

          Matthias Alexander
          Stellvertretender Ressortleiter im Feuilleton.

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