https://www.faz.net/-gqz-a0kq5

Fußball im Fernsehen : Abstiegskampf

Frust bei Chris Löwe wie hier am vergangenen Spieltag: der Dynamo-Profi lässt seinen Emotionen freien Lauf. Bild: dpa

Ohne Zuschauer im Stadion ist beim Fußball alles nichts. Trotzdem hofft die Deutsche Fußball-Liga auf Milliarden beim Verkauf der Fernsehrechte. Emotional aber wird es nur bei einem traurig-wütenden Absteiger.

          2 Min.

          Die Bundesliga und die Kreisklasse haben, seit der Profifußball unter Corona-Bedingungen wieder spielt, eines gemeinsam: die Zahl der Zuschauer. So viele, wie sonst am Rand der Bolzplätze stehen, hocken nun in den großen Stadien. Man hört jeden Einzelnen, so er sich per Zwischenruf bemerkbar macht. Rufen die Ersatzspieler auf der Tribüne gemeinsam, wird es geradezu laut. Man hört, wer wem was auf dem Spielfeld sagt, man hört den Regen und die Belüftungsanlage.

          Aufregend ist das nicht, eher gespenstisch, auch wenn die Bayern Meister werden und sich die Sky-Reporter Mühe geben, es spannend zu machen. Die Hartgesottenen gewinnen sie damit, die anderen, die sonst etwa die „Sportschau“ schauen, schalten nicht ein, was bei der ARD zu Beunruhigung führt.

          Ihre Fußballshow interessiert zurzeit weniger Zuseher als sonst (vier Millionen statt fünf Millionen), der Abo-Sender Sky kommt an seine Normalquoten von bis zu zwei Millionen Zuschauern immerhin heran. Wenn das so weitergeht – ohne Zuschauer im Stadion –, dürfte auch der Bildschirm als Ersatz an Attraktivität verlieren. Damit die gerade startende britische Premier League läuft, wird der Supertrainer aus Liverpool (der einem in der Werbung pausenlos Autos und Versicherungen andrehen will) zum Titanen aufgebaut. Doch auch das wirkt unter dem Motto „Come on Klopp“ klinisch tot.

          Da nimmt es nicht wunder, dass von den Verhandlungen über die Senderechte der Spielzeiten 2021 bis 2025 kein Einnahmerekord zu erwarten ist, sondern ein Minus. 4,64 Milliarden Euro nahm die Deutsche Fußball-Liga (DFL) bei der letzten Vierjahresauktion ein, nun hoffte sie auf eine halbe Milliarde mehr. Bis Freitag mussten die Gebote für sieben verschiedene Rechtepakete abgegeben werden, am Montag verkündet die DFL das Ergebnis, am Wochenende sickert es bestimmt schon durch. Wahrscheinlich darf man froh sein, wenn nicht Amazon alles kauft oder man nicht künftig ein halbes Dutzend Abos braucht.

          Emotional wurde es in diesem Fußballgeschäft übrigens jetzt nur, als der Spieler Chris Löwe von Dynamo Dresden über das fürs Fernsehen und die DFL so wichtige Saisonfinale aus der Sicht der Verlierer mit tränenerstickter Stimme ins Mikro sprach. Wegen zweier Corona-Fälle musste seine Mannschaft erst für zwei Wochen in Quarantäne und dann zu sieben Spielen in neunzehn Tagen antreten, der Abstieg in die 3. Liga war vorherzusehen. „Wir sind am Ende die, die den Preis bezahlen für den ganzen Scheißdreck“, sagte Löwe und fragte: „Wäre dasselbe mit Bayern München oder Dortmund passiert?“ Wir sagen: Wäre es garantiert nicht. Löwes Worte waren gut zu hören, im leeren Stadion. Sie sind schon verhallt.

          Michael Hanfeld
          verantwortlicher Redakteur für Feuilleton Online und „Medien“.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Nordrhein-Westfalen, Essen: Eine Mitarbeiterin der Pflege in Schutzausrüstung betreut einen Corona-Patienten.  (Archivbild)

          Corona in Deutschland : Sieben-Tage-Inzidenz sinkt weiter auf 10,3

          Das RKI hat seit dem Vortag 1076 Corona-Neuinfektionen registriert. Vor einer Woche war der Wert noch mehr als doppelt so hoch. Auch die Zahl der an Covid-19 Verstorbenen ist kleiner als in der Vorwoche. Weltweit allerdings steigen die Totenzahlen rasant an.
          Spekulieren per App ist gefährlich - und verführerisch

          Zocken per App an der Börse : Meine Freunde, die Spekulanten

          Für die einen ist Zocken ein Geschäft, für die anderen eine Lebensform. Manche werden reich, andere stürzen in den Ruin. Was sie alle antreibt: der Dopaminrausch per Mausklick. Ein Selbstversuch.
          Es ist fraglich, ob der Impfstoff von CureVac in der EU noch zum Einsatz kommen wird.

          F.A.Z.-Frühdenker : Gerät die deutsche Impfkampagne ins Stocken?

          In Iran wird gewählt. Die Grünen planen einen Pakt mit der Wirtschaft. Die DFB-Elf bereitet sich auf das Spiel gegen Portugal vor. Und wie ist es um die deutsche Impfkampagne bestellt? Der F.A.Z.-Newsletter für Deutschland.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.