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Fußball im Problembezirk : Im freien Raum

  • -Aktualisiert am

Das Training beginnt. Helmut schickt eines der Mädchen ins Tor, weil sie eine Kette trägt, obwohl sie das nicht soll, und eine andere in das andere, weil sie gelacht hat. Eine Spielerin schmeißt ein Buch an den Spielfeldrand. „Sterben sollst du für dein Glück“ heißt es. Damla, die verletzungsbedingt ausfällt, hebt es auf und liest. Es geht um ein österreichisch-pakistanisches Mädchen, das von ihren Eltern nach Pakistan verschleppt wird und sich durch Flucht einer Zwangsheirat entziehen kann. „Voll geil das Buch, voll traurig“, sagt Damla nach wenigen Seiten. Außerdem weiß sie, was über Sarah in der Zeitung stehen soll: „Sie kümmert sich viel, sie tröstet, ist ein klasse Mensch.“

Auf dem Feld ist Sarah schnell, wenn auch nicht die Schnellste. Sie hat einen Blick für Situationen und macht Ansagen. In ihrem Zimmer steht der Pokal „Bester Torschütze Girls Day“, daneben der Pokal „Bester Torwart“, halten kann sie auch. Aber ganz allein wird sie ihr Ziel vom großen Fußball nicht erreichen. Die anderen müssen mitziehen. Auch Sanem, Nigi und Patti sind ehrgeizig. „Wir wollen was aus uns machen“, sagt Patti. Vielleicht reicht das. Nur nicht wieder Gurkentruppe.

Vier Worte der Anerkennung

Helmut hat sich schon viele Gedanken „über Mädchenfußball in diesem Umfeld“ gemacht, sogar ein Pamphlet geschrieben. Er erzählt davon, beim Kaffee in seinem Fußballshop sitzend, zwischen ungravierten Pokalen und Sportartikelkartons aus Asien. „Bei Mädchen, da stehe ich manchmal, und denke, was soll das hier? Die zieren sich wie die Zicke am Strick. Es ist nicht reinzukriegen. Das richtige Abwehrverhalten, das Stehen zum Gegner. Alles, was außerhalb der individuellen Technik liegt.“ Schmerzhaft ergreift ihn die Erinnerung an das erste Spiel seiner Mädchen, als die Hälfte nach fünf Minuten ausgewechselt werden wollte. Schwitzen, aus der Puste sein, sich im Spiel erholen und wieder anstrengen. Das waren neue Erfahrungen. So wurde ihm klar, dass er erst mal die Grundlagen von Sport einüben muss. „Was ich eigentlich nicht als meine Aufgabe ansehe.“

Auf Sarahs Traum, es in die Nationalmannschaft zu schaffen, reagiert er verschlossen. Sie brauche Zeit. Zum Auswahltrainer habe er gute Kontakte, daran wird es nicht scheitern. Der Straßenfußball, den Sarah früher mit Jungs gespielt hat, tat ihr gut. Dennoch fehlt ihr das Training der D-Jugend ab elf, zwölf Jahren. „Das wichtigste Lernalter für Sport.“ Vor kurzem hat Helmut ihr einen Trainingsplan erstellt. „Sie hält sich dran.“ Das waren sie, die vier Worte der Anerkennung.

Die Mischung stimmt nicht

Der Schulhof in der Pause. In der einen Ecke toupieren sich aufgedonnerte türkische Killamädschen - so der Slang - gegenseitig mit solcher Wucht die Haare, dass allein vom Zuschauen die Kopfhaut brennt. In der anderen Ecke grunzen Minimachos, dazwischen schlendern pärchenweise die geheimnisvollen Kopftuchträgerinnen. Der Fahrradständer steht komplett leer, bei über neunhundert Schülern kein einziges Rad.

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